
„Insbesondere Alleinerzieherinnen haben es schwer“
Mit der Entwicklung im Bereich Vorsorge und Früherkennung bei Lungenkrebs holte sich Stefanie Brezina von der Wiener BOKU den zweiten Platz beim diesjährigen INiTS Woman-Award. Economyaustria sprach mit Ihr über anwendungsorientierte Krebsforschung, geringe finanzielle Ausstattung an den österreichischen Unis und über das kreative Potential österreichischer ForscherInnen.
Economy : Wann und warum war klar bzw. ausschlaggebend, dass Ihr Interesse in Richtung Naturwissenschaften/Life Sciences geht ?
Stefanie Brezina : Ich glaube einen genauen Zeitpunkt für diese Entscheidung gab es bei mir nicht, ich hatte schon immer einen gewissen „Forschergeist“ in mir. Die Entscheidung zum Biotechnologiestudium ist mir dann relativ leicht gefallen da dieses Studium ein sehr breites Spektrum der Naturwissenschaften abdeckt.
Während des Studiums hat sich immer mehr mein Interesse für anwendungsorientierte Krebsforschung herauskristallisiert.
Wie empfinden Sie die Rahmenbedingungen für Forschung an der Uni, welche erwähnenswerten positiven und negativen Seiten gibt es, welche Verbesserungsvorschläge und Wünsche ?
Forschung und speziell Forschung an österreichischen Universitäten ist leider durch die geringe finanzielle Ausstattung immer härter geworden. Viel Energie und Arbeitsaufwand fließt in das Einwerben von finanziellen Mitteln um Projekte umsetzen zu können und Mitarbeiter zu finanzieren. Die Wahrscheinlichkeit Drittmittel selbst für sehr gute Forschungsideen akquirieren zu können sinkt immer mehr.
Dieser Umstand beschneidet leider auch die Freiheit im wissenschaftlichen Forschungsalltag, oftmals können kreative Ideen nicht umgesetzt werden da die nötigen finanziellen Mittel fehlen. Ich hoffe, dass sich diese Situation an Österreichs Universitäten sehr bald verbessert. Wie der diesjährige INiTS Award wieder einmal mehr eindrucksvoll gezeigt hat, steckt sehr viel kreatives Potential in den österreichischen ForscherInnen.
Wie stehen Sie zur Situation, dass es viel zu wenige weibliche Wissenschafter in Naturwissenschaften und Technologie gibt und welche Ansatzpunkte und Verbesserungsvorschläge gibt es Ihrerseits ?
Die Beantwortung dieser Frage gestaltet sich für mich persönlich schwer, denn in den Bereichen in denen ich bis jetzt wissenschaftlich gearbeitet habe gab es zumeist mehr weibliche ForscherInnen. Auch während des Studiums waren immer mehr Studentinnen mit mir im Jahrgang. Daher sehe ich im Bereich Biotechnologie bzw. Molekulare Biologie keine Ansatzpunkte für Veränderungen diesbezüglich.
Dennoch ist mir bewusst, dass im naturwissenschaftlichen Bereich überwiegend Männer beschäftigt sind bzw. oft Top-Positionen mit männlichen Kollegen besetzt werden. Meiner Meinung nach liegt dies zu einem großen Teil daran, dass Frauen an einem bestimmten Punkt in ihrer Karriere immer noch viel häufiger vor die Wahl „Familie oder Karriere“ gestellt werden und für viele die Entscheidung dann zugunsten der Familiengründung fällt.
Ich denke daher liegt das größte Potential für Verbesserung in der Schaffung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten und attraktiven Angeboten, die Frauen real die Vereinbarkeit von Karriere und Familie ermöglichen. Natürlich stelle auch ich mir immer häufiger die Frage wie ich Familiengründung und Forschung unter einen Hut bekommen kann. Derzeit hängt immer noch sehr viel vom Rückhalt durch Familie und Partner ab, insbesondere AlleinerzieherInnen haben es da schwer.
Gibt es einen Plan oder festes Vorhaben zur Unternehmensgründung und wie empfinden Sie Betreuungseinrichtungen und generelle Unterstützung für wissenschaftliche Start-Ups ?
Im Moment plane ich keine Unternehmensgründung, ich denke jedoch dass ein wissenschaftlicher Start-up eine tolle Möglichkeit ist, kreative Ideen in ein erfolgreiches Unternehmen umzusetzen. Betreuungsservices wie INiTS bieten eine produktive Plattform für JungunternehmerInnen und erleichtern den Einstieg in die Unternehmenswelt enorm.
Ich denke mit der Vielzahl an Beratungseinrichtungen für wissenschaftliche Start-ups kann Österreich international mithalten und die beträchtliche Anzahl an erfolgreichen Start-ups bestätigt die Qualität dieser Einrichtungen.
Beeinflusst die INiTS-Prämierung Ihren weiteren beruflichen Werdegang ?
Ich weiss nicht ob diese Prämierung meinen Werdegang direkt beeinflusst aber sie bestärkt mich meinen Weg in der Forschung weiter zu verfolgen. Es ist ein gutes Gefühl Anerkennung für seine Arbeit zu bekommen.
Seit kurzem arbeite ich an meiner Doktorarbeit die sich wie meine Diplomarbeit auf die Identifizierung von Biomarkern fokussiert. Der INiTS Award auf meinem Schreibtisch liefert mir häufig einen Motivationsschub im oftmals stressigen Forschungsalltag.
Allfällige Sachen die Ihnen am Herzen liegen.
Anwendungsorientierte Forschung zur Früherkennung maligner Erkrankungen ist, gemessen am internationalen Vergleich, in unserem Land leider unterrepräsentiert.
Die Prämierung beim INiTS-Award ist daher ein riesiger Motivationsschub und eine Belohnung für mich und die Arbeit unserer Forschungsgruppe. Dafür möchte ich mich abschließend bedanken !