
Ich will diese EU nicht mehr
Friedenspolitisches Versagen, Wirtschaftspolitisches Versagen, Demokratiepolitisches Versagen, Rechtsstaatliches Versagen. Die EU verkommt zum existenzgefährdenden Armutszeugnis. Eine Abrechnung zu aktuellen Entwicklungen am alten Kontinent von Christian Czaak.
Einmal vorweg : Ich bin kein „Rechter“. Ich bin kein „Linker“. Der folgende Text hat keine ideologischen oder parteipolitischen Hinter- oder Beweggründe, er spiegelt rein meine Sichtweise als existenziell verantwortlicher Familienvater und Kleinunternehmer im EU-Land Österreich.
Vor rund fünf Jahren noch begeisterter Europäer, hat sich meine Wertschätzung für das Projekt Europäische Union (EU) mittlerweile massiv eingetrübt und zuletzt ist nur mehr Verachtung übergeblieben. Als alleinerhaltender Vater zweier noch in Ausbildung befindlicher Teenis und als Kleinunternehmer ist Beziehung und Sichtweisen zu europäischen wie national-österreichischen Rahmenbedingungen entsprechend mehrschichtig.
Ukraine-Krieg noch in Verantwortung von US-Präsident Joe Biden
Final zeigen sich jetzt aber schön langsam existentielle Gefährdungen und die dafür verantwortlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen haben primär einmal mit der EU zu tun. Als erster Punkt das friedenspolitische Versagen im Kontext mit dem Ukraine-Krieg. Dieser Krieg ist noch der US-Administration unter bzw. eigentlich direkt dem damaligen US-Präsidenten Joe Biden zu „verdanken“.
Hintergrund waren schon länger überlegte Pläne die Ukraine in die NATO (North Atlantic Treaty Organisation) aufzunehmen, im Wissen, dass Wladimir Putins Russland das strikt ablehnt. Enge Berater von Joe Biden hatten diesen mehrfach vor einer NATO-Aufnahme der Ukraine gewarnt und im Falle doch eine militärische Intervention von Putin bzw. Russland vorausgesagt.
EU verbietet vergleichsweise günstige wie rückblickend auch verlässliche Energielieferungen aus Russland
Zentrale Themen bei den US-Überlegungen waren aber auch wirtschaftliche bzw. energiepolitische Fragen. Mit den vorhandenen US-Fracking-Kapazitäten gäbe es ja bitte schön eine sichere Alternative zu Europas Abhängigkeit vom russischen Gas und das fördere dann doch wirklich auch Europas geopolitische Unabhängigkeit – weil die US-Administration ist zudem ja auch noch ein wirklich verlässlicher Partner mit Handschlagqualität.
Europa sanktioniert und verbietet also die vergleichsweise günstigen und verlässlichen russischen Energielieferungen als Reaktion auf den Ukraine-Angriff, schafft aber keinen adäquaten Ersatz dafür. Die daraus resultierende Kosten-Explosion bei Energie für Unternehmen wie Privathaushalte wird dann auch zum zentralen Faktor von mehrschichtigen Kostenerhöhungen und einer entsprechend steigenden Inflation, die Unternehmen wie Private noch zusätzlich neben den immer noch spürbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie belastet.
Europa finanziert den Ukraine-Krieg und die USA sichern sich die Bodenschätze
Auch Österreich „nascht“ an dieser Energie-Kostenexplosion als (Mit)Eigentümer von Energie-Konzernen oder über die Konsumsteuern gerne mit und refinanziert sich so zumindest teilweise die Ausgabenbelastungen durch die Corona-Pandemie. Unvergessen hier auch die Eigengenehmigung von einzelnen Bundesländern der einen oder anderen Sonderdividende über hunderte Millionen Euro während Bürger und Unternehmen nicht mehr wissen, wie sie ihre Energiekosten bezahlen sollen.
Seit Februar 2022, seit also nunmehr vier Jahren läuft der Ukraine-Krieg. In dieser gesamten Zeit gab es seitens der EU nicht einmal den ernsthaften Versuch einer Friedensbemühung mit Wladimir Putin. Anstatt wurde die Ukraine in einer Art US-Stellvertreter-Krieg bis dato mit fast 190 Milliarden Euro unterstützt. Davon betreffen neben Wirtschaftshilfen (rund 100) und Flüchtlingsunterstützung (17) rund 70 Milliarden Euro militärische Unterstützung und die wird primär von den USA eingekauft. Wirtschaftlich wichtige Bodenschätzte sichern sich aber die USA, die gleichzeitig ihre finanziellen und militärischen Ukraine-Hilfen massiv zurückfahren.
In Ukraine über 1.300 sogenannte „High-Level-Korruptionsverfahren“ anhängig
Jetzt folgen von der EU nochmal 90, neunzig Milliarden Euro. 90 Milliarden Euro in Zeiten, wo nahezu jeder europäische Staat budgetär und wirtschaftlich am sprichwörtlichen Boden liegt. Geht’s noch, werte EU?! GEHT‘S NOCH??!! Was mit diesen Geldern neben Waffen oder humanitärer Unterstützungen passiert oder was genau unter Wirtschaftshilfen zu verstehen ist, erfährt der vielseitig mitfinanzierende Steuerzahler nicht. Außer, wenn hie und da der nächste Korruptionsskandal in der Ukraine nach außen dringt. Korruptionsjäger wie SAPO, ANTAC oder NABU berichten dann von Fällen zwischen „ein paar Millionen“ und 100 Millionen Euro (Energoatom/“Mindichgate“).
In Summe sind in der Ukraine über 1.300 (!) sogenannte „High-Level-Korruptionsverfahren“ anhängig. Der letzte große Fall poppte direkt im Umfeld des Ukraine-Präsidenten auf, der zuvor die Korruptionsbehörden (und das Verfassungsgericht) einschränken wollte. In Umfragen von großen deutschen Medien wie etwa Der Spiegel oder Focus fordern mittlerweile fast siebzig Prozent (!) der Deutschen einen Stopp der EU-Hilfen oder strengere, unabhängige Kontrollen was mit den EU-Geldern passiert.
Ein gefährlicher und so vielseitig belastender US-Stellvertreter-Krieg
Ob die Lenker:innen der vielen seit Kriegsbeginn täglich durch die Wiener City fahrenden — neuen — Luxus-Autos mit Ukraine-Kennzeichen wie vorzugsweise Porsche Cayenne (Neupreis : 190.000 Euro), Mercedes AMG 63s (260.000), Bentley Bentayaga (330.000) oder der ebenso selbst gesehene Maybach Landaulet (750.000 Euro ) einen Teil der EU-Gelder bei uns anlegen oder einfach nur außer Landes in Sicherheit bringen, muss eine Mutmaßung bleiben.
Ich wollte und will diesen gefährlichen und so vielseitig belastenden US-Stellvertreter-Krieg nicht ! Aus meiner Sicht hatte die EU auch nie die Legitimation diesen Krieg zu führen oder zu unterstützen. „Die EU zieht Europa ohne Zustimmung in den Krieg“, meinte kürzlich auch der Slowakische Premierminister Robert Fico, ein Sozialdemokrat übrigens. Fico weiter : „In der EU darf man keine andere Meinung haben, wenn man sagt kein Geld für Waffen, dann wird man sofort als schlecht abgestempelt“.
„Die gesamte Handhabung des Ukraine-Krieges hat nichts mehr mit Demokratie zu tun“
Der Sozialdemokrat Fico stellte auch das EU-Verbot für russische Gas-Importe in Frage und kritisierte offen die Doppelmoral der EU-Politik in Sachen Energie : „Die Slowakei darf kein russisches Gas kaufen, während Russland weiterhin einer der größten Gas-Lieferanten für Länder wie Frankreich ist“. Sein finales Urteil : „Die gesamte Handhabung des Ukraine-Krieges hat nichts mehr mit Demokratie zu tun, abweichende Meinungen werden unterdrückt und alternative Ansichten als Verrat behandelt.“ Das politische System der EU sei „zutiefst dysfunktional“.
Dieses friedenspolitische und teilweise auch demokratiepolitische Versagen beeinflusst über die Themen Energie und Stimmung bzw. Unsicherheit in Unternehmen und Bevölkerung dann direkt die wirtschaftliche Entwicklung von EU und Österreich. Die massive Verteuerung von Energie mit den damit verbundenen Kostenbelastungen der Unternehmen löst quer durch alle Branchen teilweise massive Preiserhöhungen aus und treibt entsprechend auch die Inflation. Und das treibt wiederum die Lohnerhöhungen und verbundene Steuern als weitere betriebliche Kostenbelastung – und mündet dann spiraldynamisch in weitere Preis- und Inflationserhöhungen.
