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© Eva Melnik_AIT Johannes Zinner

Inno­va­tion in Krebsbehandlung

AIT ent­wi­ckelt neu­ar­tige Bio­sen­so­ren für prä­zi­sere Dia­gnos­tik von Blut­pro­ben. Gegen­über bis­he­ri­gen Ver­fah­ren soll neue Vari­ante zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen für medi­zi­ni­sche Beur­tei­lung brin­gen und weni­ger res­sour­cen­in­ten­siv sein. 

Die soge­nannte „Liquid Bio­psy“ gilt in der moder­nen Medi­zin als gro­ßer Fort­schritt. Diese Form der Unter­su­chung kann Gewe­be­ana­ly­sen ergän­zen und zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen für die medi­zi­ni­sche Beur­tei­lung sowie wert­volle Rück­schlüsse für die Dia­gnose und Behand­lung von Krank­hei­ten lie­fern. Ope­ra­tiv wer­den bestimmte Bio­mo­le­küle (Nukle­in­säu­ren wie DNA oder RNA) auf nicht­in­va­sive Weise – also ohne belas­ten­den Ein­griff in den Kör­per – in Blut oder ande­ren Kör­per­flüs­sig­kei­ten nachgewiesen. 

Euro­päi­sches Kon­sor­tium mit Exper­tise in Dia­gnos­tik, Mate­ria­lien und Krebsforschung

Bei bestimm­ten For­men von Brust­krebs kön­nen etwa Muta­tio­nen in bestimm­ten Genen (Anm. PIK3CA-Gen) the­ra­peu­tisch rele­vant sein, die sich auch anhand zir­ku­lie­ren­der Tumor-DNA im Blut unter­su­chen las­sen. Die hier ein­ge­setz­ten Ana­ly­se­ver­fah­ren müs­sen beson­ders emp­find­lich sein, da die gesuch­ten DNA-Ver­än­de­run­gen oft nur in sehr gerin­gen Men­gen vor­lie­gen. Das ist mit moder­nen Labor­me­tho­den, ins­be­son­dere mit PCR-Ver­fah­ren, mög­lich. Diese ana­ly­ti­schen Ver­fah­ren sind aller­dings res­sour­cen­in­ten­siv und ver­ur­sa­chen einen erheb­li­chen Ver­brauch an Mate­rial, was die Test­fre­quenz und den Zugang in der Rou­tin­ever­sor­gung begrenzt.

Das aktu­elle EU-Pro­jekt „Smart­Sens“ (Advan­ced Mate­ri­als for Sus­tainable Nucleic Acid Bio­sens­ing) nimmt sich nun die­sen Her­aus­for­de­run­gen an. Unter der Lei­tung des Aus­trian Insti­tute of Tech­no­logy (AIT) for­schen Part­ner aus Öster­reich, Tsche­chien, Finn­land, der Tür­kei und Polen an einem fle­xi­blen, sieb­druck­ba­sier­ten Bio­sen­sor­sys­tem zum Nach­weis von Nukle­in­säu­ren in Blut­pro­ben. Im Pro­jekt­kon­sor­tium sind Kom­pe­ten­zen aus Mole­ku­lar­dia­gnos­tik, Bio­sen­so­rik, Mate­ri­al­wis­sen­schaft, gedruck­ter Elek­tro­nik und kli­ni­scher Krebs­for­schung gebün­delt. Das Pro­jekt ist Anfang Juni gestar­tet, läuft über drei Jahre und ver­fügt über ein Gesamt­bud­get von 1,3 Mil­lio­nen Euro.

Neue Mate­ria­lien für Bio­sen­so­rik, Mikro­flui­dik und DNA-Analyse

Kon­kret zielt Smart­Sens auf die Ent­wick­lung eines Sen­sor­sys­tems ab, das den Nach­weis die­ser PIK3CA-Muta­tio­nen im Zusam­men­hang mit Brust­krebs tech­nisch wei­ter­führt und zugleich neue Ansätze für res­sour­cen­scho­nende dia­gnos­ti­sche Platt­for­men eröff­net. Smart­Sens setzt an der Schnitt­stelle zwi­schen mole­ku­la­rer Prä­zi­sion, Mate­ri­al­ent­wick­lung, anwen­dungs­ori­en­tier­ter Bio­sen­so­rik und poten­zi­ell ska­lier­ba­ren Her­stel­lungs­ver­fah­ren an. 

Auf­bau­end auf einem elek­tro­che­mi­schen Assay wer­den dabei zen­trale Kom­po­nen­ten für die DNA-Ana­lyse wei­ter­ent­wi­ckelt. Dazu zäh­len bio­po­ly­mer­ba­sierte Mate­ria­lien für mikro­flui­di­sche Struk­tu­ren, Cel­lu­lose-basierte Werk­stoffe zur DNA-Auf­rei­ni­gung, neu­ar­tige Kup­fer­ma­te­ria­lien für gedruckte Elek­tro­nik sowie nicht-enzy­ma­ti­sche und mar­kie­rungs­freie Ver­fah­ren zur DNA-Detektion.

Tech­no­lo­gi­sche Grund­lage für wei­tere Anwendungen

„Smart­Sens ver­bin­det prä­zise mole­ku­lare Ana­ly­tik mit der Frage, wie dia­gnos­ti­sche Tech­no­lo­gien mate­ri­al­sei­tig effi­zi­ent, funk­tio­nal und nach­hal­tig wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den kön­nen“, sagt Eva Mel­nik, Senior Sci­en­tist am Cen­ter for Health and Bio­re­sour­ces im AIT und Koor­di­na­to­rin des Pro­jekts. Smart­Sens adres­siert damit nicht nur eine kon­krete Her­aus­for­de­rung der mole­ku­la­ren Dia­gnos­tik, son­dern ver­knüpft sie mit einem brei­te­ren Ent­wick­lungs­pfad für Bio­sen­so­rik, Medi­zin­tech­nik und gedruckte Elektronik.

Über den kon­kre­ten Anwen­dungs­fall in der Brust­krebs­for­schung hin­aus kön­nen die ent­wi­ckel­ten tech­no­lo­gi­schen Bau­steine für die Nukle­in­säure-Bio­sen­so­rik auch für wei­tere Berei­che der Mole­ku­lar­dia­gnos­tik rele­vant wer­den. Ein Bei­spiel dafür ist das Pro­jekt „FlexDNA“ (Advan­ced mate­ri­als for sus­tainable fle­xi­ble elec­tro­nics for On-Chip PCR), das im Sep­tem­ber offi­zi­ell star­tet und von der Öster­rei­chi­schen For­schungs­för­de­rungs­ge­sell­schaft (FFG) unter­stützt wird. In dem Pro­jekt mit einer Lauf­zeit von drei Jah­ren koope­rie­ren ebenso unter Lei­tung des AIT Part­ner aus Öster­reich und Tsche­chien. Das Gesamt­bud­get liegt bei 1,77 Mio. Euro.

Häu­fi­gere und bes­sere Über­wa­chung von Leukämie

Im Zen­trum von FlexDNA steht der Nach­weis von RNA-Mole­kü­len im Blut für die Dia­gnose, Risi­koklas­si­fi­zie­rung und mole­ku­lare Über­wa­chung bei aku­ter lym­phob­las­ti­scher Leuk­ämie (ALL) und chro­ni­scher mye­loi­scher Leuk­ämie (CML). Damit las­sen sich Behand­lungs­ziele defi­nie­ren, die The­ra­pie anpas­sen und Rück­fälle früh­zei­tig erken­nen. Im Pro­jekt wird ein ther­mo­kon­vek­ti­ons­ge­steu­er­ter, fle­xi­bler PCR-Chip ent­wi­ckelt, der die mole­ku­lare Leuk­ämie-Über­wa­chung effi­zi­en­ter, res­sour­cen­scho­nen­der und brei­ter zugäng­lich zu macht. 

Dabei wer­den elek­tro­che­mi­sche Nach­weis­ver­fah­ren mit öko­lo­gisch kon­zi­pier­ten elek­tro­ni­schen Kom­po­nen­ten, neu­ar­ti­gen Mate­ria­lien und ener­gie­ef­fi­zi­en­ter Elek­tro­nik kom­bi­niert. „Das Ziel ist eine minia­tu­ri­sierte, abfall­arme und dezen­trale Lösung, die häu­fi­gere Tes­tun­gen, einen brei­te­ren Zugang zu Prä­zi­si­ons­be­hand­lun­gen außer­halb spe­zia­li­sier­ter Refe­renz­la­bors, eine früh­zei­ti­gere Erken­nung mole­ku­la­rer Rück­fälle und damit frü­here und häu­fi­gere PCR-gestützte The­ra­pie­ent­schei­dun­gen ermög­lich“, so das AIT in einer Aussendung

Autor: red/cc
26.06.2026

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