Zum Inhalt
© Pixabay_hans_TU_1411

Hoch­was­ser­schutz im Klimawandel

Der Kli­ma­wan­del führt zu stär­ke­ren Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phen. TU Wien und Joan­neum Rese­arch ent­wi­ckeln nun erst­mals Modell zur Abbil­dung kom­bi­nier­ter Schutz­maß­nah­men im pri­va­ten und öffent­li­chen Bereich.

Jetzt und in Zukunft müs­sen sich viele Gegen­den der Welt auf stär­kere Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phen ein­stel­len. Mit indi­vi­du­el­len Schutz­maß­nah­men wie bau­li­che Maß­nah­men oder Ver­si­che­run­gen sowie gemein­same Anstren­gun­gen zur Ver­rin­ge­rung der Hoch­was­ser­ge­fahr wie Damm­bau­ten oder Rück­hal­te­be­cken gibt es zwei Stoß­rich­tun­gen.

Wie diese bei­den Her­an­ge­hens­wei­sen ein­an­der beein­flus­sen, lässt sich in mathe­ma­ti­schen Model­len dar­stel­len. For­scher von TU Wien und Joan­neum Rese­arch ana­ly­sierte nun umfang­rei­ches Daten­ma­te­rial und unter­such­ten, wie Natur und Gesell­schaft im Hoch­was­ser­schutz inein­an­der­grei­fen. „Um Hoch­was­ser­schä­den zu mini­mie­ren, braucht es beide Zugänge – den indi­vi­du­el­len und den öffent­li­chen“, so ein Ergeb­nis der Ana­ly­sen.

Nach der Flut ist vor der Flut und das Thema öffent­li­che Maß­nah­men ver­sus indi­vi­du­el­les Verhalten

„Nach einer Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phe ist die Bevöl­ke­rung meist stark sen­si­bi­li­siert. Man ist eher bereit, in per­sön­li­chen Hoch­was­ser­schutz zu inves­tie­ren, denkt über Not­fall­pläne nach, schließt viel­leicht Ver­si­che­run­gen ab“, sagt Gemma Carr vom Insti­tut für Was­ser­bau und Inge­nieur­hy­dro­lo­gie der TU Wien. „Dazu wur­den ins­ge­samt 3770 Haus­halte in ganz Öster­reich befragt“, so Carr. Ein Ergeb­nis zeigt aber auch klar, dass die pri­va­ten Schutz­maß­nah­men stark zurück­ge­hen, wenn es nach einer Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phe keine wei­te­ren Hoch­wäs­ser gibt.

Das kann sogar dazu füh­ren, dass öffent­li­che Anstren­gun­gen, die Hoch­was­ser­ge­fahr zu ver­rin­gern, nega­tive Aus­wir­kun­gen haben : „Wenn öffent­li­che Maß­nah­men dazu füh­ren, dass Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phen sel­te­ner wer­den, ist das natür­lich erfreu­lich. Aber es bewirkt auch, dass die Sen­si­bi­li­tät in der Bevöl­ke­rung zurück­geht, und viele Men­schen auf indi­vi­du­elle Vor­sorge ver­zich­ten, die aber eigent­lich immer noch sehr sinn­voll wäre“, erklärt Gemma Carr von der TU Wien.

Große Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phen wer­den vor­aus­sicht­lich frü­her ein­tre­ten

Die­ser Effekt ist schon seit län­ge­rer Zeit bekannt – aber die aktu­elle Stu­die konnte ihn nun empi­risch nach­wei­sen und in ein sozio-hydro­lo­gi­sches Modell ein­bauen, in dem mathe­ma­tisch ana­ly­siert wer­den kann, wie Natur, öffent­li­che und pri­vate Maß­nah­men ein­an­der beein­flus­sen. Sol­che Modelle erlau­ben es nun auch, die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels auf die Gesell­schaft bes­ser vor­her­zu­sa­gen.

„Durch den Kli­ma­wan­del wer­den große Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phen vor­aus­sicht­lich frü­her ein­tre­ten“, sagt Gemma Carr. „Viel­leicht wäre das große Jahr­hun­dert-Hoch­was­ser ohne Kli­ma­wan­del erst in eini­gen Jahr­zehn­ten gekom­men, mit Kli­ma­wan­del steht es uns aber bereits in eini­gen Jah­ren bevor. Das bedeu­tet auch : Unsere öffent­li­chen Schutz­maß­nah­men wer­den bis dahin noch nicht die Qua­li­tät haben, die wir in eini­gen Jahr­zehn­ten erreicht hät­ten“, so Carr. „Kos­ten fal­len somit frü­her an als gedacht, und sie sind höher.“

Öffent­li­che und pri­vate Maß­nah­men müs­sen mit­ein­an­der ver­schränkt wer­den

Wich­tig ist es, pro­ak­ti­ven Hoch­was­ser­schutz zu för­dern und das nicht erst nach der gro­ßen Flut, son­dern nach Mög­lich­keit schon davor. „Wir müs­sen Men­schen bes­ser infor­mie­ren, wir müs­sen ihnen die Mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung stel­len, sich recht­zei­tig zu schüt­zen und das Bewusst­sein für Hoch­was­ser­schutz ver­bes­sern. Dann sind lang­fris­tig die Kos­ten am nied­rigs­ten“, betont Gemma Carr von der TU Wien.

