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„Ich hab‘ am nächs­ten Tag gekündigt“

Neue Pro­dukte aus Abfall. Start-Up Bewerb des deut­schen Inku­ba­tors SPRIND zur Ent­wick­lung bio­tech­no­lo­gi­scher Ver­fah­ren, um aus koh­len­stoff­hal­ti­gen Abfall­strö­men neue Pro­dukte zu machen, geht in letzte Phase. 

Bio­tech­no­lo­gi­sche Ver­fah­ren, um aus koh­len­stoff­hal­ti­gen Abfall­strö­men neue Pro­dukte zu ent­wi­ckeln, ist umwelt- und ener­gie­po­li­tisch ein zen­tra­les Thema. CO2 Reduk­tion und ent­spre­chend nach­hal­tige wie klima- und umwelt­scho­nende Erzeu­gung wie Pro­dukte ist daher auch ein Fokus von Start-Ups und Unternehmen. 

Der deut­sche Inku­ba­tor SPRIND beschäf­tigt sich damit seit Grün­dung in zahl­rei­chen Pro­jek­ten und Aus­schrei­bun­gen. In einer aktu­el­len Pro­gramm­li­nie geht es nun in die nächste und ent­schei­dende Runde. Die nach­fol­gen­den Teams haben bis­her jeweils 3,5 Mio. Euro erhal­ten und im Okto­ber folgt nun die Ent­schei­dung über wei­tere Finanzierungen.

Das Unter­neh­men AmphiStar und die Nut­zung von Mikro­ben zur Tensid-Produktion

Das erste Unter­neh­men ist AmphiStar, es geht um die Nut­zung von Mikro­ben zur Ten­sid-Pro­duk­tion. Diese Ten­side sind sozu­sa­gen über­all, ob in Sham­poo, Zahn­pasta, Dru­cker­tinte, Lacken oder Geschirr­spül­mit­teln. Das Pro­blem ist, die meis­ten Ten­side wer­den aus fos­si­len oder tro­pi­schen Roh­stof­fen wie Palmöl her­ge­stellt und in den ener­gie­in­ten­si­ven Pro­zes­sen ent­ste­hen oft gif­tige Nebenprodukte. 

Bernd Ever­aert will das ver­bes­sern und hat mit vier Kolleg:innen 2021 die Firma AmphiStar gegrün­det. Die Mis­sion des Unter­neh­mens : Nach­hal­tige Ten­side, die aus Abfäl­len gewon­nen wer­den. „Der Markt ist rie­sig, es gibt Tau­sende ver­schie­de­ner Ten­side und diese sind ober­flä­chen­ak­tive Mole­küle, die ganz unter­schied­li­che Funk­tio­nen erfül­len kön­nen. Einige ent­fet­ten beson­ders gut, andere sor­gen für Schaum oder ver­mi­schen Öl und Was­ser“, erklärt Bernd Ever­aert die Mis­sion von AmphiStar.

Fir­men­grün­dung dank Schim­mel­pilz oder wie Bio­phe­l­ion neue Che­mi­ka­lien herstellt

Im eige­nen Bad und auf der hei­mi­schen Tapete unge­liebt, ist er in Labo­ren seit Jahr­zehn­ten ein Star : Der Schim­mel­pilz Aureo­ba­si­dium pul­lulans. Die­ser hefe­ar­tige Pilz fühlt sich fast über­all wohl, frisst vie­les und schei­det dabei unter­schied­li­che Mole­küle wie­der aus. Dank die­ser Eigen­schaf­ten weckte er das Inter­esse von Till Tiso. 

Der Mikro­bio­loge war sich sicher, der Pilz kann noch mehr leis­ten. „Das ist eine unse­rer Kern­ex­per­ti­sen am Insti­tut für Ange­wandte Mikro­bio­lo­gie der RWTH Aachen. Wir ent­wi­ckeln Mikro­or­ga­nis­men gene­tisch wei­ter, sodass sie bes­ser pro­du­zie­ren und vor allem das pro­du­zie­ren, was wir uns von ihnen wün­schen“, so Till Tiso im Kon­text mit dem zwei­ten Projekt.

Ohne Erdöl in die Zukunft oder das Team BioTre­asure und der Massenmarkt

Luisa Gro­nen­berg will etwas gegen die Kli­ma­krise tun. „Meine Moti­va­tion ist, erd­öl­ba­sierte Pro­zesse zu erset­zen“. Gro­nen­berg forschte in Los Ange­les an der Her­stel­lung von Bio­treib­stof­fen durch Cya­no­bak­te­rien, in Kopen­ha­gen war sie lei­tende Wis­sen­schaft­le­rin des Start-Ups Bio­syn­tia, das Vit­amine durch bak­te­ri­elle Fer­men­ta­tion produziert.

Und in Mün­chen zog sie das Start-Up Ins­em­pra mit hoch, das mit Hilfe von Bak­te­rien und Hefen Zuta­ten für Kos­me­tik und Lebens­mit­tel her­stellt. „Wir kön­nen bio­tech­no­lo­gisch vie­les her­stel­len, aber mit den Prei­sen der Ölin­dus­trie kön­nen wir bei Mas­sen­pro­duk­ten noch nicht mit­hal­ten“, so Gro­nen­berg zu einer aktu­el­len Problemstellung.

Hohes Risiko und hohe Gewinne oder die Pro­duk­tion von Acryl­glas mit Bakterien

Nigel Scrut­ton liebt es, gegen den Strom zu schwim­men. Das soll schon immer so gewe­sen sein. „Ich bin ein ziem­lich stu­rer Mensch. Wenn mir jemand ein schwie­ri­ges Pro­blem stellt, bleibe ich dran“, so Scrut­ton. Viele Jahre sei­nes Lebens beschäf­tigte sich der 61-Jäh­rige mit Quan­ten­ef­fek­ten in Pro­te­inen. „Andere Wissenschaftler:innen hiel­ten mich für ver­rückt. Aber ich habe 20 Jahre an mei­ner Idee fest­ge­hal­ten, und mitt­ler­weile ist sie akzep­tier­ter, wis­sen­schaft­li­cher Main­stream“, betont der Biologe.

Scrut­ton selbst ist the­ma­tisch längst wei­ter­ge­zo­gen. Seit 2000 beschäf­tigt er sich mit Syn­the­ti­scher Bio­lo­gie. „Wenn mir jetzt jemand sagt, man könne auf­grund der hohen Kos­ten nie­mals che­mi­sche Grund­stoffe durch bio­lo­gi­sche Ver­fah­ren her­stel­len, sage ich : Okay, gib mir 10 Jahre, ich werde es ver­su­chen“. Scrut­ton wei­ter : Ich könnte schei­tern, aber ich bin bereit, das Schei­tern zu akzep­tie­ren“. Die wei­tere Ent­wick­lung beim SPRIND-Bewerb wird auch das zeigen.

Noch­mal das Thema Mikro­ben oder wie „MATERI‑8 die Welt ver­bes­sern will 

Man fin­det sie in Mode­ket­ten, in Klei­der­schrän­ken und schließ­lich im Müll : Welt­weit tür­men sich Klei­der­berge in der Umwelt. Ein Grund dafür ist, dass Klei­dung oft aus einer Mischung aus Baum­wolle, Poly­es­ter, Acryl und Elas­than besteht — und das macht das Recy­cling schwie­rig. Ähn­lich sieht es bei Kunst­stof­fen aus. Viele Kunst­stoffe bestehen aus einem Mate­ri­al­mix, der sich nur schwer tren­nen lässt. Sebas­tian Beblawy wollte Leh­rer für die Fächer Che­mie und Bio­lo­gie wer­den. Im Stu­dium lernt er die Arbeits­gruppe von Johan­nes Gescher ken­nen und dort geht es um Nach­hal­tig­keit, Tech­no­lo­gie und Abwasser. 

Beblawy pro­mo­viert und ver­schreibt sich ganz der Abfall­bio­tech­no­lo­gie. „Irgend­wann war der Punkt erreicht, wo ich zurück zu mei­nem Dok­tor­va­ter gegan­gen bin, und gesagt habe, ich bin jetzt bereit, eine eigene Firma zu grün­den“, so Beblawy. Zufäl­lig wird zur glei­chen Zeit die Cir­cu­lar Bio­ma­nu­fac­tu­ring Chall­enge von SPRIND aus­ge­schrie­ben. „Ich wusste, das ist mein Ruf — und dann kam die Zusage. Ich habe direkt am nächs­ten Tag gekün­digt“. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
29.09.2025

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