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Gra­fik­kar­ten ohne Grafik

Rechen­power für die Wis­sen­schaft mit­tels hoch­par­al­le­ler Com­pu­ter­si­mu­la­tio­nen, die nun­mehr mit Gra­fik­kar­ten durch­ge­führt wer­den kön­nen. Die TU Wien wurde aktu­ell von NVI­DIA als „Nvi­dia GPU Rese­arch Cen­ter“ ausgezeichnet.

In frü­he­ren Zei­ten diente der Pro­zes­sor des Com­pu­ters um etwas aus­zu­rech­nen, und die Gra­fik­karte, um etwas am Bild­schirm dar­zu­stel­len. Doch Gra­fik­kar­ten (GPUs) wer­den immer leis­tungs­fä­hi­ger, nicht zuletzt durch hohe Anfor­de­run­gen von Com­pu­ter­spie­len im 3D-Bereich. Mitt­ler­weile sind diese auch für ganz andere Dinge ver­wend­bar, etwa für wis­sen­schaft­li­che Simulationsrechnungen.
Am Insti­tut für Mikro­elek­tro­nik der TU Wien wer­den aktu­ell Rechen­me­tho­den ent­wi­ckelt, mit denen man die spe­zi­el­len Vor­teile von Gra­fik­kar­ten opti­mal für die Wis­sen­schaft nut­zen kann. Der Gra­fik­kar­ten­her­stel­ler Nvi­dia zeich­net diese Leis­tun­gen in die­sem Bereich nun aus, indem er das For­schungs­team von Karl Rupp zum „Nvi­dia GPU Rese­arch Cen­ter“ macht und auf viel­fäl­tige Weise unterstützt.

Hoch­par­al­le­les Rechnen
„Das Beson­dere an Gra­fik­kar­ten ist, dass sie hoch­gra­dig par­al­lel rech­nen kön­nen“, erläu­tert Karl Rupp, Lei­ter des GPU Rese­arch Cen­ters. „Ein moder­ner Pro­zes­sor hat viel­leicht vier Pro­zes­so­ren, die gleich­zei­tig Rechen­auf­ga­ben lösen kön­nen, eine Gra­fik­karte hin­ge­gen kann tau­sende Threads gleich­zei­tig abar­bei­ten“, so Rupp weiter.
Gerade Gra­fik-Berech­nun­gen las­sen sich oft sehr gut in Teil­auf­ga­ben zer­le­gen, die nicht auf­ein­an­der auf­bauen, son­dern gleich­zei­tig berech­net wer­den kön­nen. Bei ande­ren Rechen­auf­ga­ben hin­ge­gen kann man den nächs­ten Schritt immer erst aus­füh­ren, wenn der vor­her­ge­hende Schritt fer­tig berech­net wor­den ist. Sol­che Auf­ga­ben sind dann von Gra­fik­kar­ten nur schwer zu lösen. Ob eine Gra­fik­karte oder eine her­kömm­li­che CPU schnel­ler zu einem Rechen­er­geb­nis kommt, hängt von der Art der Rechen­auf­gabe ab.

Neue Alter­na­tive für die Wissenschaft
Gemein­sam mit sei­nen Kol­le­gen Josef Wein­bub und Flo­rian Rudolf arbei­tet Karl Rupp an Rechen­me­tho­den, durch die man die Vor­teile von Gra­fik­kar­ten auch für die Wis­sen­schaft opti­mal nut­zen kann. „Ältere Gene­ra­tio­nen von Gra­fik­kar­ten konn­ten nur Zah­len mit ein­fa­cher Genau­ig­keit ver­ar­bei­ten“, erklärt Rupp.
„Seit 2009 oder 2010 sind nun aber auch Gra­fik­kar­ten mit dop­pel­ter Genau­ig­keit ver­füg­bar, wie man sie für die meis­ten wis­sen­schaft­li­chen Simu­la­ti­ons­rech­nun­gen braucht. Seit­her sind Gra­fik­kar­ten für die Wis­sen­schaft als Alter­na­tive zum gewöhn­li­chen Com­pu­ter­pro­zes­sor inter­es­sant“, sagt Rupp. Gra­fik­kar­ten­her­stel­ler wie Nvi­dia haben das erkannt und wol­len ihre Pro­dukte auch für Anwen­dun­gen in der Hoch­leis­tungs-Simu­la­ti­ons­rech­nung vermarkten. 

Open Source Library für die Wissenschaft
Am Insti­tut für Mikro­elek­tro­nik wer­den auf­wän­dige Com­pu­ter­si­mu­la­tio­nen ent­wi­ckelt, mit denen man Halb­lei­ter­ma­te­ria­lien und nano­elek­tro­ni­sche Schal­tun­gen rech­ne­risch unter­su­chen kann. Damit sich sol­che Rech­nun­gen mit hoher Prä­zi­sion und in mög­lichst kur­zer Zeit lösen las­sen, müs­sen auch com­pu­ter­tech­ni­sche und mathe­ma­ti­sche Grund­la­gen beach­tet werden.
„Wir ent­wi­ckeln nun Algo­rith­men, mit denen man Gra­fik­kar­ten opti­mal für wich­tige mathe­ma­ti­sche Schritte wie etwa das Lösen von Glei­chungs­sys­te­men ver­wen­den kann“, erklärt Rupp. Diese Algo­rith­men bil­den die „Vien­naCL Library“ und wer­den gra­tis auf open-source-Platt­for­men zur Ver­fü­gung gestellt. Wer auch immer in Zukunft mit hoch­par­al­le­len Gra­fik­kar­ten rech­nen will, kann auf die mathe­ma­ti­schen Grund­bau­steine zurück­grei­fen, die an der TU Wien ent­wi­ckelt wur­den, so die Uni in einer Aussendung.

GPU Rese­arch Center
Die Firma Nvi­dia ver­leiht nun der For­schungs­gruppe von Karl Rupp an der TU Wien den Sta­tus eines „Nvi­dia GPU Rese­arch Cen­ters“, vor­läu­fig für ein Jahr. In die­sem Rah­men wird die TU Wien auch mit Hard­ware und spe­zi­el­lem tech­ni­schen Sup­port ver­sorgt und erhält Zugang zu beson­de­ren Pro­duk­ten und spe­zi­el­len Veranstaltungen.
„Für uns ist das eine wun­der­bare Moti­va­tion, wei­ter­hin die bes­ten GPU-Codes für die wis­sen­schaft­li­che Com­mu­nity zu ent­wi­ckeln“, betont Rupp. In Zukunft will man ins­be­son­dere an Algo­rith­men für die Ver­ar­bei­tung gro­ßer Matri­zen arbei­ten, die man etwa für finite Ele­mente-Metho­den braucht – einer Fami­lie von Metho­den, die in den Inge­nieurs­wis­sen­schaf­ten und der Indus­trie eine große Bedeu­tung erlangt hat. 

Autor: red/cc
23.09.2015

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