Zum Inhalt
© NLK Pfeiffer

„Ich wollte unbe­dingt wie­der arbeiten“

Nie­der­ös­ter­reich star­tet mit EU-Unter­stüt­zung neues Pro­jekt für Lang­zeit­ar­beits­lose. Par­al­lel wird erfolg­rei­che Lehr­lings­of­fen­sive gegen Fach­kräf­te­man­gel fort­ge­setzt. AMS beschei­nigt dem Land für 2021 nied­rigste Jugend­ar­beits­lo­sig­keit seit Beginn der Aufzeichnungen.

Aktu­elle Erhe­bun­gen zei­gen, dass das Land Nie­der­ös­ter­reich bes­ser durch die Kri­sen­jahre gekom­men ist als andere Regio­nen. Die Arbeits­lo­sen­zah­len lie­gen aktu­ell rund neun Pro­zent unter dem Wert des Vor­kri­sen­ni­veaus. Letz­ten Dezem­ber hatte Öster­reichs größ­tes Bun­des­land sogar die beste Arbeits­lo­sen­quote der letz­ten zwan­zig Jahre. Um nun auch für mög­lichst viele der der­zeit 10.570 gemel­de­ten Lang­zeit­ar­beits­lo­sen eine Arbeit zu fin­den, initi­iert Nie­der­ös­ter­reich das neue Pro­jekt „Job.ReAct“ und sichert sich dafür drei Mil­lio­nen Euro aus dem euro­päi­schen För­der­pro­gramm „REACT-EU“.

Par­al­lele Unter­stüt­zung von Betrie­ben bei Suche von Personal
„Nie­der­ös­ter­reich hat die­ses Pro­jekt ent­wi­ckelt, um Men­schen aus der Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit zu hel­fen. Job.ReAct rich­tet sich pri­mär an Men­schen, die durch die Pan­de­mie lang­zeit­ar­beits­los gewor­den sind oder das bereits vor­her waren und wäh­rend der ver­gan­ge­nen zwei Jahre kei­nen Arbeits­platz fin­den konn­ten“, erläu­tert Johanna Mikl-Leit­ner, Lan­des­haupt­frau von Nie­der­ös­ter­reich. Heuer ste­hen nun 110 Arbeits­plätze zur Ver­fü­gung, die über­wie­gend in Berei­chen des nach­hal­ti­gen, öko­lo­gi­schen Wirt­schaf­tens ange­sie­delt sind. 

Mit die­ser För­de­rung finan­ziert die EU nun erst­mals ein Arbeits­markt­pro­jekt in Nie­der­ös­ter­reich zu 100 Pro­zent. „Der ESF för­dert hier die Lohn- und Lohn­ne­ben­kos­ten, der Betrieb muss bei Voll­zeit­an­stel­lung ledig­lich eine Pau­schale von 400 Euro bei einer Voll­zeit­an­stel­lung auf­wen­den. Durch das Pro­jekt bin­den wir arbeits­lose Men­schen wie­der in den Arbeits­pro­zess ein und par­al­lel unter­stüt­zen wir Betriebe bei der Suche von Per­so­nal“, erklärt Mar­tin Eicht­in­ger, Lan­des­rat für den Arbeits­markt in Nie­der­ös­ter­reich. Rund 100 Per­so­nen befin­den sich gerade in Erstgesprächen.

Sozi­al­päd­ago­gi­sche Unter­stüt­zung und Vermittlungshilfe
Ulrich Bern­hard Künt­zel aus dem Wald­vier­tel ver­lor sei­nen Arbeits­platz im Jahre 2018 auf Grund eines Per­so­nal­ab­baus sei­ner Firma. Am 10. Jän­ner des heu­ri­gen Jah­res hatte er nun sei­nen ers­ten Arbeits­tag bei dem Unter­neh­men eKUT, das sich auf Ener­gie­be­ra­tung spe­zia­li­siert hat. „Für mich war Job.ReAct die Chance, nach lan­ger Zeit wie­der in einem sinn­erfül­len­den Job fuß­zu­fas­sen“, erzählt Künt­zel. Die Corona-Krise erschwerte die Situa­tion beträcht­lich und so rutschte der stu­dierte Bio­loge und Ener­gie­be­ra­ter in die Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit. „Ich habe mich in mei­ner Gemeinde ehren­amt­lich enga­giert. Das hat mir Kraft gege­ben, aber ich wollte unbe­dingt wie­der arbei­ten“, schil­dert der Waldviertler. 

Bei „Job.ReAct“ kann er nun in Waid­ho­fen an der Thaya seine Exper­tise im Ener­gie­be­reich ein­brin­gen. „Ich freue mich, dass mir die­ses Job­pro­jekt ermög­licht, in der Bran­che zu arbei­ten, die mich so viele Jahre mei­nes Lebens beglei­tet hat“, so Künt­zel. „Die Bera­tung und Unter­stüt­zung von MAG (Anm. „Men­schen und Arbeit GmbH“) hat mir dabei sehr gehol­fen, wie­der Hoff­nung zu schöp­fen und eine neue Her­aus­for­de­rung anzu­pa­cken“, unter­streicht der stu­dierte Bio­loge. „Neben der inten­si­ven Arbeits­platz­ver­mitt­lung erhal­ten alle Per­so­nen auch sozi­al­päd­ago­gi­sche Unter­stüt­zung“, ergänzt Mar­tin Etlin­ger, Geschäfts­füh­rer des MAG. Die Ver­mitt­lung an die MAG erfolgt durch das Arbeits­markt­ser­vice Nie­der­ös­ter­reich (AMS NÖ). 

6.200 Jugend­li­che pro­fi­tier­ten von Nie­der­ös­ter­rei­chi­scher Lehrlingsoffensive
Ein wei­te­rer Schwer­punkt der Stra­te­gie des Lan­des Nie­der­ös­ter­reich betrifft das Thema Lehr­linge. Vor mehr als drei Jah­ren star­tete eine umfas­sende Lehr­lings­of­fen­sive gemein­sam mit dem Arbeits­markt­ser­vice Nie­der­ös­ter­reich, um Jugend­li­chen eine zukunfts­ori­en­tierte Aus­bil­dung zu bie­ten und dabei auch dem stei­gen­den Fach­kräf­te­man­gel pro­ak­tiv ent­ge­gen­zu­wir­ken. Das Land stellt dafür nun auch heuer wie­der 54 Mil­lio­nen Euro zur Verfügung.

„Allein im Vor­jahr pro­fi­tier­ten rund 6.200 Jugend­li­che. Seit Beginn wur­den bereits 20.000 junge Men­schen unter­stützt. Es ist uns gelun­gen ein ziel­ge­rich­te­tes Instru­ment zu eta­blie­ren, um diese jun­gen Men­schen auf ihrem Weg in die Arbeits­welt zu unter­stüt­zen“, erläu­tert NÖ-Lan­des­chefin Johanna Mikl-Leit­ner. „Im Dezem­ber 2021 waren um minus 15 Pro­zent weni­ger Arbeits­lose unter 25 Jah­ren als im Vor­kri­sen­jahr Dezem­ber 2019 zu ver­zeich­nen, gegen­über 2020 waren es sogar minus 26,2 Pro­zent“, betont auch Lan­des­rat Mar­tin Eicht­in­ger die posi­tive gesell­schafts­po­li­ti­sche Auswirkung. 

Nied­rigste Jugend­ar­beits­lo­sig­keit in NÖ seit Beginn der Aufzeichnungen
Mit den Schwer­punk­ten Jugend­bil­dungs­zen­tren, Über­be­trieb­li­che Lehr­aus­bil­dung und Just2Job umfasst die NÖ Lehr­lings­of­fen­sive drei kon­krete Maß­nah­men­be­rei­che. Der Ein­stieg in zukunfts­ori­en­tierte Aus­bil­dungs­pro­gramme wird allen im Land leben­den Job- und Lehr­stel­len­su­chen­den bis 25 Jahre ermög­licht. „Die NÖ-Jugend­ar­beits­lo­sen­quote von 5,6 Pro­zent im Jahr 2021 ist der nied­rigste Wert, seit es Auf­zeich­nun­gen dazu gibt. Die Lehr­lings­of­fen­sive ist auch ein wich­ti­ges Ange­bot für die hei­mi­sche Wirt­schaft. Wir sor­gen heute für die drin­gend gebrauch­ten Fach­kräfte von mor­gen“, unter­streicht Sven Her­go­vich, Geschäfts­füh­rer vom Arbeits­markt­ser­vice NÖ.

Für Jugend­li­che, die trotz Bemü­hun­gen keine betrieb­li­che Lehr­stelle fin­den konn­ten, gibt es auch die Über­be­trieb­li­che Lehr­aus­bil­dung (Anm. bereits seit 2009). Diese Unter­stüt­zung nutz­ten letz­tes Jahr rund 2.000 Per­so­nen. Die ver­kürzte Lehr­aus­bil­dung wie­derum erfolgt für einen kon­kre­ten Arbeits­platz direkt im Betrieb. Beruf­li­che Vor­er­fah­rung müs­sen die jun­gen Teil­neh­me­rIn­nen hier nicht mehr unbe­dingt mit­brin­gen. Ziel ist der Abschluss in hal­ber Lehr­zeit und die Beschäf­ti­gung als Fach­kraft. In Summe ste­hen bis Ende 2024 öster­reich­weit 1.000 Stif­tungs­plätze zur Ver­fü­gung, davon 131 für NÖ, wo die Ein­tritte bis Ende 2022 mög­lich sind. 

Autor: red/czaak
31.01.2022

Weitere aktuelle Artikel

94 Pro­zent der Jugend­li­chen nut­zen KI-Chat­bots. Sie die­nen als Werk­zeug, als Rat­ge­ber und zuneh­mend auch als per­sön­li­che Bezugs­per­son. Auch hier begrü­ßen Jugend­li­che Alters­gren­zen, so eine Stu­die von Safer­inter­net anläss­lich des 23. Safer Inter­net Day. Anläss­lich des 23. inter­na­tio­na­len Safer Inter­net Day am 10. Februar 2026 prä­sen­tiert Safer­inter­net die aktu­elle Stu­die „KI-Chat­bots als All­tags­be­glei­ter für Jugend­li­che“. Die zen­trale Erkennt­nis : […]
Aktu­el­ler Jugend-Inter­net-Moni­tor zeigt deut­li­chen Rück­gang der Social-Media-Nut­zung. Whats­App vor You­Tube vor Snap­chat vor Tik­Tok vor Insta­gram vor Pin­te­rest. Inter­es­sante Ergeb­nisse auch bei Spiele-Patt­for­men und Strea­ming­diens­ten. KI-Nut­zung steigt. Das Pen­del schlägt (end­lich) in die andere Rich­tung aus. Wel­che sozia­len Netz­werke nut­zen Jugend­li­che in Öster­reich und gibt es Unter­schiede zwi­schen Mäd­chen und Jungs ? Der Jugend-Inter­net-Moni­tor der EU-Initia­tive […]
Aku­tes Nie­ren­ver­sa­gen ver­hin­dert lebens­wich­tige Ent­gif­tung des Kör­pers. Ärzte der Med-Uni Inns­bruck ent­wi­ckeln für Nie­ren­er­satz­the­ra­pie neues extra­kor­po­ra­les Blut­rei­ni­gungs­ver­fah­ren gegen gefähr­li­che Übersäuerung. Die Niere ist ein lebens­wich­ti­ges Organ, das für die Ent­gif­tung von Stoff­wech­sel­pro­duk­ten und die Auf­recht­erhal­tung des Säure-Basen Haus­hal­tes ver­ant­wort­lich ist. Bei einem aku­ten Nie­ren­ver­sa­gen pas­siert (auch) eine schäd­li­che Über­säue­rung des Kör­pers. Die Behand­lung erfolgt dann mit­tels einer […]
Ein 16-jäh­ri­ges Mäd­chen stirbt in einem Hotel­zim­mer an einer Über­do­sis. Die Jugend­li­che war in Betreu­ung der Wie­ner Kin­der- und Jugend­hilfe. Sucht­krank­hei­ten und Dro­gen­miss­brauch betref­fen immer mehr jün­gere Men­schen. Par­al­lel gibt es von der Stadt Wien mas­sive Ein­spa­run­gen bei Ein­rich­tun­gen zur Sucht­hilfe. Eine kom­men­tie­rende Erör­te­rung mit Anstoß zu einer Debatte über medi­zi­ni­sche Zwangs­maß­nah­men von Chris­tian Czaak. Wenn […]
Das Kon­text-Insti­tut ana­ly­sierte die Aus­wir­kun­gen von Kreis­lauf­wirt­schaft auf eine nach­hal­tige Moder­ni­sie­rung der Indus­trie. Rich­tige Trans­for­ma­tion ent­schei­det über Res­sour­cen­scho­nung und neue Wertschöpfung. Teile von Öster­reichs Indus­trie ste­hen schon län­ger unter wirt­schaft­li­chem Druck. In die­sem Kon­text hat sich nun das Kon­text-Insti­tut zur Unter­su­chung und Behand­lung von Kli­ma­fra­gen das Thema Kreis­lauf­wirt­schaft genauer ange­schaut und am Bei­spiel ener­gie­in­ten­si­ver Bran­chen wie […]
magnifier
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram