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Hybri­der Qua­li­täts­jour­na­lis­mus mit YouTube

Stu­die der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten unter­suchte Rol­len­ver­ständ­nis von Publi­zis­tIn­nen auf You­Tube, deren Anspruch als Moder­ni­sie­rer des Jour­na­lis­mus und Rela­tio­nen zu klas­si­schen Medien.

You­Tube ist nach Google die zweit­größte Such­ma­schine der Welt, die größte Videosha­ring-Platt­form auf der auch klas­si­sche Medi­en­häu­ser ihre Inhalte publi­zie­ren und wo zudem zahl­rei­che poli­ti­sche Kom­men­tare zu fin­den sind. Für viele junge Men­schen ist You­Tube der erste und oft­mals auch ein­zige Infor­ma­ti­ons­ka­nal. Eine Aus­nahme ist „Funk“, ein eigens für Social-Media-Kanäle ent­wi­ckel­tes Ange­bot der öffent­lich-recht­li­chen Sen­der in Deutschland. 

Mit unter­schied­li­chen Video­for­ma­ten zum poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Tages­ge­sche­hen sol­len hier pri­mär Men­schen zwi­schen 14 und 29 Jah­ren erreicht wer­den. Eine For­schungs­gruppe rund um die Öster­rei­chi­sche Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (ÖAW) hat nun das Rol­len­ver­ständ­nis jour­na­lis­ti­scher You­Tuber-Innen unter­sucht und 16 jour­na­lis­ti­sche YouTuber/​innen in- und außer­halb des Funk-Netz­wer­kes nach ihren Moti­va­tio­nen, Stra­te­gien und Pro­fes­sio­na­li­sie­rungs­ten­den­zen befragt.

„MrWissen2go“ oder „Die da oben!“
Die Publi­zis­ten auf Funk hei­ßen „MrWissen2go“ oder „Die da oben!“, sie expe­ri­men­tie­ren mit Social Media und Apps und pro­bie­ren aus, wie man auf You­Tube Wis­sen rund um Poli­tik, Geschichte und das aktu­elle Zeit­ge­sche­hen ver­mit­teln kann. Die Ergeb­nisse der Stu­die zei­gen, „dass Qua­li­täts­jour­na­lis­mus und You­Tube kein Wider­spruch sein müs­sen und alte wie neue Medi­en­ma­cher von­ein­an­der ler­nen kön­nen“, so die ÖAW in einer Aussendung. 

„Jour­na­lis­ti­sche You­Tuber neh­men eine Brü­cken­funk­tion ein, um ein jün­ge­res Publi­kum an poli­ti­sche Bericht­erstat­tung her­an­zu­füh­ren und sie in den media­len Dis­kurs zu inte­grie­ren“, erläu­tert Den­nis Lich­ten­stein, Stu­di­en­au­tor und For­scher am Insti­tut für ver­glei­chende Medien- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­schung der ÖAW.

Ver­mitt­lung eine Art von Gamification
Den Jour­na­lis­tIn­nen auf You­Tube geht es dabei weni­ger um nüch­terne Bericht­erstat­tung, mit einer Mischung aus Infor­ma­tion, Fak­ten­check, Kom­men­tar und Humor wer­den Nach­rich­ten zum poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Tages­ge­sche­hen emo­tio­nal und mit­un­ter auch spie­le­risch vermittelt. 

„Für einen gene­ra­tio­nen­spe­zi­fi­schen Jour­na­lis­mus ist auch eine Art von Gami­fi­ca­tion ein Thema. Infor­ma­tion darf unter­hal­tend sein und Emo­tio­na­li­sie­rung soll zur Dis­kus­sion anzu­re­gen. Es geht darum, die User zur Mei­nungs­bil­dung anzu­re­gen“, ergänzt Lich­ten­stein. Jour­na­lis­ti­sche You­Tuber sehen das „als Bei­trag zur Moder­ni­sie­rung des Jour­na­lis­mus“, so ein Befund der Studie.

Per­sön­li­cher Kon­takt auf Augenhöhe
Was die You­Tube-Jour­na­lis­ten den meis­ten tra­di­tio­nel­len Redak­teu­ren vor­aus­ha­ben, ist der Aus­tausch auf Augen­höhe mit dem Publi­kum. So pfle­gen auch die Stu­di­en­teil­neh­mer den direk­ten Kon­takt mit den Usern und betrei­ben pro­fes­sio­nel­les Audi­ence-Manage­ment. Zudem pas­sen sie ihre Nach­rich­ten­for­mate der Netz­werk­lo­gik an und ver­su­chen, das Publi­kum anzu­re­gen, über ihre pri­va­ten Netz­werke die Inhalte zu tei­len und so die Reich­weite zu steigern.

Ein wei­te­res Ergeb­nis der Stu­die : Qua­li­täts­jour­na­lis­mus auf You­Tube funk­tio­niert dann am bes­ten, wenn die Nach­rich­ten­ma­cher in öffent­lich-recht­li­che Netz­werke ein­ge­bun­den sind. „Die im Funk-Netz­werk inte­grier­ten You­Tuber kön­nen sich die redak­tio­nelle Unter­stüt­zung und die pro­fes­sio­nel­len Stan­dards der Medi­en­or­ga­ni­sa­tio­nen zunutze machen. Das hebt die Qua­li­tät der Recher­che“, so Lichtenstein

Gegen­sei­ti­ger Nutzen
Davon pro­fi­tie­ren aber nicht nur die Jour­na­lis­tIn­nen auf You­Tube, son­dern auch die öffent­lich-recht­li­chen Sen­der. Wäh­rend eta­blierte Medien vor allem bei den Jun­gen immer mehr an Publi­kum ver­lie­ren, kön­nen sie Jugend­li­che durch inno­va­tive For­mate auf You­Tube dort errei­chen, wo sie nach Infor­ma­tio­nen suchen. Anders als schlecht recher­chierte oder popu­lis­ti­sche Mei­nungs­vi­deos leis­ten jour­na­lis­ti­sche YouTuber/​innen damit einen wich­ti­gen Bei­trag zur Infor­ma­tion und Meinungsbildung. 

„Wir dür­fen das Feld nicht den Popu­lis­ten und Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern über­las­sen. Unsere Stu­die zeigt : Qua­li­täts­jour­na­lis­mus auf You­Tube funk­tio­niert, mit ent­spre­chen­der För­de­rung im Hin­ter­grund“, resü­miert Den­nis Lich­ten­stein, Stu­di­en­au­tor und For­scher am Insti­tut für ver­glei­chende Medien- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­schung. Die Ergeb­nisse der ÖAW-Stu­die wur­den auch im renom­mier­ten bri­ti­schen Fach­ma­ga­zin Jour­na­lism-Stu­dies publiziert.

Autor: red/mich
11.06.2021

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