Zum Inhalt

Grund­la­gen für die Zukunft

Wolf­gang Neu­r­ath : „Gesell­schaf­ten, die ihre Insti­tu­tio­nen der fort­ge­schrit­te­nen Wis­sens­pro­duk­tion nicht genü­gend för­dern und for­dern, wer­den lang­fris­tige Ent­wick­lungs­nach­teile haben“, erklärt der For­schungs­för­de­rungs­ab­tei­lungs­lei­ter im Bun­des­mi­nis­te­rium für Wis­sen­schaft und Forschung.

eco­nomy : Der Euro­päi­sche For­schungs­rat (ERC) bezie­hungs­weise das 7. For­schungs­rah­men­pro­gramm der EU för­dert „Ideen“ . Reicht das aus, um der Grund­la­gen­for­schung den Stel­len­wert zu ver­schaf­fen, den diese verdient ?
Wolf­gang Neu­r­ath : Im Zuge der Ent­wick­lung von moder­nen Gesell­schaf­ten zu „wis­sens­ba­sier­ten“ Gesell­schaf­ten und Öko­no­mien wer­den die Resul­tate wis­sen­schaft­li­cher For­schung und die Fähig­keit, sol­che For­schung auf hohem Niveau zu betrei­ben, unver­zicht­bare Ingre­di­en­zien sowohl der mate­ri­el­len Pro­duk­tion, der Fähig­keit von Gesell­schaf­ten, ihre Bezie­hun­gen zu ihren natür­li­chen Umwel­ten zu gestal­ten, wie auch der Fähig­keit zu gesell­schaft­li­chem Dis­kurs und Selbst­re­fle­xion. Gesell­schaf­ten, die ihre Insti­tu­tio­nen der fort­ge­schrit­te­nen Wis­sens­pro­duk­tion, in deren Zen­trum die For­schungs­ein­rich­tun­gen ste­hen, nicht genü­gend för­dern und for­dern, wer­den lang­fris­tige Ent­wick­lungs­nach­teile nicht nur, aber auch in öko­no­mi­scher Hin­sicht haben. Der ERC ist Bestand­teil des 7. Rah­men­pro­gramms, womit zum ers­ten Mal auf EU-Ebene aner­kannt wird, dass der Grund­la­gen­for­schung ein gleich­ran­gi­ger Platz neben all den ande­ren Akti­vi­tä­ten, die der Inno­va­ti­ons­stei­ge­rung und der Aus­bil­dung der Men­schen für eine Wis­sens­ge­sell­schaft die­nen, zukommt. Bei der Grund­la­gen­for­schung lässt sich jedoch nicht im Vor­hin­ein ange­ben, wel­chen Ver­wer­tungs­in­ter­es­sen sie begeg­nen kann. Den­noch ist natür­lich die Erwar­tung vor­han­den, dass die „Fron­tier Rese­arch“ neue wis­sen­schaft­lich-tech­ni­sche Durch­brü­che ermög­li­chen wird, die spä­ter als Inno­va­tion wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Nut­zen brin­gen sollen.

Wel­che natio­na­len bezie­hungs­weise inter­na­tio­na­len Bemü­hun­gen gibt es dar­über hinaus ?
Der Fonds zur För­de­rung der wis­sen­schaft­li­chen For­schung FWF ist Öster­reichs zen­trale Ein­rich­tung zur För­de­rung der Grund­la­gen­for­schung. Er ist allen Wis­sen­schaf­ten gleich ver­pflich­tet und ori­en­tiert sich in sei­ner Tätig­keit nur an den Maß­stä­ben der inter­na­tio­na­len Sci­en­ti­fic Com­mu­nity. Zudem gibt es eine Viel­zahl von inter­na­tio­na­len För­der­pro­gram­men und Initia­ti­ven, die in direk­ter Koope­ra­tion mit aus­län­di­schen Part­ner­or­ga­ni­sa­tio­nen durch­ge­führt wer­den, sowie Netz­werk- und Infra­struk­tur­pro­gramme, die öster­rei­chi­schen For­sche­rin­nen und For­schern die Betei­li­gung an länder­übergreifenden Initia­ti­ven erlau­ben, wobei die Finan­zie­rung der kon­kre­ten For­schungs­vor­ha­ben meist extern erfolgt.

Wel­chen Stel­len­wert hat der ERC für die natio­nale Forschungslandschaft ?
Die oben beschrie­bene Art von Pio­nier­geist soll nun auch die euro­päi­sche Spit­zen­for­schung erfas­sen. Europa hat die Bedeu­tung der Uni­ver­si­tä­ten als zen­tra­ler Akteur bei der Ver­schie­bung der Gren­zen des Wis­sens erkannt, und das ist gut so. In die­sem Kon­text steht auch die Bedeu­tung für öster­rei­chi­sche Spit­zen­for­sche­rin­nen und ‑for­scher, die sich in den ers­ten zwei Aus­schrei­bungs­run­den über natio­nale Gren­zen hin­aus einem offe­nen und direk­ten Wett­be­werb gestellt und trotz der hohen Bewer­ber­zahl durch­aus erfolg­reich abge­schnit­ten haben.

