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Große Ambi­va­lenz beim Thema Cybersecurity

Aktu­elle Cyber­se­cu­rity-Stu­die von EY belegt bei öster­rei­chi­schen Betrie­ben große Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit beim Thema NIS2. Bei nöti­gen Schutz­maß­nah­men zeigt sich mehr Bewusst­sein und ein ver­stärk­ter Ein­satz von KI. Par­al­lel sta­gnie­ren die Geld­mit­tel zur Cyberabwehr.

36 Pro­zent der öster­rei­chi­schen Unter­neh­men haben kon­krete Hin­weise auf Cyber­an­griffe, im Vor­jahr waren es noch 32 Pro­zent. Jedes fünfte Unter­neh­men (20 Pro­zent) setzt mitt­ler­weile KI-Tech­no­lo­gien in der Cyber­ab­wehr ein. 2025 waren es 15 Pro­zent. Der Ein­satz von Sicher­heits­maß­nah­men und Not­fall­plä­nen stieg von 57 auf 73 Pro­zent. Die häu­figste Angriffs­art bleibt Phis­hing mit 71 Pro­zent. Mal­ware-Angriffe legen deut­lich auf 52 Pro­zent zu.

Cyber­an­griffe wei­ter bei größ­ten Bedro­hun­gen für Unternehmen

Über 40 Pro­zent der Unter­neh­men haben ein Cyber­se­cu­rity-Bud­get von unter 25.000 Euro, die Bud­gets sta­gnie­ren hier weit­ge­hend. Bei den neuen gesetz­li­chen Regu­la­rien von NIS2 kön­nen immer noch 44 (!) Pro­zent der Unter­neh­men ihre eigene Betrof­fen­heit nicht ein­schät­zen. Bei 70 Pro­zent ist noch kein Maß­nah­men­be­reich abge­schlos­sen. Das sind Ergeb­nisse einer Stu­die von EY Öster­reich, wo Anga­ben zufolge 200 Geschäfts­füh­rer und IT-Füh­rungs­kräfte von öster­rei­chi­schen Unter­neh­men ab 20 Mit­ar­bei­ten­den befragt wurden.

Cyber­an­griffe zäh­len wei­ter­hin zu den größ­ten Bedro­hun­gen für Unter­neh­men. Wäh­rend 2025 noch 47 Pro­zent der Ent­schei­der in Öster­reich das Risiko eines Cyber­an­griffs als hoch ein­schätz­ten, ist die­ser Anteil 2026 auf 38 Pro­zent gesun­ken (2024 waren es 35 Pro­zent). Die tat­säch­li­che Bedro­hungs­lage ent­wi­ckelt sich jedoch in die andere Rich­tung: 36 Pro­zent der Unter­neh­men hat­ten kon­krete Hin­weise auf Angriffe auf ihre Netz­werke und Daten, und das ist ein Plus von vier Pro­zent­punk­ten gegen­über dem Vor­jahr (32 Prozent). 

Posi­ti­ver Trend bei Schutzmaßnahmen

Beson­ders auf­fäl­lig ist, dass Unter­neh­men, die KI-Tech­no­lo­gien in der Cyber­se­cu­rity ein­set­zen, regis­trie­ren mit rund 65 Pro­zent weit häu­fi­ger Hin­weise auf Angriffe als Unter­neh­men ohne KI-Ein­satz (29 Pro­zent). 82 Pro­zent aller Befrag­ten erwar­ten zudem, dass die Bedeu­tung von Cyber­an­grif­fen künf­tig wei­ter zuneh­men wird. „Dass die wahr­ge­nom­mene Gefahr sinkt, wäh­rend die tat­säch­li­chen Vor­fälle stei­gen, ist ein gefähr­li­cher Trug­schluss. Wer KI gezielt ein­setzt, erkennt deut­lich mehr Angriffe. Sicht­bar­keit ist der erste Schritt zu wirk­sa­mer Abwehr“, so Gott­fried Ton­we­ber, Part­ner und Lei­ter Cyber­se­cu­rity bei EY Österreich.

