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Huma­no­ide Robo­ter und KI

Die digi­tale Trans­for­ma­tion der Indus­trie geht in nächste Runde. Fast 90 Pro­zent sehen Indus­trie 4.0 als wett­be­werbs­ent­schei­dend. Fast 50 Pro­zent sehen raschen Auf­hol­be­darf bei KI. Dis­kus­sion zu huma­no­iden Robo­tern, so Ergeb­nisse neuer Bit­kom-Stu­die in Deutschland.

Auto­ma­ti­sierte Pro­duk­ti­ons­ab­läufe mit Künst­li­cher Intel­li­genz, schnel­lere Fer­ti­gung durch 3D-Druck oder huma­no­ide Robo­ter, die gefähr­li­che Schweiß­ar­bei­ten über­neh­men : Deutsch­lands Fabri­ken wer­den zuneh­mend digi­ta­ler. Die deut­sche Indus­trie bewer­tet den Ein­satz digi­ta­ler Tech­no­lo­gien in der Pro­duk­tion über­wie­gend posi­tiv : 81 Pro­zent der deut­schen Indus­trie­un­ter­neh­men sehen Indus­trie 4.0 als Chance, nur 16 Pro­zent sehen darin ein Risiko. Gleich­zei­tig ist Indus­trie 4.0 ein Wettbewerbsfaktor. 

Für fast alle deut­schen Indus­trie­un­ter­neh­men (94 Pro­zent) ist Indus­trie 4.0 sehr wich­tig, um im inter­na­tio­na­len Wett­be­werb zu bestehen (unver­zicht­bar : 30 Pro­zent ; sehr wich­tig : 64 Pro­zent). Nur knapp 4 Pro­zent hal­ten Indus­trie 4.0 hin­ge­gen für unwich­tig. Das sind Ergeb­nisse einer aktu­el­len reprä­sen­ta­ti­ven Befra­gung im Auf­trag des Digi­tal­ver­bands Bit­kom, die anläss­lich der Han­no­ver Messe unter 555 Indus­trie­un­ter­neh­men des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes ab 100 Beschäf­tig­ten in Deutsch­land durch­ge­führt wurde. 

Men­schen­ähn­lich gebaute Robo­ter und das Thema Wettbewerbsfähigkeit

„Indus­trie 4.0 ist kein Tech­no­lo­gie­trend, son­dern die Basis für indus­tri­elle Wett­be­werbs­fä­hig­keit“, sagt Tanja Rück­ert, Vize­prä­si­den­tin beim Ver­band der deut­schen Digi­tal­un­ter­neh­men Bit­kom. „Mit KI und künf­tig huma­no­iden Robo­tern erhält Indus­trie 4.0 ein mas­si­ves Upgrade, die digi­tale Trans­for­ma­tion der deut­schen Indus­trie geht mit KI in die nächste Runde“, so Rückert.

Wie groß die Bedeu­tung die­ser Tech­no­lo­gien für die Wett­be­werbs­fä­hig­keit deut­scher Indus­trie­un­ter­neh­men ist, zeigt die Bit­kom-Stu­die. 9 von 10 Indus­trie­un­ter­neh­men mes­sen Indus­trie 4.0 all­ge­mein eine sehr große oder eher große Bedeu­tung für die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Indus­trie bei. Bei Künst­li­cher Intel­li­genz sind es knapp 8 von 10. Auch huma­no­ide Robo­ter, also KI-basierte men­schen­ähn­lich gebaute Robo­ter, wer­den mehr­heit­lich als bedeut­sam für die Wett­be­werbs­fä­hig­keit ein­ge­schätzt : Mehr als 6 von 10 Indus­trie­un­ter­neh­men rech­nen die­ser Tech­no­lo­gie eine große Bedeu­tung zu.

Indus­trie 4.0 ist in der Pro­duk­tion angekommen

In der Pro­duk­tion ist Indus­trie 4.0 keine Zukunfts­vi­sion, son­dern gelebte Pra­xis. 97 Pro­zent der Indus­trie­un­ter­neh­men set­zen min­des­tens eine Industrie‑4.0‑Anwendung ein. Im Bereich der intel­li­gen­ten Steue­rung und Pla­nung ist Künst­li­che Intel­li­genz (KI) am wei­tes­ten ver­brei­tet. KI ist bereits bei 40 Pro­zent der Indus­trie-Unter­neh­men im Ein­satz, fast ebenso viele pla­nen dies. Auch digi­tale Zwil­linge sind inzwi­schen weit ver­brei­tet : 45 Pro­zent der Indus­trie­un­ter­neh­men haben sie im Ein­satz, 26 Pro­zent pla­nen dies. 

Phy­si­cal AI, also KI, die Maschi­nen oder Robo­ter in die Lage ver­setzt, phy­si­sche Auf­ga­ben selbst­stän­dig aus­zu­füh­ren, ist bei 6 Pro­zent der deut­schen Indus­trie­un­ter­neh­men im Ein­satz. Die Tech­no­lo­gie steckt zwar noch in den Anfän­gen, aller­dings pla­nen bereits mehr als ein Vier­tel der Unter­neh­men ihre Ein­füh­rung. Geht es um digi­tale Infra­struk­tu­ren und Ver­net­zung, so lie­gen IoT-Platt­for­men an der Spitze der ein­schlä­gi­gen Tech­no­lo­gien : Sie sind bei 45 Pro­zent der Indus­trie­un­ter­neh­men im Ein­satz und bei einem Drit­tel geplant. 

Deut­sche Indus­trie­un­ter­neh­men wol­len mehr investieren 

Aber auch Daten­räume, Edge Com­pu­ting, Life­cy­cle-Manage­ment und 5G-Cam­pus­netze wer­den in der Pro­duk­tion ein­ge­setzt und tra­gen zu einer ver­netz­ten Pro­duk­tion bei. „In den Fabri­ken ist Indus­trie 4.0 gut zehn Jahre nach Ein­füh­rung des Begriffs All­tag“, sagt Rück­ert. „Jetzt kommt es dar­auf an, mit Digi­ta­len Zwil­lin­gen, KI und künf­tig auch huma­no­iden Robo­tern ein neues Kapi­tel der Indus­trie 4.0 auf­zu­schla­gen“, so Rück­ert. 27 Pro­zent der deut­schen Indus­trie­un­ter­neh­men wol­len 2026 mehr in Industrie‑4.0‑Technologien inves­tie­ren, 50 Pro­zent wol­len ihre Inves­ti­tio­nen auf dem bis­he­ri­gen Niveau hal­ten. 20 Pro­zent pla­nen gerin­gere Investitionen. 

Neben den breit genutz­ten Anwen­dun­gen wie KI, IoT-Platt­for­men oder digi­ta­len Zwil­lin­gen gera­ten auch neue Tech­no­lo­gien stär­ker in den Blick, und dazu zäh­len ins­be­son­dere huma­no­ide Robo­ter. Sie gehö­ren zum Bereich Phy­si­cal AI und kön­nen Auf­ga­ben über­neh­men, die bis­lang von Men­schen aus­ge­führt wer­den. Die Indus­trie­un­ter­neh­men sehen darin einen Pro­duk­ti­vi­täts­fak­tor : Mehr als 6 von 10 Indus­trie­un­ter­neh­men den­ken, dass huma­no­ide Robo­ter die Indus­trie pro­duk­ti­ver machen. 

Zwi­schen nöti­ger Eigen­ent­wick­lung und über­trie­be­nem Hype

Fast 7 von 10 spre­chen sich dafür aus, dass Deutsch­land huma­no­ide Robo­ter schnell selbst ent­wi­ckelt und auf den Welt­markt bringt. Gleich­zei­tig hält fast jedes dritte Indus­trie­un­ter­neh­men huma­no­ide Robo­ter für einen Hype, der bald vor­über­ge­hen werde, 41 Pro­zent sind der Auf­fas­sung, die Tech­no­lo­gie koste mehr, als sie bringe. „An huma­no­iden Robo­tern schei­den sich der­zeit die Geis­ter“, befin­det Rück­ert vom Bitkom-Verband.

Ver­ein­zelt wer­den huma­no­ide Robo­ter in der deut­schen Indus­trie heute bereits ein­ge­setzt. Sechs Pro­zent der Indus­trie­un­ter­neh­men arbei­ten mit ihnen, jedes zehnte Unter­neh­men plant dies und acht Pro­zent dis­ku­tie­ren dar­über. Aller­dings ist für 3 von 4 Indus­trie­un­ter­neh­men (72 Pro­zent) der Ein­satz Huma­no­ider Robo­ter der­zeit noch kein Thema. Beim Blick in die Zukunft sieht die Lage anders aus. Ins­ge­samt kann sich fast die gesamte deut­sche Indus­trie (97 Pro­zent) zumin­dest lang­fris­tig vor­stel­len, dass huma­no­ide Robo­ter in der Pro­duk­tion breit ein­ge­setzt werden. 

Indus­trie sieht in KI einen zen­tra­len Wett­be­werbs­fak­tor  

Am Bei­spiel huma­no­ider Robo­tik zeigt sich, wie stark die indus­tri­elle Ent­wick­lung inzwi­schen von Künst­li­cher Intel­li­genz geprägt wird. Rück­ert : „KI ist nicht mehr nur eine ein­zelne Anwen­dung, sie wird der­zeit zur wohl wich­tigs­ten Basis­tech­no­lo­gie in indus­tri­el­ler Ent­wick­lung, Fer­ti­gung und Betrieb.“ Fast 8 von 10 Indus­trie­un­ter­neh­men sind der Auf­fas­sung, dass KI künf­tig ent­schei­dend für die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der deut­schen Indus­trie sein wird. 76 Pro­zent sind der Mei­nung, dass die deut­sche Indus­trie beim Ein­satz von KI eine Vor­rei­ter­rolle ein­neh­men sollte. 

Nur 19 Pro­zent hal­ten KI in der Indus­trie für einen vor­über­ge­hen­den Hype. Gleich­zei­tig stimmt mehr als die Hälfte (55 Pro­zent) der Aus­sage zu, dass die deut­sche Indus­trie die KI-Revo­lu­tion zu ver­schla­fen droht, neun Pro­zent­punkte mehr als im letz­ten Jahr. Den­noch sieht sich bei KI jedes zweite deut­sche Indus­trie­un­ter­neh­men vorne. 46 Pro­zent ord­nen sich hin­ge­gen eher als Nach­züg­ler ein (36 Pro­zent) oder sagen gar, sie hät­ten den Anschluss ver­passt (10 Pro­zent). „Die Unter­neh­men sehen in KI enor­mes Poten­zial für mehr Effi­zi­enz, Qua­li­tät und Wett­be­werbs­fä­hig­keit“, betont Rückert.

Schwie­rige Kon­junk­tur bremst Digitalisierung

Die schwie­rige gesamt­wirt­schaft­li­che Lage wirkt sich nach­tei­lig auf die Digi­ta­li­sie­rung der deut­schen Indus­trie aus. Über die Hälfte (58 Pro­zent) der Indus­trie­un­ter­neh­men ist der Auf­fas­sung, dass die aktu­elle Kon­junk­tur die Digi­ta­li­sie­rung ihres Unter­neh­mens brem­sen wird. 45 Pro­zent rech­nen mit einem Stel­len­ab­bau im eige­nen Unter­neh­men, gleich­zei­tig erwar­ten 48 Pro­zent, infolge von Stel­len­kür­zun­gen in ande­ren Indus­trie­un­ter­neh­men Fach­kräfte gewin­nen zu können.