Europaweite Zunahme der Unternehmens-Insolvenzen in Verbindung mit Energiekosten
Die hier in den Jahren 2023 und 2024 beim Thema Lohnerhöhungen von den Gewerkschaften argumentierte Förderung von Kaufkraft und Inlandskonsum ist übrigens nicht eingetreten. Der Ukraine-Krieg drückt auf die Stimmung der Österreicher:innen und diese benötigen die Lohnerhöhungen selbst für die hohen Kosten insbesondere von Energie und Lebensmittel oder sie sparen das Geld lieber. Siehe dazu aktuelle Erhebungen etwa von der Österreichischen Nationalbank (economy berichtete).
Weiters sind die Energiekosten auch ein wirtschaftspolitischer Faktor für die hohe Steigerung der Unternehmens-Insolvenzen und damit zumindest teilweise verbunden auch für die Steigerung der Arbeitslosenzahlen. Aktuelle Studien belegen, dass 40 Prozent der österreichischen Betriebe die Energiekosten als existenzielle Bedrohung sehen. Auch in Deutschland, Frankreich, Griechenland, Holland oder Irland gibt es historische Rekordwerte bei den Unternehmens-Insolvenzen und auch hier spielen die Energiekosten eine dominante Rolle.
Wo sind vergleichbare Milliarden-Beträge für europäische Wirtschaftsprogramme ?!
Warum es vor diesem Hintergrund keine vergleichbaren Milliarden-Beträge für Wirtschaftsprogramme europäischer Unternehmen oder zum Aufbau einer eigenen Energie-Infrastruktur gibt und dafür dutzende Euro-Milliarden weiter in die Ukraine fließen ist mit Ausnahme von Unterstützungen für die direkt im Kriegsgebiet befindliche Ukrainische Bevölkerung völlig unverständlich und inakzeptabel. An die Österreichische Bundesregierung mit der Bitte um Weiterleitung : Ich will das nicht mehr !
Nächster Punkt in der eingangs angeführten Versagens-Liste der EU im wirtschaftspolitischen Bereich ist die technologische Abhängigkeit von einer Handvoll US-Konzernen. Wie hier vor ein paar Tagen im Text „Europa hängt an der US-Nadel“ umfassend erläutert, gibt es ein US-Monopol auf nahezu die komplette technische Infrastruktur und Kommunikation von Unternehmen sowie parallel das gleiche US-Monopol auf die private technische Infrastruktur und Kommunikation sämtlicher EU-Bürger und damit auch der Österreicher.
Die enorme US-Abhängigkeit bei technologischen Produkten
Als ob das nicht schon allein besorgniserregend genug ist, kann die US-Administration über bereits seit 2018 bestehende gesetzliche Regularien (US-Cloud-Act) über diese IT-Dienste und sämtliche damit verbundenen Daten bestimmen – und sie etwa auch einfach einsehen oder ganz abdrehen wie im Fall des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag/NL/Europa. Beim Thema KI droht nun die nächste europäische Abhängigkeit von den USA. Hier will, will die EU nun mehrere europäische KI-Factories schaffen. Aktuell können sich europäische Staaten mit Standorten dafür bewerben.
Lächerlich, weil bis der Zuschlag erfolgt und so eine Factory dann steht und voll in Funktion ist, vergehen von jetzt weg mindestens vier bis fünf Jahre. Und dann sind die US-KI-Companies schon wieder uneinholbar weit vorne. Auch dieses Beispiel zeigt, dass seitens der EU immer nur reagiert und nie proaktiv agiert wird. Gegen die technologische Abhängigkeit bei den betrieblichen IT-Diensten und Kommunikation gäbe es genug europäische Alternativen, die EU könnte leicht einen länderübergreifenden Schulterschluss unterstützen. Das Beispiel Airbus zeigt, das so etwas erfolgreich sein kann.
Die monopolartige Dominanz einer Handvoll US-Companies
Die Abhängigkeit bei den technologischen Produkten und Diensten hat mittlerweile aber auch enorme gesellschafts- und vor allem demokratiepolitische Auswirkungen. Die monopolartige Dominanz von US-Companies wie Google oder Meta (Facebook und Instagram) bzw. Apple und wieder Google bei den App-Stores hatte und hat eine massive Veränderung bei den werblichen Auftritten von Unternehmen sowie Institutionen und Behörden zur Folge.
Über die gesamte EU verteilt gehen von den Werbebudgets mittlerweile zwei Drittel in Digital-Werbeformate von US-Konzenen – und nur mehr ein Drittel in die klassische Werbung nationaler Medien. In Deutschland sollen es aktuell bereits 50 Prozent sein, die an Google, Meta & Co. gehen. Im Bereich der mobilen App-Werbung sind es aktuell fast 90 Prozent (!). Zusammen machen allein die digitalen US-Imperialisten Google und Meta rd. 140 Milliarden Euro Umsatz in Europa, für ALLE europäischen Medienhäuser werden 123 Milliarden Euro ausgewiesen (2024).
Telematische Maschinerien als Störelement gegen eigenständiges Denken und Lernen
Das bisherige Geschäftsmodell von klassischen Medien wie Zeitungen und Magazinen oder TV und Radio erodiert immer schneller. Diese klassischen Medien sind aber gemeinsam mit Büchern eine tragende Säule einer Demokratie. Unabhängige Information, Diskurs, Kontrolle und Bildung sind ihre zentralen Funktionen bzw. Aufgaben. Das adressiert Menschen jeden Alters und insbesondere die Jugend. Hier gibt es dann auch einen sozial- wie gesundheitspolitischen Aspekt. China-Apps wie TikTok haben hohes Suchtpotential und das könnte sogar beabsichtigt sein. Ebenso, dass es bei allen Social-Media Apps keine Einsicht in die zugrunde liegenden Algorithmen gibt.
Im Kontext mit dem Verbot von „Social Media“ in Australien für unter 16-jährige und dem „Smart-Phone-Verbot“ an Österreichs Schulen schreibt der renommierte Kulturwissenschafter Wolfgang Müller-Funk in einem klasse Kommentar im Standard : „Ganz offenkundig sind telematische Maschinerien auch ein Störelement, das eigenständiges Denken, Konzentration und Lernen behindert“. Und : „Es macht einen Unterschied, ob ich Passagen aus digitalen Apps kopiere oder ob ich imstande bin, durch intensive Lektüre Verständnis und Sprache für jene Welt zu entwickeln, in der ich lebe“. Vollinhaltliche Zustimmung auch als Vater zweier schulpflichtiger Teenis.
Final geht es um die Demokratie und die Bildung der nächsten Generationen
Final geht es also um die Demokratie und um die Bildung insbesondere der nächsten Generationen werte EU. So nebenbei geht es auch um rund acht Millionen Arbeitsplätze in der europäischen Medien- und Kreativwirtschaft, davon rund 900.000 Journalist:innen (rund 6.000 in Österreich). Die ersten Internet-Medien in Europa starteten 1995, etwa der von mir damals mitgegründete und kommerziell verantwortete derStandard.at. Google gibt es in Europa seit 2001, Facebook seit 2008.
Spätestens ab 2008 beginnen dann umfangreiche Umverteilungen (Rubrikgeschäft, Kleinanzeigen) in Richtung der US-Digitalmedien. Der Ordnung halber sei erwähnt, dass viele europäische und österreichische Medienhäuser nicht nur „geschlafen“ haben, sondern den US-Digitalisten bereitwillig eine Plattform in den eigenen Medien boten. Eine Ausnahme war und ist hier der Deutsche Axel Springer Verlag mit seinem Boss Matthias Döpfner, der früh und nachhaltig erfolgreich neue Internet-Geschäftsmodelle erschloss.
Keine unternehmerische Antwort und keine wirtschaftspolitische Antwort
Seit bald 20 Jahren also „schießen“ die digitalen US-Imperialisten Europas Medien sturmreif, um im aktuellen Kriegs-Jargon zu bleiben. Es gab und gibt aus Europa keine unternehmerische Antwort in Richtung einer adäquaten Suchmaschine oder einer adäquaten Social Media Plattform. Es gibt auch seitens der EU keine Initiative in diese Richtung, obwohl es schon seit Jahren dringenden wirtschafts- und gesellschafts- und demokratiepolitischen Handlungsbedarf gibt.