Bei den Schutz­maß­nah­men zeigt sich ein klar posi­ti­ver Trend: Jede abge­fragte Sicher­heits­maß­nahme wird 2026 häu­fi­ger ein­ge­setzt als in den Jah­ren zuvor. Fire­walls und Anti­vi­rus-Soft­ware sind mit 97 Pro­zent nahezu flä­chen­de­ckend im Ein­satz, gefolgt von regel­mä­ßi­gen Sicher­heits­up­dates und mehr­stu­fi­ger Authen­ti­fi­zie­rung. Beson­ders stark gewach­sen sind Not­fall­pläne und Inci­dent-Response-Teams, die von 57 Pro­zent im Vor­jahr auf 73 Pro­zent zuleg­ten, ebenso wie auto­ma­ti­sierte Über­wa­chungs­me­cha­nis­men (70) und regel­mä­ßige Sicher­heits­au­dits (68 Prozent). 

Ohne aus­rei­chende Mit­tel kein adäqua­tes Schutzniveau

Die ein­ge­setz­ten Maß­nah­men gel­ten dabei als weit­ge­hend aus­ge­reift. Auch orga­ni­sa­to­risch wird auf­ge­rüs­tet: 83 Pro­zent set­zen auf die Sen­si­bi­li­sie­rung der Mit­ar­bei­ter, jeweils 80 Pro­zent auf Awa­re­ness-Maß­nah­men und die Moder­ni­sie­rung der IT-Infra­struk­tur. Knapp die Hälfte der Unter­neh­men berück­sich­tigt dabei bereits aktu­elle Bedro­hun­gen wie Deepf­akes oder den Umgang mit KI-Angrif­fen. Ein wei­te­res Vier­tel plant dies. Vor­rei­ter dabei sind die umsatz­stärks­ten Unternehmen.

Bei den Bud­gets bleibt die Lage hin­ge­gen ange­spannt. Über 40 Pro­zent der Betriebe inves­tie­ren weni­ger als 25.000 Euro jähr­lich in Cyber­se­cu­rity, sechs Pro­zent ver­fü­gen über kein geson­der­tes Bud­get und 32 Pro­zent kön­nen ihre Aus­ga­ben nicht bezif­fern. Nur rund ein Vier­tel plant in den kom­men­den zwei Jah­ren zumin­dest eine leichte Erhö­hung. Die Mehr­heit der Bud­gets bleibt unver­än­dert. „Ohne aus­rei­chende, gezielt ein­ge­setzte Mit­tel lässt sich ein Schutz­ni­veau kaum hal­ten. Cyber­si­cher­heit ist ein Dau­er­in­vest­ment und kein ein­ma­li­ges Pro­jekt“, so Bern­hard Zach­erl von EY Österreich.

Phis­hing domi­niert und auch Mal­ware-Angriffe legen deut­lich zu

Als gefähr­lichste Täter­gruppe gilt wei­ter­hin das orga­ni­sierte Ver­bre­chen, wäh­rend das ein­ge­schätzte Risiko durch Hack­ti­vis­ten leicht zurück­geht. Für knapp die Hälfte wäre Daten­ver­lust und Daten­schutz­ver­let­zun­gen die gra­vie­rendste Folge eines Angriffs, gefolgt von Betriebs­un­ter­bre­chun­gen und finan­zi­el­len Ver­lus­ten. Phis­hing bleibt mit 71 Pro­zent die mit Abstand häu­figste Angriffs­art. Deut­lich zuge­nom­men haben Mal­ware-Angriffe, danach fol­gen Ran­som­ware, Pass­wort­an­griffe und DDoS-Attacken.

Am häu­figs­ten getrof­fen wer­den Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Kol­la­bo­ra­ti­ons­ser­vices: Knapp die Hälfte aller Angriffe zielt auf die­sen Bereich, gefolgt von Daten- und Spei­cher­ser­vices sowie Arbeits­platz- und Endu­ser-Ser­vices. Erpres­sungs­ver­su­che sind dabei leicht zurück­ge­gan­gen: 19 Pro­zent der bereits betrof­fe­nen Unter­neh­men wur­den zu Geld­zah­lun­gen auf­ge­for­dert, nach 27 Pro­zent im Vorjahr. 

Der Ein­satz von KI

Bei der finan­zi­el­len Absi­che­rung herrscht hin­ge­gen Still­stand – wie schon 2025 hat nur knapp jeder Zweite (45 Pro­zent) eine Ver­si­che­rung gegen digi­tale Risi­ken abge­schlos­sen. Bei der Auf­de­ckung gewin­nen interne Mecha­nis­men an Bedeu­tung. Beson­ders stark stie­gen unter­neh­mens­externe Hin­weise an – von zwei Pro­zent im Vor­jahr auf 13 Pro­zent. Zu den wirk­sams­ten Maß­nah­men gegen Cyber­an­griffe gehö­ren regel­mä­ßige Schwach­stel­len-Tests und rund 70 Pro­zent der Betriebe tun das auch regelmäßig.

Der Ein­satz von KI in der Cyber­ab­wehr nimmt zu: 2026 setzt bereits jedes fünfte Unter­neh­men (20 Pro­zent) ent­spre­chende Tech­no­lo­gien ein, nach 15 Pro­zent im Vor­jahr. Genutzt wird KI vor allem zur Anoma­lie­er­ken­nung, zur auto­ma­ti­sier­ten Sicher­heits­über­wa­chung und zur Bedro­hungs­ana­lyse. Die Hälfte der Unter­neh­men ohne KI-Ein­satz plant der­zeit kei­nen Ein­stieg. Als größte Hürde bei der Imple­men­tie­rung gel­ten Beden­ken bei Daten­schutz und Ethik, wäh­rend Kos­ten und der Man­gel an qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal an Bedeu­tung verlieren. 

Große Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit bei NIS‑2 Richtlinie

Beim Thema Risi­ko­ma­nage­ment zei­gen sich die Unter­neh­men orga­ni­siert: Knapp 80 Pro­zent erfas­sen ihre IT- und Cyber-Risi­ken zumin­dest teil­weise sys­te­ma­tisch. Umso grö­ßer ist der Kon­trast beim Thema NIS‑2, wo wei­ter­hin erheb­li­che Unsi­cher­heit herrscht: 44 Pro­zent der Betriebe kön­nen nicht ein­schät­zen, ob und in wel­cher Form sie von der Richt­li­nie betrof­fen sind. 61 Pro­zent geben zudem an, die Fris­ten nicht zu ken­nen. Nur 22 Pro­zent sehen sich voll­stän­dig infor­miert und fris­ten­kon­form. Ent­spre­chend gering ist der Umset­zungs­stand: bei 70 Pro­zent der Unter­neh­men ist bis­lang in kei­nem der zen­tra­len NIS-2-Maß­nah­men­be­rei­che die Umset­zung abgeschlossen. 

Beson­ders klei­nere Unter­neh­men mit einem Umsatz von weni­ger als zehn Mil­lio­nen Euro kämp­fen mit der Umset­zung (74 Pro­zent). Bei umsatz­stär­ke­ren Unter­neh­men fehlt nur bei knapp jedem zwei­ten ein abge­schlos­se­nes Maß­nah­men­pa­ket. „NIS‑2 ist nicht nur regu­la­to­ri­sche Pflicht, son­dern eine Chance, die eigene Resi­li­enz auf ein neues Niveau zu heben. Dass viele Unter­neh­men ihre Betrof­fen­heit nicht ein­mal ein­schät­zen kön­nen, ist alar­mie­rend“, betont Gott­fried Ton­we­ber, Lei­ter Cyber­se­cu­rity bei EY Öster­reich. „Hier braucht es drin­gend Klar­heit und kon­krete Umset­zungs­schritte!“ (red/​czaak)

Autor: red/czaak
07.09.2026

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