Neben der wirt­schaft­li­chen Lage erhöht auch der Wett­be­werb aus China den Druck auf die deut­sche Indus­trie. Mehr als jedes achte Indus­trie­un­ter­neh­men (13 Pro­zent) emp­fin­det einen sehr star­ken Wett­be­werbs­druck auf­grund gestie­ge­ner Exporte aus China, fast die Hälfte (49 Pro­zent) einen eher star­ken Wett­be­werbs­druck. Umge­kehrt spürt ledig­lich jedes fünfte Indus­trie­un­ter­neh­men nur gerin­gen Druck, 13 Pro­zent spürt kei­ner­lei zusätz­li­chen Druck. 

China legt bei Indus­trie 4.0 das Tempo vor, Deutsch­land hat raschen Aufholbedarf

Der wirt­schaft­li­che Druck trifft die Indus­trie in einer Phase, in der sich der inter­na­tio­nale Wett­be­werb wei­ter ver­schärft. Im inter­na­tio­na­len Ver­gleich liegt Deutsch­land nach Selbst­ein­schät­zung der Unter­neh­men bei Indus­trie 4.0 nur auf Platz drei. Ein Zehn­tel der Indus­trie­un­ter­neh­men sieht Deutsch­land inter­na­tio­nal beim Thema Indus­trie 4.0 vorne. Als füh­rende Nation bei Indus­trie 4.0 wird der­zeit am häu­figs­ten China genannt (34 Pro­zent), und auch die USA wer­den von 21 Pro­zent in die­sem Bereich füh­rend wahrgenommen. 

Die Situa­tion ihres eige­nen Unter­neh­mens bewer­ten die Befrag­ten etwas posi­ti­ver. Neun Pro­zent der deut­schen Indus­trie­un­ter­neh­men sehen sich an der Spitze, 38 Pro­zent eher als Vor­rei­ter bei Indus­trie 4.0. Knapp die Hälfte (50 Pro­zent) sieht sich umge­kehrt als Nach­züg­ler, ledig­lich ein Pro­zent sagt, dass das eigene Unter­neh­men den Anschluss ver­passt habe. „China legt bei Indus­trie 4.0 das Tempo vor. Deutsch­land muss dran­blei­ben, mit mehr Tempo und Inves­ti­tio­nen in Inno­va­tion und digi­ta­ler Infra­struk­tur“, unter­streicht Rückert.

Unter­neh­men und Poli­tik sind jetzt in der Ver­ant­wor­tung  

Wie kön­nen nun Indus­trie­un­ter­neh­men bei der Ein­füh­rung von Industrie‑4.0‑Anwendungen bes­ser unter­stützt wer­den ? Dafür braucht es sowohl in der Wirt­schaft selbst als auch in der Poli­tik die rich­ti­gen Wei­chen­stel­lun­gen. „Viele zen­trale Anwen­dun­gen von Indus­trie 4.0 bauen heute auf KI auf. Umso wich­ti­ger ist es, KI nicht nur punk­tu­ell zu tes­ten, son­dern sie sys­te­ma­tisch in Pro­duk­ti­ons- und Engi­nee­ring-Pro­zesse zu über­füh­ren – mit leis­tungs­fä­hi­ger Infra­struk­tur, ein­heit­li­chen Daten­stan­dards und qua­li­fi­zier­ten Beschäf­tig­ten ent­lang der Wert­schöp­fungs­kette“, sagt Rückert. 

„Deutsch­land braucht bei indus­tri­el­ler KI bes­sere Stand­ort­be­din­gun­gen : Mehr Rechen­ka­pa­zi­tä­ten, bes­sere Daten­in­fra­struk­tu­ren, umsetz­bare Regeln, gezielte Fach­kräf­te­qua­li­fi­zie­rung und ein­fa­che För­der­pro­gramme für den Mit­tel­stand. Jetzt geht es nicht mehr um das nächste Pilot­pro­jekt, son­dern um den brei­ten Ein­satz von KI in der Wirt­schaft und Indus­trie“, resü­miert Tanja Rück­ert, Vize­prä­si­den­tin beim Ver­band der deut­schen Digi­tal­un­ter­neh­men Bit­kom. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
21.04.2026

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