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© Pexels.com/Rahul Pandit

Geschäfts­mo­dell Cyber-Kri­mi­na­li­tät mit KI-Services

Gene­ra­tive KI-Tools haben das Poten­zial wirk­lich dis­rup­tive Cyber­an­griffe zu ermög­li­chen. Eine Ana­lyse von Trend Micro zeigt neu­este Ent­wick­lun­gen und beleuch­tet Bedro­hun­gen der nahen Zukunft.

Tech­no­lo­gien im Bereich der Künst­li­chen Intel­li­genz (KI) gewin­nen in der Wirt­schaft rasch an Akzep­tanz und das inklu­diert auch die neuen gene­ra­ti­ven, sprach­ge­steu­er­ten Anwen­dun­gen. Auch die Welt der Cyber­kri­mi­na­li­tät ver­wen­det KI und hier gibt es zwar Ver­su­che, eigene cyber­kri­mi­nelle Large Lan­guage Models (LLMs) zu ent­wi­ckeln, doch diese wur­den weit­ge­hend auf­ge­ge­ben. Die Kri­mi­nel­len set­zen nun auf bestehende Modelle, die sie „jailb­rea­ken“. Hier wird mit spe­zi­el­len Tricks ver­sucht die grund­sätz­lich ja inte­grier­ten Sicher­heits­vor­keh­run­gen zu umge­hen, so aktu­elle Ana­ly­sen des Secu­rity-Dienst­leis­ters Trend Micro.

KI-gestützte Cyber-Atta­cken als (kri­mi­nelle) Dienstleistung
Bei „Ange­bo­ten“ von Jailb­rea­king-as-a-Ser­vice nut­zen Kri­mi­nelle raf­fi­nierte Tech­ni­ken, um LLMs dazu zu brin­gen, Anfra­gen zu beant­wor­ten, die eigent­lich blo­ckiert wer­den soll­ten. Diese Tech­ni­ken rei­chen von Rol­len­spie­len über hypo­the­ti­sche Sze­na­rien bis hin zur Nut­zung frem­der Spra­chen. Dienst­an­bie­ter wie Ope­nAI oder Google arbei­ten daran, diese Sicher­heits­lü­cken zu schlie­ßen. Cyber­kri­mi­nelle Nut­zer wie­derum müs­sen des­halb auf raf­fi­nier­tere Jailb­rea­king-Prompts zurück­grei­fen. So ist ein Markt für eine neue Klasse von kri­mi­nel­len Diens­ten in Form von Chat­bot-Ange­bo­ten für Jailb­rea­king entstanden.

„Cyber­kri­mi­nelle haben KI schon lange vor dem jüngs­ten Hype um gene­ra­tive KI in der IT-Bran­che miss­braucht. Trend Micro hat sich daher in kri­mi­nelle Unter­grund­fo­ren bege­ben, um her­aus­zu­fin­den, wie Cyber­kri­mi­nelle KI tat­säch­lich nut­zen, um ihre Ziele zu errei­chen und wel­che Art von KI-gestütz­ten kri­mi­nel­len Dienst­leis­tun­gen ange­bo­ten wer­den. In die­sen Unter­grund­ge­sprä­chen über KI zeigt sich, dass das Inter­esse an gene­ra­ti­ver KI den all­ge­mei­nen Markt­trends gefolgt ist, die Akzep­tanz jedoch hin­ter­her­zu­hin­ken scheint“, sagt David Sancho, Rese­ar­cher bei Trend Micro.
„Wir haben Geschäfts­mo­delle rund um diese KI-gestütz­ten Fäl­schun­gen gesehen“

„Wir haben auch LLM-Ange­bote von Kri­mi­nel­len für Kri­mi­nelle gese­hen. Dar­un­ter FraudGPT, Dark­BARD, Dark­BERT und DarkGPT, die viele Ähn­lich­kei­ten auf­wei­sen. Aus die­sem Grund ver­mu­ten wir, dass sie höchst­wahr­schein­lich als soge­nannte Wrap­per-Dienste für den legi­ti­men ChatGPT oder Google BARD funk­tio­nie­ren. Wir nen­nen sie Jailb­rea­king-as-a-Ser­vice-Dienste“, so Sancho. 

„Wei­ters haben wir auch andere mög­li­cher­weise gefälschte kri­mi­nelle LLM-Ange­bote unter­sucht : WolfGPT, XXXGPT und Evil-GPT. Dabei befas­sen wir uns auch mit Deepf­ake-Diens­ten für Kri­mi­nelle, wo wir Preise und einige frühe Geschäfts­mo­delle rund um diese KI-gestütz­ten gefälsch­ten Bil­der und Videos gese­hen haben“, ergänzt David Sancho, Senior Threat Rese­ar­cher bei Trend Micro.

Deepf­ake-Ser­vices auf dem Vormarsch
Trend Micro äußert sich auch zum Thema Deepf­akes. Diese gibt es zwar schon län­ger, aber erst kürz­lich wur­den echte cyber­kri­mi­nelle Ange­bote ent­deckt. Kri­mi­nelle bie­ten Deepf­ake-Dienste an, um Sys­teme zur Iden­ti­täts­über­prü­fung zu umge­hen. Beson­ders im Finanz­sek­tor wird dies zu einem zuneh­men­den Pro­blem, da Ban­ken und Kryp­to­wäh­rungs­bör­sen immer stren­gere Über­prü­fun­gen verlangen.

Die Erstel­lung von Deepf­akes wird immer güns­ti­ger und ein­fa­cher. Cyber­kri­mi­nelle nut­zen diese Tech­no­lo­gie, um gefälschte Bil­der und Videos zu erstel­len, die selbst fort­ge­schrit­tene Sicher­heits­sys­teme täu­schen kön­nen. Dabei reicht oft schon ein gestoh­le­nes Aus­weis­do­ku­ment, um ein über­zeu­gen­des Fake-Bild zu erstellen.

Ein­schät­zun­gen für die nahe Zukunft und drei grund­le­gende Regeln
Die Ent­wick­lun­gen zei­gen, dass Kri­mi­nelle immer neue Wege fin­den, KI-Tech­no­lo­gien zu miss­brau­chen. Unter­neh­men und Pri­vat­per­so­nen müs­sen des­halb wach­sam blei­ben und ihre Cyber­si­cher­heits­maß­nah­men ste­tig ver­bes­sern, um gegen diese Bedro­hun­gen gewapp­net zu sein. Trend Micro hat drei grund­le­gende Regeln von cyber­kri­mi­nel­len Geschäfts­mo­del­len aus­ge­macht, wenn diese Akteure in gro­ßem Stil auf GenAI setzen.

Ales Ers­tes wol­len Kri­mi­nelle mit mög­lichst gerin­gem Auf­wand und nied­ri­gem Risiko ein bestimm­tes wirt­schaft­li­ches Ergeb­nis errei­chen. Sie über­neh­men neue Tech­no­lo­gien nur, wenn die „Ren­dite“ höher ist als bei den bestehen­den Metho­den ist die zweite These. Und drit­tens gilt : Evo­lu­tion statt Revo­lu­tion. Kri­mi­nelle bevor­zu­gen schritt­weise Anpas­sun­gen, statt umfas­sen­der Über­ar­bei­tun­gen, um neue Risi­ko­fak­to­ren zu vermeiden.

Aktu­ell über 6 .700 Large Lan­guage Modelle nur auf einer KI-Plattform
Zusam­men­fas­send gesagt, bleibt der Bedarf an siche­ren, anony­men und nicht nach­ver­folg­ba­ren Zugän­gen zu LLMs bestehen. Damit wer­den sich kri­mi­nelle Dienste immer wie­der neue LLMs zunutze machen, die dann auch ein­fa­cher zu jailb­rea­ken oder auf ihre spe­zi­el­len Bedürf­nisse zuge­schnit­ten sind. 

Der­zeit gibt es allein auf der KI-Platt­form Hug­ging Face über 6.700 ver­füg­bare LLMs. Es wer­den aber immer mehr alte und neue kri­mi­nelle Tools GenAI-Funk­tio­nen inte­grie­ren. „Cyber­kri­mi­nelle begin­nen die tat­säch­li­chen Mög­lich­kei­ten der gene­ra­ti­ven KI gerade erst zu ent­de­cken“, so die finale Erkennt­nis von Trend Micro.

Autor: red/czaak
18.06.2024

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