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Inno­va­tion mit Führungsanspruch

Ers­ter Abon­nen­ten-Club, die Ori­gi­nal-Band aus „Tita­nic“, Blauer Stan­dard, 2000 Han­dys oder etat.at. Vor­bild­li­che Inno­va­tion bleibt auch in zwei­ten Teil der Jubi­lä­ums­ge­schich­ten das bestim­mende Thema.

Der erste Teil der Geschich­ten rund um meine heu­ri­gen Jubi­läen 35 Jahre Medi­en­ge­schäft und 25 Jahre selb­stän­di­ges Unter­neh­mer­tum als Ver­le­ger endete 1995 mit der erfolg­rei­chen Grün­dungs­phase von derStandard.at. Der zweite Teil beginnt nun sozu­sa­gen mit den ent­spre­chen­den Aus­wir­kun­gen davon. Im Rah­men der Pro­jekt­lei­tung für die kom­mer­zi­elle Eta­blie­rung des neuen Inter­net-Stan­dards ent­ste­hen wei­tere Initia­ti­ven, wo neben der Gene­rie­rung von Anzei­gen­wer­be­gel­dern immer öfter auch ein Mar­ke­ting­auf­trag ent­hal­ten war.

Mar­ke­ting im dop­pel-dop­pel­ten Sinn
Mar­ke­ting im Sinne von Pflege und Aus­bau der Image­kom­po­nente als Qua­li­täts­pro­dukt und Mar­ke­ting auch im dop­pel-dop­pelt ver­trieb­li­chen Sinne für Leser und Anzei­gen­kun­den sowie für die gedruckte Zei­tung und das neue Inter­net-Medium. Erwäh­nens­wert in die­sem Kon­text das Pro­jekt Cyber­school als ers­ter öster­rei­chi­scher Inter­net-Schul­wett­be­werb, wo in Zusam­men­ar­beit mit Bil­dungs­mi­nis­te­rium (noch mit Eli­sa­beth Geh­rer) und Wer­be­spon­so­ren Schu­len Inter­net-Pro­jekte mit und für Unter­neh­men erstel­len und diese dann bei öster­reich­wei­ten Ver­an­stal­tun­gen zur Prä­mie­rung präsentieren.

Inter­net­schul­wett­be­werb Cyber­school und Unter­neh­mer­be­werb at.award
Ideal zur Anspra­che aktu­el­ler User wie zukünf­ti­ger Abon­nen­ten und ideal, um als eher ost-wien-las­ti­ges Medium auch in den Bun­des­län­dern Flagge zu zei­gen. Part­ner waren jeweils wich­tige lokale Insti­tu­tio­nen wie WK und IV sowie Unis und FHs als Ver­an­stal­tungs­orte. Pro Jahr neh­men an die 3.000 Schü­le­rIn­nen am Pro­jekt teil. Nahezu par­al­lel dazu pas­siert mit dem soge­nann­ten at.award der erste Öster­rei­chi­sche Inter­net­wett­be­werb für Unter­neh­men. Hin­ter­ge­danke dabei, neben der inno­va­ti­ven Image­pflege : Unter­neh­men sol­len ihre neue Inter­net­prä­senz am bes­ten gleich cross­me­dial über Stan­dard und Inter­net-Stan­dard bewer­ben. ORF ON mit Franz Manola gewinnt den ers­ten Bewerb. Pro Jahr betei­li­gen sich an die 150 Unter­neh­men und viele wer­den zu Anzei­gen­kun­den von Zei­tung und Internet-Ausgabe.

Struk­tu­relle Ver­än­de­run­gen nach Rück­zug des Axel Sprin­ger Verlages
Als es dann 1996 zu struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen auf der Ver­lags­ebene mit einem Wech­sel in der Geschäfts­füh­rung kommt und der von der NÖN kom­mende Hans Peter Schmidt­bauer die Geschäfts­füh­rung von Oscar Bron­ner über­nimmt, pas­siert das auch eine Etage drun­ter (Hin­ter­gründe im Kon­text Rück­zug Axel Sprin­ger Ver­lag als Mit­ei­gen­tü­mer und Druck Bank Aus­tria siehe Bron­ner-Bio­gra­fie „Trotz­dem“). Peter All­mayer-Beck, ehe­ma­li­ger Anzei­gen­chef beim Trend, wird neuer Anzei­gen­lei­ter und ich wechsle in die Lei­tung von Mar­ke­ting und Wer­bung. Obwohl die Ver­än­de­rung durch die nun weg­fal­len­den Anzei­gen­pro­vi­sio­nen mit umfang­rei­che­ren Ein­kom­mens­ver­lus­ten ver­bun­den ist, freue ich mich auf neue The­men wie etwa Wer­bung und auf neue Herausforderungen.

