
Gelebte Forschungspartnerschaft
Zwei Wiener Schulen erforschen ihren Schulalltag und reflektieren über ihr soziales und kulturelles Umfeld.
Nicht zuletzt angesichts der aktuellen Schlagzeilen ist unbestritten : Schule und Bildung zählen zu den Dauerbrennern in der öffentlichen Debatte. Kaum jemand, der sich da nicht zu Wort meldet – oder ? Stefan Hopmann, Professor am Institut für Bildungswissenschaften der Universität Wien, gibt zu bedenken : „Im Konzert der Stimmen fehlt aber meist die, auf die es eigentlich ankommen sollte : die der Schüler selbst. Wenn überhaupt, wird ihre Meinung durch standardisierte Verfahren nach vorgeformten Mustern eingeholt. Als selbstständige Subjekte, die eine eigene Sicht der Dinge haben, kommen sie kaum zu Wort.“
Hopmann leitet im Rahmen des Forschungsprogramms „Sparkling Science“ (siehe Kasten rechts) das Projekt „Mitten im 2.“, dessen Intention primär darin besteht, dass Schüler ihre eigene Schulwirklichkeit und ‑geschichte erforschen. Zwei Bildungsstätten, die Lauder-Chabad-Schule und das Sigmund-Freud-Gymnasium, sind daran beteiligt. Neben der Befragung der Schüler zu ihren Eindrücken und Wahrnehmungen im Hinblick auf den Schulalltag geht es vor allem um eigenständige Recherche.
Präzise Evaluierung
Das vergangene Schuljahr stand ganz im Zeichen der Erforschung des physischen Schulumfelds. Besonders berücksichtigt wurden dabei die heterogene soziale und kulturelle Zusammensetzung der beiden Schulen sowie des 2. Wiener Gemeindebezirks. Das Thema Migration spielt an beiden Schulen eine Rolle : So hat am Sigmund-Freud-Gymnasium fast die Hälfte der Schüler einen Migrationshintergrund, an der Lauder-Chabad-Schule haben rund 90 Prozent eine andere Muttersprache als Deutsch. In einem weiteren Schritt sollen nun die Schulpraxis der Partnerschule evaluiert werden und Modellszenarien für Schul- und Unterrichtsforschung unter Einbeziehung der Schüler entworfen werden.
Sparkling Science
„Sparkling Science“ ist ein junges Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, das einen unkonventionellen Weg der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung beschreitet.
Aktive Teilnahme
Die Besonderheit des Programms : In den mehr als 50 Forschungsprojekten arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Seite an Seite mit Jugendlichen im Alter von zehn bis 18 Jahren, wobei die jungen Kollegen nicht als Zuschauer eingebunden sind, sondern aktiv Teilbereiche der Forschung übernehmen und diese eigenständig bearbeiten.
Die Schüler bringen als Juniorkollegen wichtige Anregungen in den Forschungsansatz ein, sie wirken an der Konzeption und Durchführung von Untersuchungen mit, machen Befragungen, erheben Daten, interpretieren diese gemeinsam mit den Wissenschaftlern und stellen die Ergebnisse an Schulen, an Universitäten und bei wissenschaftlichen Tagungen vor.
Geforscht wird an unterschiedlichsten Wissenschaftsfragen : von Mechatronik über Molekularbiologie bis Migrationsforschung, von Akustik über Biometrik bis hin zur Sprachkontaktforschung.
Die Kombination hochwertiger Forschung mit Nachwuchsförderung erweist sich als erfolgreiches Modell, das Barrieren abbaut und aus dem bleibende institutionelle Partnerschaften entstehen.
Die Rückmeldungen aus den laufenden Projekten sind außerordentlich positiv, und die für Januar 2010 geplante dritte Ausschreibung des Programms wird von Wissenschaftlern und Schülern mit großem Interesse erwartet.