
Hightech-Leben in der Akku-Falle
Mobile Endgeräte machen einem das Leben leicht. Sie sind praktisch, werden immer einfacher zu bedienen und haben eine Bildschirmauflösung, die man sich vor wenigen Jahren noch als Standard für den Desktop-Monitor gewünscht hätte. Ganz zu schweigen von den Funktionalitäten in Form von Software und Kleinformat, die einem in vielen Situationen hilfreich sind.
Vorbei die Zeiten, in denen Touristen nach einer unbekannten Gasse fragten und den „Einheimischen“ bloßstellten. Knüppel aus dem (Hosen-)Sack, und innerhalb weniger Sekunden hat man die Gasse gefunden und kann sogleich den Weg erklären. Ui, da läuft genau das mitreißende Lied, das mich seit Tagen verfolgt. Knüppel aus dem Sack, und er erkennt auf Knopfdruck mit verblüffender Technik, was da gerade für ein Song aus den Autoboxen dröhnt. Fadesse in der U‑Bahn ? Knüppel aus dem Sack und schnell ein Spiel gestartet. Mahjongg oder Tetris verkürzen die Zeit der Heimfahrt deutlich. Oder soll’s vielleicht doch etwas Gehirn-Jogging sein ? Knüppel aus dem Sack, schnell den Download gestartet, Programm installiert, und schon kann man seine Gehirnwindungen wieder in Form bringen.
Doch was nutzt die zu Begeisterungsstürmen animierende Technologie in Hosentaschenformat, wenn die Lebenswegbegleiterin genau dann ein „lebensnotwendiges“ SMS schreibt, wenn der Saft eine Sekunde davor ausgegangen ist und damit zum Beziehungskiller mutiert ? Unser aller Leben scheint plötzlich an der seidenfadenzarten und meist zu geringen Kraft der Akkus zu hängen. Und genau dann, wenn man den Hightech-Knüppel wirklich braucht, lässt er einen im Stich und muss ungenützt zurück in den Hosensack wandern.
Ausgewählte Berichte und Kommentare aus den Schwerpunkt-Ausgaben bereits erschienener economy Printausgaben.