Der ein­zige Mar­ke­ting­lei­ter, der sich sein Bud­get im Markt auf­stel­len muss
Die begin­nen dann auch gleich mit Beset­zung und Struk­tu­rie­rung eines rein weib­li­chen Teams und ins­be­son­dere mit der Eröff­nung der Geschäfts­füh­rung, dass es auf Grund der aktu­ell ange­spann­ten Situa­tion eigent­lich kein Mar­ke­ting­bud­get gäbe und ich mir doch bitte schön über meine guten Anzei­gen­kon­takte die eigent­lich vor­ge­se­hen gewe­se­nen Beträge selbst akqui­rie­ren möge (umge­rech­net rd. 2,5 Mio Euro). Auf der Basis handle ich mir dann doch wie­der eine (vglw. kleine) erfolgs­ab­hän­gige Pro­vi­si­ons­re­ge­lung aus — und werde sodann zum wahr­schein­lich ein­zi­gen Mar­ke­ting­lei­ter auf der gan­zen Welt, der sich sein Bud­get vom Markt holen muss.

Ein image­star­kes Pro­dukt und der Club-der-Leser als ers­tes media­les CRM-Pro­jekt in Österreich
Aller­dings exis­tiert ein fei­nes, image­star­kes Pro­dukt mit begehr­ten Wer­be­flä­chen und damit las­sen sich dann tat­säch­lich eine ganze Reihe an erfolg­rei­chen (und ein­zeln legen­där) gewor­de­nen Mar­ke­ting­in­no­va­tio­nen umset­zen. Erwäh­nens­wert der soge­nannte CdL, der Club der Leser (nach Pro­test­brie­fen dann auch Club der Lese­rin­nen) als ers­tes kon­ti­nu­ier­li­ches CRM-Pro­jekt im Medi­en­be­reich. Für rund 40.000 Abon­nen­tIn­nen wird eine Club­karte pro­du­ziert und jeden Tag (!) erscheint in der Zei­tung eine Aus­wahl an neuen exklu­si­ven Ange­bo­ten im Bereich Kul­tur, Genuss, Reise & Co. 

Wett­be­werbs­recht­li­ches Neu­land und juris­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der Kro­nen Zeitung
Die­ses pro­dukt­viel­fäl­tige Pro­jekt war auch wett­be­werbs­recht­li­ches Neu­land und in Folge Aus­gangs­punkt für viele juris­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der Kro­nen Zei­tung, Stich­wort „Wer­be­bei­ga­ben“ und „Kauf­zwang“. Jedes kleinste Ver­säum­nis wurde per­sön­lich und gna­den­los vom dor­ti­gen Chef­ju­ris­ten auch mit sonn­tag­abend­li­chen Frist­set­zun­gen ver­folgt und das bescherte einem jun­gen Mar­keter in damals fri­scher Erin­ne­rung einer exis­tenz­be­droh­li­chen Krone-Klage gegen den „Fal­ter“ die eine oder andere schlaf­lose Nacht. Umge­kehrt kann man sagen, der Club der Lese­rIn­nen wird auch vom Mit­be­werb ernst genommen. 

Viele kleine Kul­tur­dienst­lei­ter und Tou­ris­tik­be­triebe wer­den zu regel­mä­ßi­gen Inserenten
Wir per­fek­tio­nier­ten die täg­li­chen Abo­bei­ga­ben auch juris­tisch und es kommt zu kei­nen nen­nens­wer­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen oder Stra­fen mehr. Dazu erhielt das eigene Jus-Stu­dium (berufs­be­dingt nicht abge­schlos­sen) einen ers­ten pra­xis­be­zo­ge­nen Schliff und final waren es wich­tige Erfah­rungs­werte, die mir spä­ter auch beim eige­nen Medium nüt­zen wer­den. Ver­trieb­lich ent­wi­ckelte sich der Club-der-Leser zu einem erfolg­rei­chen Kun­den­ge­win­nungs- und bin­dungs­in­stru­ment im Abo­be­reich und zudem wur­den viele kleine Kul­tur­dienst­lei­ter und Tou­ris­tik­be­triebe zu regel­mä­ßi­gen Inserenten.

Die heikle Mis­sion eine unab­hän­gige Redak­tion zu vermarkten
Ein wich­ti­ger und ebenso neu in der Print-Bran­che geschaf­fe­ner Bereich im Mar­ke­ting waren spe­zi­ell ent­wi­ckelte Ver­an­stal­tungs­for­mate und geld­brin­gende Semi­nar­rei­hen. Erwäh­nens­wert, auch wegen der heik­len Mis­sion eine für ihre unbe­dingte Unab­hän­gig­keit ste­hende Redak­tion zu „ver­mark­ten“, war die Reihe der soge­nann­ten Mon­tags-Gesprä­che im Haus der Musik. Mit Ger­fried Sperl als Chef­re­dak­teur und mei­ner dama­li­gen Event-Lei­te­rin wur­den in Koope­ra­tion mit Radio Wien gesell­schafts­po­li­ti­sche The­men mit dis­kurs­star­ken Exper­ten als Publi­kums- und CdL-Ver­an­stal­tun­gen kon­zi­piert sowie in Zei­tung und Radio gespie­gelt. Das For­mat war über­aus erfolg­reich, das Haus der Musik jedes Mal bumm­voll und auch meh­rere andere Medien berichteten. 

„Salo­nisti” aus Film „Tita­nic“ spie­len bei Standard-Filmpremiere
Ein ande­res erfolg­rei­ches und aber­mals neu erfun­de­nes Ver­an­stal­tungs­for­mat spe­zi­ell zur Bin­dung von Anzei­gen­kun­den und Wer­be­bran­che war eine Reihe an exklu­si­ven Kino-Pre­mie­ren. Nen­nens­wer­tes Meis­ter­stück neben zahl­rei­chen ande­ren gelun­gen Fil­me­vents war die exklu­sive Pre­view des Films „Tita­nic“. Dem lei­ten­den Kul­tur-Kon­tak­ter aus der Anzei­gen­ab­tei­lung und mei­ner Event-Lei­te­rin gelingt es die „Salo­nisti“ als ori­gi­na­les Band-Quin­tett aus dem Film zu enga­gie­ren und nach Wien zur Pre­mière zu holen. Noch Monate spä­ter berich­ten Anzei­gen-Kon­tak­ter, dass sie von Wer­be­kun­den immer noch auf die­sen Abend ange­spro­chen werden.

Die Über­set­zung von Inno­va­tion in Kon­zep­tion, Text und Creation
Was in der Auf­zäh­lung an inno­va­ti­ven Mar­ke­ting­pro­jek­ten noch fehlt, ist der Bereich Wer­bung. Das liegt daran, dass es mit der damals extern ver­ant­wort­li­chen Agen­tur von Tibor Barci einen excel­len­ten Wer­be­ex­per­ten gab, der Inno­va­tion in Kon­zep­tion, Text und Crea­tion über­setzte. Als ein groß­ar­ti­ges, weil in sei­ner sub­ti­len und trotz­dem ganz deut­li­chen Form per­fekt zum Stan­dard pas­sen­des Bei­spiel, sei ein für die eigene Zei­tung und Fach­me­dien kon­zi­pier­tes Anzei­gen­su­jet für einen ganz beson­de­ren Anlass ange­führt. Letzt­lich poli­tisch bedingt sollte dem Stan­dard 1996 in einer ohne­hin ange­spann­ten Phase die Pres­se­för­de­rung gestri­chen wer­den und da galt es gegenzusteuern. 

Mit Pres­se­för­de­rung und ohne Presseförderung
Barci kon­zi­piert ein dop­pel­sei­ti­ges Sujet, wo er ein ori­gi­na­les Sei­ten-Lay­out des Stan­dard abbil­det. In der soge­nann­ten Pagina als oberste Begren­zungs­li­nie steht hier neben Datum und Sei­ten­zahl immer, und so auch auf jeder der zwei Sujet-Sei­ten das Wort „Unab­hän­gige Tages­zei­tung“. Barci kreist das per Hand mit einem roten Filz­stift auf bei­den Sei­ten ein und schreibt ebenso per Hand und mit rotem Filz­stift über das eine ein­ge­kreiste Unab­hän­gige Tages­zei­tung „Mit Pres­se­för­de­rung“ – und über das zweite ein­ge­kreiste Unab­hän­gige Tages­zei­tung „Ohne Pres­se­för­de­rung“. Genial ! Die Pres­se­för­de­rung ver­liert der Stan­dard in die­sem Jahr trotz­dem. Grund­lage waren unter­schied­li­che Ansich­ten bzw. Aus­le­gun­gen der Berech­nun­gen über das für die För­de­rung rele­vante Ver­hält­nis zwi­schen redak­tio­nel­len Sei­ten­um­fän­gen und Anzeigenseitenumfängen. 

Der Mobil­fun­ker One und die Mut­ter aller Marketingkooperationen
Abschlie­ßend muss noch die (wahr­schein­lich sogar bran­chen­über­grei­fende) „Mut­ter“ aller Mar­ke­ting­ko­ope­ra­tio­nen ange­führt wer­den und das gilt de facto welt­weit. Die­ses Stan­dard-Pro­jekt war 1999 bereits für die Can­nes-Rolle (der Oscar in der Wer­be­bran­che) nomi­niert, als sich ein Juror dann doch noch erin­nern wollte, eine Art aus­tra­li­sche Bezirks­zei­tung (!) hätte bereits ein ähn­li­ches Kon­zept umge­setzt und aus war es mit der Can­nes-Rolle. Beim Pro­jekt geht um eine kom­plett in Blau ein­ge­färbte Stan­dard-Aus­gabe, das Fest zum 10-jäh­ri­gen Grün­dungs­ju­bi­läum Mitte Okto­ber 1998 und den zum glei­chen Zeit­punkt vor­ge­se­he­nen Markt­ein­tritt des Mobil­funk­un­ter­neh­mens „One“.

Geld und ein qua­li­ta­ti­ves Krea­tiv­kon­zept als Überzeugungsargumente
Die Initia­tive für eine beson­dere anlass­be­zo­gene Mar­ke­ting­ko­ope­ra­tion kam von den invol­vier­ten Wer­be­agen­tu­ren bei One über Anzei­gen­lei­ter Peter All­mayer-Beck und nun galt es Oscar Bron­ner und Chef­re­dak­teur Ger­fried Sperl zu über­zeu­gen, Zei­tung und Jubi­lä­ums-Fest in wür­di­ger Form als Trans­port­ve­hi­kel für den Launch ver­wen­den zu dür­fen. Ein über­zeu­gen­des Argu­ment war erfah­rungs­ge­mäß Geld, neben einem qua­li­ta­tiv und image­mä­ßig abso­lut pas­sen­den Krea­tiv­kon­zept. Bei­des konnte mit One und sei­nen Agen­tu­ren ver­ein­bart und ent­wi­ckelt wer­den. Neben einem adäqua­ten Geld­be­trag und einem umfang­rei­chen Anzei­gen­pa­ket spen­dierte der Mobil­fun­ker 2000 Stück der damals neu­es­ten Nokia Han­dys (6150er) plus 2000 Mal ein Jahr kos­ten­los telefonieren.

2000 Han­dys für 2000 Gäste und eine blau ein­ge­färbte Zeitung
Dar­auf­hin erhiel­ten beim Stan­dard-Jubi­lä­ums­fest am Mo, den 19. Okto­ber 1998 jeder der 2000 gela­de­nen Gäste aus Poli­tik, Wirt­schaft, Kul­tur, Bil­dung, Sport & Co. ein eige­nes One-Handy mit dem spe­zi­el­len „Free-Ver­trag“ für 12 Monate. Und am 24./25./26. Okto­ber 1998 wurde diese kom­plette Sa/­So/Mo-Wochen­end-Fei­er­tags-Aus­gabe in einer Auf­lage von rd. 200.000 Stück (!) von allen frem­den Anzei­gen frei­ge­macht, die Anzei­gen­su­jets von One plat­ziert – und dazu wurde die kom­plette Zei­tung in das One-blau ein­ge­färbt. Das ganze Pro­jekt war streng geheim, nicht ein­ge­weihte Kol­le­gen und Redak­teure (und viele anru­fende Tra­fi­kan­ten) ver­mu­te­ten zuerst einen Pro­duk­ti­ons­feh­ler. Die Aktion war für beide Sei­ten nach­hal­tig erfolgreich. 

Oscar Bron­ner spricht EINE Gra­tu­la­tion aus
Neben der Mar­ke­ting-Aktion mit One war das 10-Jah­res-Fest auch eine enorme orga­ni­sa­to­ri­sche Her­aus­for­de­rung und final eine dem Anlass wür­dige, über­aus erfolg­rei­che Ver­an­stal­tung. Das zeigte sich auch an einem ande­ren beson­de­ren Ereig­nis : Einen Tag nach dem Fest läu­tete mein Tele­fon und Oscar Bron­ner spricht eine Gra­tu­la­tion aus. Nach rund neun Jah­ren das erste aus­ge­spro­chene Lob — im Nor­mal­fall galt keine Reak­tion als Lob. Bis auf das Barci-Wer­be­bei­spiel wur­den alle ange­führ­ten Pro­jekte von mir initi­iert, ent­wi­ckelt oder mit­ent­wi­ckelt und zwi­schen 1996 und 1999 vom 5‑köpfigen Mar­ke­ting-Team des Stan­dard umge­setzt. Die Medien-Maga­zine „Ext­ra­dienst“ von Chris­tian Mucha und „Hori­zont“ aus dem Man­stein-Ver­lag brin­gen über die­ses Stan­dard-Mar­ke­ting meh­rere Aufmacher-Geschichten.

Die Kraft eines 5‑köpfigen Marketingteams
Meine Kol­le­gin Ulli G. war die Bereichs­lei­te­rin für einen umfang­rei­chen und eben­falls Geld brin­gen­den Event-Bereich, Angela H. für die Wer­bung, Bar­bara A. für zahl­rei­che, viel­fach öster­reich­weite und ebenso neu ent­wi­ckelte Kul­tur­ko­ope­ra­tio­nen und Alex­an­dra S. war meine Assis­ten­tin. Harald P. von der Anzei­gen­ab­tei­lung fädelte die Kino-Events inklu­sive „Salo­nisti“ ein und Gre­gor A. sorgte immer für die opti­ma­len Plat­zie­run­gen unse­rer Mar­ke­ting­ko­ope­ra­tio­nen in der Zei­tung. Wir haben uns vom Markt nicht nur wie ver­langt das (Marketing)Budget für alle unsere Pro­jekte geholt, wir haben zudem Mil­lio­nen-Beträge an wei­te­ren Gel­dern direkt akqui­riert oder den Weg dazu für die Kol­le­gen aus der Anzei­gen­ab­tei­lung geebnet. 

Katho­li­sche Hal­tun­gen für den Stan­dard und ein Wie­ner Vorstadtkind
Im zwei­ten Halb­jahr 1999 wurde der Ein­stieg des süd­deut­schen Zei­tungs­ver­la­ges beim Stan­dard fixiert und das sollte auch eine neue Manage­ment-Struk­tur im Ver­lags­be­reich bedeu­ten. Zwi­schen den bis dato direkt der GF mit Oscar Bron­ner und Hans Peter Schmidt­bauer ver­ant­wort­li­chen Lei­tungs­be­rei­chen Anzei­gen, Marketing/​Werbung und Ver­trieb wird die Zwi­schen­ebene eines Ver­lags­lei­ters ein­ge­zo­gen und dafür enga­giert Oscar Bron­ner (und sein dama­li­ger Bera­ter Hel­mut Zambo) Wolf­gang Berg­mann von der Erz­diö­zese Wien, der dort für die PR der Cari­tas und Radio Ste­phans­dom zustän­dig war. Katho­li­sche Hal­tun­gen und Sicht­wei­sen für ein Wie­ner Vor­stadt­kind und den Stan­dard, das kann sich nicht aus­ge­hen. Ich wechsle dar­auf­hin am 1. Novem­ber 1999 nach zehn Jah­ren in die Selb­stän­dig­keit als Mar­ke­ting-Agen­tur und betreue mit einem Kon­su­len­ten­ver­trag (auch um Enga­ge­ments bei der Kon­kur­renz zu ver­hin­dern) ein­mal wei­ter von mir auf­ge­baute Mar­ke­ting­pro­jekte wie etwa den Club-der-Leser und Anzei­gen­ko­ope­ra­tio­nen mit der IT-Bran­che. Par­al­lel beginne ich das eigene Medi­en­pro­jekt eco­no­my­aus­tria vorzubereiten.

Etat.at als eine Art Abschieds­ge­schenk an Online-Stan­dard und die Standard-Redaktion
Ein paar Tage vor mei­nem fina­len Aus­tritt kommt Harald Fid­ler, Lei­ter des Zei­tungs-Res­sorts Kom­mu­ni­ka­tion, mit der Idee eines neuen Online-Chan­nels auf derStandard.at spe­zi­ell für die Werbe- und Mar­ke­ting­bran­che. Es gibt dafür aber lei­der kein Redak­ti­ons­bud­get und auch der Online-Stan­dard könne das Pro­jekt nicht finan­zie­ren. Der Zufall wollte es, dass ich kurz davor über eine Anzei­gen­ko­ope­ra­tion mit einem IT-Kun­den einen grö­ße­ren Betrag für das Mar­ke­ting­bud­get akqui­rierte, for­mal immer noch Hoheit über das Mar­ke­ting­bud­get hatte und so wurde die Grün­dungs­fi­nan­zie­rung von etat.at auch zu einer Art Abschieds­ge­schenk an den Online-Stan­dard und an die Standard-Redaktion. 

Eine kom­mer­zi­ell aus­ge­rich­tete Job­dis­crip­tion und die Zusam­men­ar­beit mit der Redaktion
Die­ses Ereig­nis war ein schö­ner und stim­mi­ger Abschluss. Die Zusam­men­ar­beit mit der Redak­tion und dem von mir sehr geschätz­ten Ger­fried Sperl als Chef­re­dak­teur war anfäng­lich auf Grund mei­ner natur­ge­mäß kom­mer­zi­ell aus­ge­rich­te­ten Job­dis­crip­tion schwie­rig und manch­mal auch beid­seits emo­tio­na­li­siert. Es dau­erte bis Ver­trauen ent­stand und ope­ra­tiv über die Pro­jekte step by step ver­mit­telt wer­den konnte, dass die strikte Unab­hän­gig­keit der Stan­dard-Redak­tion auch einem wer­be­ori­en­tier­ten Ver­lags­men­schen ein zen­tra­les Anlie­gen ist. Dazu ist die­ser Ver­lags­mensch ja auch selbst ein kri­ti­scher Leser.

„Machen Sie noch viele Koope­ra­tio­nen für uns!“
Objek­tiv kri­ti­scher Jour­na­lis­mus und eine unab­hän­gige Redak­tion haben nicht nur eine zen­trale demo­kra­tie­po­li­ti­sche Auf­gabe, sie sind auch das Fun­da­ment für die Qua­li­tät und das Image eines Medi­ums — von dem dann die Wer­be­bran­che über Anzei­gen­bu­chun­gen und Mar­ke­ting­ko­ope­ra­tio­nen pro­fi­tie­ren möchte. Dafür zahlt sie ein und allein schon dafür muss sie diese Unab­hän­gig­keit respek­tie­ren. Und im Übri­gen gehört zu einem guten Medium gute Wer­bung. Am aller­letz­ten Tag fand ich beim abend­li­chen Ein­pa­cken einen hand­ge­schrie­be­nen Abschieds­gruß auf mei­nem Schreib­tisch : „Machen Sie noch viele Koope­ra­tio­nen für uns ! Herz­lichst, Ger­fried Sperl. Das Schrei­ben hängt auch 25 Jahre danach noch ein­ge­rahmt über mei­nem Schreibtisch.

Anm : Am Fr, 19.01.24 folgt der nächste Teil der Jubi­lä­ums­se­rie zur Grün­dung von Eco­nomy und am 26.01.24 dann die gesamte, sehr ambi­va­lente Geschichte bis hin zur Ein­stel­lung der Printausgabe.

Autor: red/czaak
12.01.2024

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