Was es gibt, sind gesetzliche Regularien Europas wie DSGVO oder Digital Service Act — und laufende Verstöße dagegen seitens der Amerikaner. Damit sind wir beim letzten Fehlverhalten der EU — und gemeinsam mit den weiteren 90 Milliarden an EU-Unterstützung für die Ukraine beim finalen Auslöser für diesen Kommentar : Rechtsstaatliches Versagen und die Causa Armin Wolf. Armin Wolf ist zwar ein bekannter Journalist und Anchor der Nachrichtensendung ZIB2 beim ORF, in diesem Fall aber Privatperson, ein normaler Bürger des Staates und EU-Mitgliedslandes Österreich.
Ein Bürger und eine rechtsstattliche Institution laufen gegen die Wand
Ein auf der Plattform X (ehem. Twitter) anonym auftretender Nutzer (Pseudonym Edwin Raithoffer) veröffentlichte mehrere Jahre (!) lang persönlich beleidigende, verleumderische und rufschädigende Beiträge gegen Armin Wolf. Wolf meldete diese Beiträge mehrmals an X, wo die Postings aber trotz wiederholter Beschwerden nicht gelöscht werden.
Auch die Identität des anonymen Nutzers wird nicht herausgegeben, um rechtliche Schritte gegen diesen einzuleiten. Das ändert sich auch nicht nach entsprechenden Anträgen des Straflandesgerichts Wien. Die mit der Europaniederlassung in Irland ansässige Plattform X verweist lediglich darauf, dass innerhalb der EU keine Nutzerdaten gespeichert werden — und auf bereits gescheiterte Rechtshilfeverfahren in Irland wie in den USA.
Strafrechtlich relevante Behinderung eines Straftäters und die geballte Macht der US-Konzerne
Da die Verfolgung des anonymen Trolls somit nicht möglich war, hat Armin Wolf nun mit seiner kundigen Anwältin Maria Windhager die Plattform X bei der Staatsanwaltschaft Wien wegen Verdacht auf „Begünstigung“ angezeigt. Der strafrechtliche Vorwurf (§ 299 StGB) ist, dass X durch sein Verhalten (Nicht-Löschung und ‑Datenherausgabe) die Strafverfolgung eines möglichen Straftäters behindert – und ihn damit indirekt schützt.
Im EU-Land Irland hat nicht nur X seinen Europasitz, sondern auch so gut wie alle anderen großen US-Digital- und IT-Konzerne : von Airbnb, Amazon/Amazon Web Services, Apple, Cisco und ebay über Google, IBM, LinkedIn, Meta, Microsoft und Netflix bis hin zu Oracle, PayPal, Salesforce und Zoom. Eine derartige Marktmacht bringt sicher gewisse Vorteile, etwa bei günstigeren Steuern (aktuell offiziell 12,5 Prozent Körperschaftssteuer, nach jahrelangen Vorwürfen von noch günstigeren Steuerdeals) – und allem Anschein nach auch Vorteile bei Rechtssachen.
Diese EU hat absolut dringenden Handlungsbedarf
Laut EU-Ombudsstelle hat Irland hat über seine Datenschutzbehörde DPC eine „special role“ bei grenzüberschreitenden DGSVO-Verfahren. Als praktische Folge laufen viele der großen DSGVO-Verfahren gegen US-Plattformen prozessual über Irlands DPC — mit Abstimmung im EU-Kreis der Behörden und ggf. Streitbeilegung auf Ebene des EDPB (European Data Protection Board). Final bleibt über, dass ein Bürger und eine rechtsstaatliche Institution eines EU-Mitgliedslandes gesetzlich verbrieftes nationales wie EU-Recht nicht durchsetzen kann – oder besser vielleicht, darf.
Von hinten nach vorne nun : Rechtsstaatliches Versagen, demokratiepolitisches Versagen, wirtschaftspolitisches Versagen – und als Spange insbesondere das friedenspolitische Versagen. Diese EU hat dringenden Handlungsbedarf und damit haben auch ihre Mitgliedsstaaten dringenden Handlungsbedarf. Und abschließend auch nochmal : das ist keine „rechte“, „linke“, parteipolitische oder sonstige ideologische Sichtweise, sondern die eines existenziell verantwortlichen Familienvaters und Kleinunternehmers im EU-Land Österreich. (Christian Czaak)