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Hilfe oder Schaden

Künst­li­che Beatmung kann zu Lun­gen­schä­di­gun­gen füh­ren, indem sie schnelle Sau­er­stoff­schwan­kun­gen aus­löst. In Wien wird nun erst­mals die­ser zusätz­li­che Fak­tor für Lun­gen­ver­sa­gen untersucht.

Ein aku­tes Lun­gen­ver­sa­gen kommt auf der Inten­siv­sta­tion häu­fig vor. Es kommt zu schwe­rer Atem­not, der Sau­er­stoff­an­teil im Blut nimmt stark ab und der Koh­len­di­oxid­an­teil steigt. Um den gestör­ten Gas­aus­tausch zu sta­bi­li­sie­ren, setzt die Medi­zin mecha­ni­sche Beatmung ein. „Doch dabei kann es zu so etwas wie einem Teu­fels­kreis kom­men“, erklärt der Anäs­the­sist Klaus Ulrich Klein von der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien. Die künst­li­che Beatmung kann den Lun­gen­scha­den ver­schlim­mern. Und das kann schwer­wie­gende Fol­gen wie bei­spiels­weise ver­län­gerte Inten­siv­auf­ent­halte, kogni­tive Funk­ti­ons­stö­run­gen oder wei­tere Organ­schä­di­gun­gen haben.
Die mecha­ni­sche Belas­tung der Lunge führt zu schnel­len Sau­er­stoff­schwan­kun­gen. Das ist schon lange bekannt. Unklar ist jedoch, wel­che Bedeu­tung diese Schwan­kun­gen für die Lun­gen­schä­di­gung haben. „Wir gehen davon aus, dass schnelle Sau­er­stof­fän­de­run­gen zur Bil­dung von freien Sau­er­stoff­ra­di­ka­len sowie loka­len Ent­zün­dungs­re­ak­tio­nen in der Lunge füh­ren und somit eine eigen­stän­dige Ursa­che der Lun­gen­schä­di­gung dar­stel­len“, sagt Klein.

Opti­male Beatmung
Ein For­scher­team um den Medi­zi­ner will nun die zugrunde lie­gen­den Mecha­nis­men und Signal­wege unter­su­chen, die durch schnelle Sau­er­stof­fän­de­run­gen in der Lunge her­vor­ge­ru­fen wer­den. Gene­rell wür­den freie Sau­er­stoff­ra­di­kale eine wich­tige Rolle spie­len, begrün­det Klein die Bedeu­tung sei­ner For­schungs­ar­beit. Gegen­wär­tig wer­den ins­be­son­dere Stra­te­gien zur indi­vi­du­el­len Opti­mie­rung der Beatmungs­ein­stel­lung erforscht, mit dem Ziel, den Lun­gen­scha­den zu minimieren.
Das medi­zi­ni­sche For­schungs­pro­jekt wird durch den vom Wis­sen­schafts­fonds FWF ver­ge­be­nen Gott­fried und Vera Weiss-Preis finan­ziert. Seit 2015 schreibt der FWF im Auf­trag der Weiss-Wis­sen­schafts­stif­tung die Ein­rei­chung von Pro­jek­ten auf dem Gebiet der Anäs­the­sie und Meteo­ro­lo­gie aus. Mit dem Preis soll der wis­sen­schaft­li­che Nach­wuchs aus bei­den Fach­ge­bie­ten geför­dert werden.

Autor: red/stem
14.04.2016

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