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Gesell­schafts­bild und Frauenrolle

Die Ideo­lo­gien der Welt­ge­schichte haben stets auch eine beson­dere Posi­tion zur Rolle der Frau in der Gesell­schaft bezo­gen. Zwei der extrems­ten und hete­ro­gens­ten Bei­spiele sind hier­bei der Natio­nal­so­zia­lis­mus und der Kommunismus.

Die Rolle der Frau im Natio­nal­so­zia­lis­mus kann als mas­si­ver Rück­schritt gegen­über allem, was bis zu jener Zeit für die Frau­en­be­we­gung getan wurde, gese­hen wer­den. Die Frau­en­rolle in der Nazi-Gesell­schaft war in ers­ter Linie vom Bild der Frau als Mut­ter und der Schöp­fe­rin von Nach­kom­men geprägt. Das Frau­en­bild wurde der Ideo­lo­gie samt und son­ders unter­ge­ord­net. Sie war die Lie­fe­ran­tin und Hüte­rin des „erbrei­nen“ Nach­wu­ches , ihre Rolle wurde auf Opfer­be­reit­schaft, Unter­wür­fig­keit und Selbst­lo­sig­keit redu­ziert. Zunächst wurde ihr von der „Män­ner­par­tei“ der Nazis auch der Ein­tritt ins Arbeits­le­ben und die Aus­übung von Beru­fen abge­spro­chen, was sich dann spä­ter aller­dings durch kriegs­be­ding­ten Arbeits­kräf­te­man­gel änderte.
Inter­es­san­ter Weise wähl­ten viele Frauen in der Wei­ma­rer Repu­blik die NSdAP, offen­bar weil sie sich durch deren mar­tia­li­sches Gehabe ange­zo­gen fühl­ten. Ein ähn­li­ches Phä­no­men zeigte sich ja auch in Kärn­ten unter Hai­der, des­sen FPÖ bzw. BZÖ auf einen über­durch­schnitt­li­chen Frau­en­an­teil kam und wohl auch noch kommt.
Mit Macht­über­nahme der Natio­nal­so­zia­lis­ten tra­ten aller­dings die Ziel­kon­flikte von Par­tei und frü­he­ren weib­li­chen „Pro­test­wäh­lern“ her­vor. Bald wurde das Mut­ter­kreuz für Frauen mit „Über­durch­schnitt­li­cher Gebähr­leis­tung“ ein­ge­führt, junge Frauen muss­ten aus­ser­dem ein Pflicht­jahr in der Land­wirt­schaft absol­vie­ren, einem Sek­tor, in dem sie neben der Rüs­tungs­in­dus­trie zuneh­mend gefrag­ter wur­den. Femi­nis­mus wurde von NS-Pro­pa­gan­dis­ten wie Josef Rom­pel als „Volks­ent­ar­tung“ bezeich­net, Hit­ler nannte es ein vom „jüdi­schen Intel­lekt“ erfun­de­nes Wort. Der His­to­ri­ker Hans-Ulrich Weh­ler bezeich­nete die Situa­tion in der NS-Zeit als „Frau­en­hölle“.
Der Kom­mu­nis­mus bemühte sich eben­falls, das Bild und die Rolle der Frau in der Gesell­schaft neu bzw. anders zu bewer­ten, auf eine völ­lig ent­ge­gen­ge­setzte Art. Frauen soll­ten der Ideo­lo­gie gemäß in jeder Hin­sicht gleich behan­delt wer­den, vor dem Hin­ter­grund , die all­ge­meine Pro­duk­ti­ons­kraft zu erhö­hen. Dass sich Frauen aus­schließ­lich der Kin­der­er­zie­hung und der Fami­lie wid­me­ten, wurde als Ver­schwen­dung eben­die­ser Pro­duk­tiv­kraft gese­hen. Damit ver­bun­den war die Unter­brin­gung der Kin­der mög­lichst früh in gemein­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen, was zwei Vor­teile mit sich brachte : Die Frauen wur­den von der Kin­der­be­treu­ung frei­ge­stellt, und gleich­zei­tig konn­ten die Kin­der einer kol­lek­ti­ven Erzie­hung im Sinne der Ideo­lo­gie zuge­führt wer­den. Von vie­len Ver­bes­se­run­gen in der Rolle der Frauen abge­se­hen – sie konn­ten in frü­her über­wie­gend von Män­nern aus­ge­führ­ten Beru­fen Fuß fas­sen und Füh­rungs­rol­len über­neh­men, wur­den vom Staat groß­zü­gig unter­stützt und gleich­ge­stellt -, blieb den­noch nicht viel übrig. Es gelang nur weni­gen Frauen, Spit­zen­po­si­tio­nen in Wirt­schaft, Wis­sen­schaft, Ver­wal­tung, Poli­tik und Kul­tur zu errin­gen. Frauen – so zeigte die Auf­ar­bei­tung des The­mas nach dem Kol­laps der DDR – arbei­te­ten auch viel häu­fi­ger unter ihrem Qua­li­fi­ka­ti­ons­ni­veau und ver­dien­ten oft weni­ger. Die Gleich­be­rech­ti­gung der Geschlech­ter blieb in meh­rer­lei Hin­sicht ein Chi­märe, da den Frauen nichts­des­to­trotz die tra­di­tio­nelle geschlechts­spe­zi­fi­sche Auf­ga­ben in der Fami­lie blie­ben, was die Mehr­fach­be­las­tung nicht ver­rin­gerte. „Der gesell­schaft­li­che Fort­schritt lässt sich exakt mes­sen an der gesell­schaft­li­chen Stel­lung des schö­nen Geschlechts“, meinte Karl Marx. Die­ser Fort­schritt blieb aller­dings eine Idealvorstellung.

Aus­ge­wähl­ter Arti­kel aus dem Jahr 2006

Autor:
25.02.2011

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