Wie wich­tig ist es in Hin­blick auf eine inter­na­tio­nale Repu­ta­tion, dass sich öster­rei­chi­sche Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler in die­sem Rah­men behaup­ten können ?
Wis­sen­schaft und For­schung spie­len sich in inter­na­tio­na­len Netz­wer­ken ab. Das bedeu­tet, dass natio­nale Beson­der­hei­ten nicht mehr die epis­te­mo­lo­gi­sche Grund­lage für Art und Aus­rich­tung der For­schung sind. For­schung ist längst inter­na­tio­nal aus­ge­rich­tet, der ERC macht dies deutlich.

Autor:
26.02.2010

Weitere aktuelle Artikel

Stu­die der Karl Land­stei­ner Pri­vat­uni­ver­si­tät zeigt das bis dato uner­kannte Über­dau­ern von Darm­vi­ren in Was­ser­a­mö­ben. Die For­scher for­dern eine sofor­tige Neu­be­ur­tei­lung von Regeln und Unter­su­chun­gen zur Wassersicherheit. Wich­tige Aus­lö­ser vira­ler Magen-Darm-Erkran­kun­gen kön­nen über län­gere Zeit in frei­le­ben­den Amö­ben über­dau­ern, die in natür­li­chen und tech­ni­schen Was­ser­sys­te­men weit ver­brei­tet sind. Dies ist das Ergeb­nis einer Stu­die der […]
Die Che­mi­sche Indus­trie kämpft schon län­ger mit enor­men Belas­tun­gen. Nun sol­len wei­tere hin­zu­kom­men und gleich­zei­tig wer­den (nur) die­ser Bran­che Kom­pen­sa­tio­nen ver­wehrt. Eco­nomy hat das nach­fol­gende Schrei­ben von stand­ort-rele­van­ten Che­mie-Unter­neh­men an die Bun­des­re­gie­rung erreicht. Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis des offe­nen Brie­fes an die Öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung eine kurze Erläu­te­rung der aktu­el­len Situa­tion : Auf Grund der bevor­ste­hen­den Ver­schär­fun­gen bei […]
Wie­ner Neu­stadt baut Rolle als euro­päi­sches Kom­pe­tenz­zen­trum für Sicher­heit aus. Geo­po­li­ti­sche Lage ver­deut­licht Not­wen­dig­keit einer unab­hän­gi­gen Sicher­heits­stra­te­gie. Land Nie­der­ös­ter­reich betont und unter­stützt Stand­ort mit inter­na­tio­na­ler Ausrichtung. Wie­ner Neu­stadt erwei­tert seine Bedeu­tung als euro­päi­sches Kom­pe­tenz­zen­trum für Sicher­heit. Dies pas­siert auch im Lichte neuer inter­na­tio­na­ler Ent­wick­lun­gen. Im Kon­text mit den aktu­el­len geo­po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen setzt die EU einen […]
Neues Ver­fah­ren holt CO2 mit weni­ger Ener­gie aus der Luft. Anlage Aus­trian Pilot Unit 1 wird nun von Start-Ups DAClab (US) und DAC­worx (A) sowie von TU Wien weiterentwickelt.  Nicht weni­ger als ein Game­ch­an­ger für die CO2-Abschei­dung soll es Anga­ben zufolge wer­den : Der neu­ent­wi­ckelte Pro­to­typ in Größe eines Last­wa­gen­con­tai­ners holt pro Jahr 50 Ton­nen CO2 aus der […]
Nach­hal­tige Kreis­lauf­wirt­schaft und Alu­mi­ni­um­re­cy­cling über digi­tale Platt­form. Das von Leicht­me­tall­kom­pe­tenz­zen­trum Rans­ho­fen gelei­tete EU-Pro­jekt RecAL erhält ÖGUT-Aus­zeich­nung. CAN­COM Aus­tria ist Technologiepartner. Das vom LKR Leicht­me­tall­kom­pe­tenz­zen­trum Rans­ho­fen des Aus­trian Insti­tute of Tech­no­logy (AIT) gelei­tete euro­päi­sche For­schungs­pro­jekt RecAL (Recy­cling Tech­no­lo­gies For Cir­cu­lar ALu­mi­nium) wurde soeben mit dem ÖGUT-Umwelt­preis 2025 in der Kate­go­rie „Mit For­schung & Inno­va­tion zur Kreis­lauf­wirt­schaft“ aus­ge­zeich­net. „Die Öster­rei­chi­sche Gesell­schaft […]
magnifier
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram