
Grande Finale
Knapp 7.000 Unternehmensinsolvenzen im Jahre 2025 ergeben plus vier Prozent im Jahresvergleich und bestätigen Prognose von KSV1870. Handel, Bau, Gastronomie und Hotellerie mit meisten Konkursen. Hohe Zahl an nicht eröffneten Verfahren sowie Energiekosten und Inflation als weitere Belastungen für Wirtschaft..
Die Wirtschafts-Experten des Kreditschutzverbandes KSV1870 haben es seit dem vergangenen Frühjahr mehrfach vorhergesagt und nun sind die Zahlen tatsächlich eingetroffen : Laut aktueller Hochrechnung mussten im Jahr 2025 in Österreich exakt 6.857 Unternehmen Insolvenz anmelden und das ergibt eine Steigerung von ebenso exakten 4,1 Prozent im Jahresvergleich.
Trotz dieses Anstiegs sind die vorläufigen Passiva im Vergleich zum Vorjahr um satte 56 Prozent auf rund 8,4 Mrd. Euro gesunken. Ausschlaggebend dafür ist die im Jahr 2025 deutlich niedrigere Anzahl an Insolvenzen mit Passiva von mehr als 200 Mio. Euro. Die Zahl der betroffenen Mitarbeiter ist mit dem Wert von 21.400 um 28 Prozent gesunken.
Abflachung der Kurve steht unmittelbar nicht bevor
Einen Anstieg gibt es auch bei den betroffenen Gläubigern, die Zahl von 54.400 ergibt hier ein Plus von acht Prozent. Für das Jahr 2026 prognostizieren die Wirtschaftsexperten des KSV1870 ein ähnliches Insolvenzaufkommen wie in diesem Jahr – außer, es ändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gravierend.
Weitere Analysen zeigen, dass nach einer leichten Verlangsamung des Insolvenzaufkommens während der Sommermonate im letzten Quartal des Jahres der erwartete Anstieg auf über 1.700 Fälle passierte. „Das Insolvenzaufkommen ist auch im historischen Vergleich unverändert hoch und eine Abflachung der Kurve steht unmittelbar nicht bevor“, so der Befund von Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.
Hohe Zahl an mangels Kostendeckung nicht eröffneter Fälle
Götze relativiert aber auch ein wenig : „Angesichts dessen, dass in den vergangenen zwölf Monaten zahlreiche staatliche Förderungen beendet wurden und es zuletzt eine hohe Zahl an Neugründungen gab, ist das derzeitige Insolvenzniveau nicht völlig ausgeufert.“
Ein auf die ganze Wirtschaft ausstrahlendes Problem ist die hohe Zahl der mangels Kostendeckung nicht eröffneten Fälle. Diese ist im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent auf über 2.600 Fälle angewachsen und machen bereits 38 (!) Prozent aller Firmenpleiten aus. Götze verweist auf den beträchtlichen volkswirtschaftlichen Schaden : „Diese Betriebe sind finanziell dermaßen ausgebrannt, dass sie nicht einmal die Gerichts-Kosten aufbringen können. Die Folgen sind verheerend, alle Arbeitsplätze gehen verloren und die Gläubiger sehen keinen einzigen Euro.“
Beim Thema Bonität bläst der Wirtschaft rauer Wind entgegen
Praktisch ein Dauerthema im Kontext mit den stark steigenden Wirtschaftspleiten ist die Inflation. Seit Dezember 2024 weiter deutlich gestiegen, hat sie die Kaufkraft in Österreich auch im Jahr 2025 massiv belastet. Darunter leidet nicht nur die Geschäftslage der Betriebe, sondern auch deren Umsatzentwicklung.
Ausgehend von einem recht niedrigen Niveau sprechen im Rahmen einer KSV1870 Umfrage zwei Drittel der Betriebe von rückläufigen oder stagnierenden Umsätzen im Jahresvergleich. In Verbindung mit einem hohen Kostenniveau und einer schwachen Kaufkraft manifestiert sich diese Negativentwicklung immer häufiger auch im Bereich der Bonitätsbewertung.
87 Prozent der Österreichischen Betriebe mit höherem Ausfallrisiko
Während im Jahr 2019 rund 15 Prozent aller damals aktiven Unternehmen in den beiden besten Ratingklassen vertreten waren, sind es heute nur mehr 12,6 Prozent. In weiterer Folge zeigt sich eine Verschiebung hin zu jenen Klassen mit einem höheren Ausfallrisiko. Aktuell befinden sich hier 87 Prozent aller Betriebe (84 Prozent 2019).
„Immer mehr Unternehmen gleiten aufgrund der stagnierenden Wirtschaftslage in Richtung Mittelmaß ab, wodurch auch deren Ausfallrisiko steigt“, erläutert Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding. „Aber, die Mehrheit der Betriebe steht trotz aller Widrigkeiten noch auf soliden Beinen“, so Vybiral. Die kontinuierliche Verbesserung der Eigenkapitalquoten in der jüngeren Vergangenheit belege dies.
Handel, Bau sowie Gastronomie und Beherbergung als Insolvenztreiber
Gestimmt haben die Prognosen des KSV1870 auch in Betrachtung der einzelnen Branchen. Die meisten Insolvenzen im Jahre 2025 verzeichnet der Handel, wo 1.208 Fälle plus vier Prozent ergeben. Hinter dem Handel folgt die Bauwirtschaft mit 1.089 Fällen und einem Anstieg von zwei Prozent. Auf Position drei befindet sich trotz eines knappen Minus von einem Prozent die Branchen Gastronomie und Beherbergung mit 807 Fällen.
Ergänzend sei an dieser Stelle das Grundstücks- und Wohnungswesen (458 Fälle) erwähnt, dass einen deutlichen Anstieg von 38 Prozent ausweist. Anhaltende Probleme der Bauwirtschaft wie schwache Auftragslagen, hohes Kostenniveau und fehlendes Personal reflektieren auf den gesamten Immobiliensektor. In diesem Segment lösen Insolvenzen dann oft Folgeinsolvenzen aus, was in der Konstellation mit Projektgesellschaften begründet liegt.
Weniger große Pleiten mit mehr als 200 Mio. Euro Passiva
Deutlich gesunken sind, und das trotz mehr Unternehmensinsolvenzen, sind die vorläufigen Passiva. Der KSV1870 errechnet hier 56 Prozent bzw. rund 8,4 Mrd. Euro. Ausschlaggebender Faktor dafür ist die deutlich niedrigere Zahl an Firmenpleiten mit Passiva von jeweils mehr als 200 Mio. Euro. 2024 gab es elf derartige Fälle, 2025 nur vier.
Die bis dato größte Insolvenz nach Passiva betrifft jene der SIGNA Prime Capital Invest GmbH mit einem Volumen von 870 Mio. Euro. Zudem fällt auf, dass rund die Hälfte aller Großinsolvenzen (Anm. Passiva über 10 Mio. Euro) einen direkten Bezug zu Immobilienbranche bzw. Bau‑, Grundstücks- und Wohnungswesen aufweist.
Negativtrend soll sich auch heuer fortsetzen
Wie sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im nächsten Jahr entwickeln wird, hängt nicht zuletzt von Faktoren wie der Inflations- und Kostenentwicklung ab. Zwar erwartet die Wirtschaftsforschung eine eher abschwächende Inflation und einen moderaten BIP-Zuwachs, doch wie sehr diese Faktoren tatsächlich zu einer kurz- bis mittelfristigen finanziellen Entlastung der Unternehmen führen werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen.
Damit sich die aktuelle Insolvenzdynamik beruhigt, bräuchte es deutlich verbesserte wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Aus heutiger Sicht rechnet der KSV1870 mit einem ähnlichen Insolvenzniveau wie 2025. Neben den bereits erwähnten Faktoren könnte eine gesetzliche Anpassung im Rahmen des Gesetzespakets zur Betrugsbekämpfung 2025 wesentlichen Einfluss auf die Insolvenzentwicklung nehmen.
Ein überaus problematisches Gesetz
Im Kern würde mit dieser Novellierung ein massiver Eingriff in den seit mehr als 40 Jahre geltenden Gleichbehandlungsgrundsatz erfolgen und der Klassenkonkurs de facto wieder eingeführt werden. Hintergrund ist, dass geleistete Sozialversicherungsbeiträge sowie Abzugssteuern, wie die Lohn- und Umsatzsteuer, von der Anfechtung durch den Insolvenzverwalter ausgenommen werden würden.
Der KSV1870 hat hier bereits in einem offenen Brief an die Österreichische Bundesregierung seine massive Kritik geäußert (economy berichtete). „Rein bei den Quoten ist bei Umsetzung davon auszugehen, dass es zu weniger Gläubiger- und späteren Schuldneranträgen kommen könnten und eben die Quoten für Gläubiger geringer ausfallen“, so die Einschätzungen der Wirtschaftsexperten vom Kreditschutzverband KSV1870. (red/czaak)