Öffent­li­che und pri­vate Maß­nah­men dür­fen nicht getrennt betrach­tet wer­den – im opti­ma­len Fall ergän­zen sie ein­an­der. Das Modell zeigt auch : Wenn staat­li­che Maß­nah­men zurück­ge­fah­ren wer­den, erhöht sich das Risiko, und die­ser Effekt kann durch ver­stärkte pri­vate Maß­nah­men nicht voll­stän­dig aus­ge­gli­chen wer­den. „Auch wenn Vor­sor­ge­maß­nah­men auf indi­vi­du­el­ler Ebene ver­stärkt wer­den soll­ten, ein Rück­zug des Staa­tes – also eine „Pri­va­ti­sie­rung des Risi­kos“ – wäre keine sinn­volle Lösung“, so eine wei­tere Erkennt­nis. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
14.11.2025

Weitere aktuelle Artikel

Wie­ner Neu­stadt baut Rolle als euro­päi­sches Kom­pe­tenz­zen­trum für Sicher­heit aus. Geo­po­li­ti­sche Lage ver­deut­licht Not­wen­dig­keit einer unab­hän­gi­gen Sicher­heits­stra­te­gie. Land Nie­der­ös­ter­reich betont und unter­stützt Stand­ort mit inter­na­tio­na­ler Ausrichtung. Wie­ner Neu­stadt erwei­tert seine Bedeu­tung als euro­päi­sches Kom­pe­tenz­zen­trum für Sicher­heit. Dies pas­siert auch im Lichte neuer inter­na­tio­na­ler Ent­wick­lun­gen. Im Kon­text mit den aktu­el­len geo­po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen setzt die EU einen […]
Natio­nal­bank mit Finanz­zah­len 2024. Net­to­ein­kom­men auf 290 Mrd. und Gesamt­ver­mö­gen auf 937 Mrd. Euro gestie­gen. Starke Spar­quote mit 30 Mrd. Euro als his­to­ri­scher Höchst­stand. Geringe Ver­schul­dung der Haus­halte und weni­ger Mit­tel für Investitionen. Die Öster­rei­chi­sche Natio­nal­bank (OeNB) hat die aktu­el­len Finanz­zah­len der öster­rei­chi­schen Haus­halte für 2024 ver­öf­fent­licht und die ein­zel­nen Para­me­ter (wie gewohnt) detail­liert und […]
Neues Ver­fah­ren holt CO2 mit weni­ger Ener­gie aus der Luft. Anlage Aus­trian Pilot Unit 1 wird nun von Start-Ups DAClab (US) und DAC­worx (A) sowie von TU Wien weiterentwickelt.  Nicht weni­ger als ein Game­ch­an­ger für die CO2-Abschei­dung soll es Anga­ben zufolge wer­den : Der neu­ent­wi­ckelte Pro­to­typ in Größe eines Last­wa­gen­con­tai­ners holt pro Jahr 50 Ton­nen CO2 aus der […]
Zustim­mung in der deut­schen Bevöl­ke­rung für hohe Leis­tungs­kür­zun­gen bei Pflicht­ver­let­zung. Gleich­zei­tig Wunsch für mehr Mög­lich­kei­ten bei Zuver­dienst, wenn Bedürf­tige Arbeit begin­nen, so neue Stu­die von ifo-Insti­tut.  Die Bevöl­ke­rung in Deutsch­land befür­wor­tet eine Reform beim Bür­ger­geld mit höhe­ren Leis­tungs­kür­zun­gen, so Bezie­her ihre Pflich­ten ver­let­zen soll­ten. Par­al­lel befür­wor­ten die deut­schen Bürger:innen eine Ver­bes­se­rung bei den Zuver­dienst­mög­lich­kei­ten, wenn […]
Magenta Tele­kom neu­er­lich Sie­ger bei renom­mier­tem Netz­test von con­nect. Der Tele­kom­dienst­leis­ter gewinnt mit Daten, Spra­che und Nut­zer­er­fah­rung alle Dis­zi­pli­nen und erhält Best­note „Über­ra­gend“. Wer als Unter­neh­mer oder fami­liär Pfle­ge­ver­ant­wort­li­cher etwa im nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Wein­vier­tel auf ein funk­tio­nie­ren­des Mobil­funk­netz ange­wie­sen ist und dann als (Noch)Kunde eines ehe­mals staat­lich-öster­rei­chi­schen Tel­ko­be­trei­bers schnell aus dem Haus und mit dem Auto […]
magnifier
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram