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Hoch­was­ser­schutz im Klimawandel

Der Kli­ma­wan­del führt zu stär­ke­ren Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phen. TU Wien und Joan­neum Rese­arch ent­wi­ckeln nun erst­mals Modell zur Abbil­dung kom­bi­nier­ter Schutz­maß­nah­men im pri­va­ten und öffent­li­chen Bereich.

Jetzt und in Zukunft müs­sen sich viele Gegen­den der Welt auf stär­kere Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phen ein­stel­len. Mit indi­vi­du­el­len Schutz­maß­nah­men wie bau­li­che Maß­nah­men oder Ver­si­che­run­gen sowie gemein­same Anstren­gun­gen zur Ver­rin­ge­rung der Hoch­was­ser­ge­fahr wie Damm­bau­ten oder Rück­hal­te­be­cken gibt es zwei Stoß­rich­tun­gen.

Wie diese bei­den Her­an­ge­hens­wei­sen ein­an­der beein­flus­sen, lässt sich in mathe­ma­ti­schen Model­len dar­stel­len. For­scher von TU Wien und Joan­neum Rese­arch ana­ly­sierte nun umfang­rei­ches Daten­ma­te­rial und unter­such­ten, wie Natur und Gesell­schaft im Hoch­was­ser­schutz inein­an­der­grei­fen. „Um Hoch­was­ser­schä­den zu mini­mie­ren, braucht es beide Zugänge – den indi­vi­du­el­len und den öffent­li­chen“, so ein Ergeb­nis der Ana­ly­sen.

Nach der Flut ist vor der Flut und das Thema öffent­li­che Maß­nah­men ver­sus indi­vi­du­el­les Verhalten

„Nach einer Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phe ist die Bevöl­ke­rung meist stark sen­si­bi­li­siert. Man ist eher bereit, in per­sön­li­chen Hoch­was­ser­schutz zu inves­tie­ren, denkt über Not­fall­pläne nach, schließt viel­leicht Ver­si­che­run­gen ab“, sagt Gemma Carr vom Insti­tut für Was­ser­bau und Inge­nieur­hy­dro­lo­gie der TU Wien. „Dazu wur­den ins­ge­samt 3770 Haus­halte in ganz Öster­reich befragt“, so Carr. Ein Ergeb­nis zeigt aber auch klar, dass die pri­va­ten Schutz­maß­nah­men stark zurück­ge­hen, wenn es nach einer Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phe keine wei­te­ren Hoch­wäs­ser gibt.

Das kann sogar dazu füh­ren, dass öffent­li­che Anstren­gun­gen, die Hoch­was­ser­ge­fahr zu ver­rin­gern, nega­tive Aus­wir­kun­gen haben : „Wenn öffent­li­che Maß­nah­men dazu füh­ren, dass Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phen sel­te­ner wer­den, ist das natür­lich erfreu­lich. Aber es bewirkt auch, dass die Sen­si­bi­li­tät in der Bevöl­ke­rung zurück­geht, und viele Men­schen auf indi­vi­du­elle Vor­sorge ver­zich­ten, die aber eigent­lich immer noch sehr sinn­voll wäre“, erklärt Gemma Carr von der TU Wien.

Große Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phen wer­den vor­aus­sicht­lich frü­her ein­tre­ten

Die­ser Effekt ist schon seit län­ge­rer Zeit bekannt – aber die aktu­elle Stu­die konnte ihn nun empi­risch nach­wei­sen und in ein sozio-hydro­lo­gi­sches Modell ein­bauen, in dem mathe­ma­tisch ana­ly­siert wer­den kann, wie Natur, öffent­li­che und pri­vate Maß­nah­men ein­an­der beein­flus­sen. Sol­che Modelle erlau­ben es nun auch, die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels auf die Gesell­schaft bes­ser vor­her­zu­sa­gen.

„Durch den Kli­ma­wan­del wer­den große Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phen vor­aus­sicht­lich frü­her ein­tre­ten“, sagt Gemma Carr. „Viel­leicht wäre das große Jahr­hun­dert-Hoch­was­ser ohne Kli­ma­wan­del erst in eini­gen Jahr­zehn­ten gekom­men, mit Kli­ma­wan­del steht es uns aber bereits in eini­gen Jah­ren bevor. Das bedeu­tet auch : Unsere öffent­li­chen Schutz­maß­nah­men wer­den bis dahin noch nicht die Qua­li­tät haben, die wir in eini­gen Jahr­zehn­ten erreicht hät­ten“, so Carr. „Kos­ten fal­len somit frü­her an als gedacht, und sie sind höher.“

Öffent­li­che und pri­vate Maß­nah­men müs­sen mit­ein­an­der ver­schränkt wer­den

Wich­tig ist es, pro­ak­ti­ven Hoch­was­ser­schutz zu för­dern und das nicht erst nach der gro­ßen Flut, son­dern nach Mög­lich­keit schon davor. „Wir müs­sen Men­schen bes­ser infor­mie­ren, wir müs­sen ihnen die Mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung stel­len, sich recht­zei­tig zu schüt­zen und das Bewusst­sein für Hoch­was­ser­schutz ver­bes­sern. Dann sind lang­fris­tig die Kos­ten am nied­rigs­ten“, betont Gemma Carr von der TU Wien.

Öffent­li­che und pri­vate Maß­nah­men dür­fen nicht getrennt betrach­tet wer­den – im opti­ma­len Fall ergän­zen sie ein­an­der. Das Modell zeigt auch : Wenn staat­li­che Maß­nah­men zurück­ge­fah­ren wer­den, erhöht sich das Risiko, und die­ser Effekt kann durch ver­stärkte pri­vate Maß­nah­men nicht voll­stän­dig aus­ge­gli­chen wer­den. „Auch wenn Vor­sor­ge­maß­nah­men auf indi­vi­du­el­ler Ebene ver­stärkt wer­den soll­ten, ein Rück­zug des Staa­tes – also eine „Pri­va­ti­sie­rung des Risi­kos“ – wäre keine sinn­volle Lösung“, so eine wei­tere Erkennt­nis. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
14.11.2025

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