
Investoren lieben Künstliche Intelligenz
Bei Start-Ups nehmen die generellen Investments weiter ab. Einzig Tech-Themen wie KI, Software und E‑Commerce sind noch gefragt und dazu der Bereich Nachhaltigkeit. In vielen Projekten wird KI zum Kern des Geschäftsmodels. Im Bundesländervergleich dominiert Wien.
Das Österreichische Start-Up-Ökosystem verzeichnete 2025 einen weiteren Tiefpunkt. Nachdem bereits die Jahre zuvor Finanzierungsrunden wie Geldvolumina gesunken sind, reduzierte sich der gesamte Investmentbetrag nochmals um 56 (!) Prozent auf nur mehr 253 Millionen Euro (economy berichtete). Im diesem angespannten Umfeld gab es nur einen Lichtblick und der betraf die Themen Künstliche Intelligenz (KI), Software und E‑Commerce, so die jährliche Analyse von EY.
Künstliche Intelligenz (KI) ist auch 2025 der wichtigste Investitionstreiber im österreichischen Start-up-Ökosystem. Trotz des insgesamt stark rückläufigen Finanzierungsumfelds flossen rund 96 Millionen Euro in Start-Ups, die KI als integralen Bestandteil ihres Geschäftsmodells nutzen. Damit entfielen 38 Prozent des gesamten investierten Risikokapitals auf KI-Start-Ups, der höchste bislang gemessene Anteil.
KI als struktureller Kern vieler neuer Geschäftsmodelle
Auch bei der Anzahl der Finanzierungsrunden gewinnt KI weiter an Bedeutung. 54 der insgesamt 148 Finanzierungsrunden im Jahr 2025 – und damit 36 Prozent – betrafen Neugründungen mit KI-Schwerpunkt. 2024 lag dieser Anteil bei 28 Prozent, obwohl das Gesamtfinanzierungsvolumen damals deutlich höher war. Besonders ausgeprägt war hier das zweite Halbjahr 2025, wo fast jede zweite Finanzierungsrunde auf ein KI-Start-Up entfiel und 54 Millionen Euro Risikokapital in diese Geschäftsmodelle geflossen sind.
KI trägt einen wachsenden Teil des Marktes, kann das insgesamt deutlich gesunkene Investitionsniveau aber nicht ausgleichen. „KI ist längst ein struktureller Kern vieler neuer Geschäftsmodelle. Dass mehr als ein Drittel aller Finanzierungsrunden auf KI entfällt, zeigt die Sichtweise der Investor:innen zum Thema Wachstumspotenzial“, erörtert Florian Haas, Head of Start-Up bei EY Österreich. Diese starke Konzentration mache aber auch deutlich, wie „fragil das Gesamtfinanzierungsumfeld derzeit ist“, so Haas.
Nachhaltigkeit gewinnt wieder an Bedeutung und Wien bleibt das Zentrum
Ein wichtiger Investitionsschwerpunkt für österreichische Start-Ups bleibt im Jahr 2025 aber auch das Thema Nachhaltigkeit. 29 Prozent des investierten Risikokapitals entfielen darauf – der höchste bislang gemessene relative Anteil (2024 : 26, 2023 : 25 Prozent). Parallel liegen die absoluten Investitionsvolumina deutlich unter den beiden Vorjahren. 2025 waren es 73, bei 148 Mio. 2024. Investitionen in nachhaltige Geschäftsmodelle erfolgen zunehmend selektiv und mit stärkerem Fokus auf wirtschaftlichen Erfolg und Skalierbarkeit.
Die regionale Verteilung der Finanzierungsaktivitäten zeigt auch 2025 ein stark konzentriertes Bild. Mit 86 finanzierten Start-Ups entfiel der Großteil (58 Prozent) aller Finanzierungsrunden erneut auf Wien. Auch beim Finanzierungsvolumen liegt die Bundeshauptstadt trotz eines deutlichen Einbruchs von 378 auf 179 Millionen Euro weiter an der Spitze. Gut sieben von zehn hierzulande in Start-Ups investierte Euros flossen an Wiener Jungunternehmen.
KI, Software-As-A-Service, Data & Analytics und Enterprise-Software
Deutlich dahinter folgen sowohl bei der Anzahl der Runden als auch bei den Volumina die Steiermark mit 19 Runden bzw. 29 Millionen Euro, dann Oberösterreich mit 12 Runden und 20 Millionen Euro und Tirol mit elf finanzierten Start-ups und 15 Millionen Euro. Die Zahlen verdeutlichen, dass regionale Ökosysteme außerhalb Wiens weiterhin stark von einzelnen Transaktionen abhängig sind und deutlich geringere Volumina aufweisen.
Ein Blick auf die Branchenverteilung 2025 zeigt weiterhin stark konzentrierte Finanzierungsaktivitäten. Die meisten Investmentrunden wurden wieder im Software- und Technologiebereich abgeschlossen, insbesondere in den Segmenten KI, Software-As-A-Service (SaaS), Data & Analytics sowie Enterprise-Software. Diese Bereiche vereinen die höchste Anzahl an Deals (52) und einen großen Teil des insgesamt investierten Kapitals (95 Millionen Euro ; 38 Prozent). Dahinter folgen Start-Ups zum Thema E‑Commerce mit 15 Finanzierungsrunden und einem Volumen von 57 Millionen Euro.
Standort Österreich braucht dringend strukturelle Verbesserungen
Die zentralen Handlungsfelder zur Stärkung des österreichischen Start-Up-Ökosystems sind lange benannt. „Besonders dringend sind eine Senkung der Lohnnebenkosten, Bürokratie-Abbau sowie attraktivere Rahmenbedingungen für privates und institutionelles Risikokapital. Ebenso zentral laut den EY-Experten sei die Modernisierung von Mitarbeiterbeteiligungsmodellen, um Start-Ups und Scale-Ups auch im Wettbewerb um Talente konkurrenzfähig zu halten. Maßnahmen braucht es auch für mehr Zugang von internationalen Fachkräften.
Strukturell besonders relevant ist auch die sofortige und konsequente Umsetzung des angekündigten Rot-Weiß-Rot-Dachfonds. Dieses Fund-of-Funds-Instrument soll institutionelles Kapital — etwa von Pensions- und Versicherungsfonds – gezielt mobilisieren und damit jene Finanzierungslücke schließen, die allein schon die österreichischen Scale-Ups seit Jahren bremst.
Gemeinsame Verantwortung von Politik, Kapitalmarkt und Wirtschaft
Grundsätzlich verfügt Österreich weiterhin über starke strukturelle Grundlagen, von gut ausgebildeten Gründer:innen über eine leistungsfähige Forschungs- und Innovationslandschaft bis hin zu international wettbewerbsfähigen Tech-Kompetenzen. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung der vergangenen vier Jahre, dass diese Voraussetzungen allein nicht ausreichen. Der anhaltende Rückgang der Finanzierungsaktivität macht deutlich, dass 2026 eine entscheidende Phase für den weiteren Entwicklungspfad des Gründungslandes Österreich darstellt.
„Wenn Politik, Kapitalmarkt und Wirtschaft jetzt gemeinsam Verantwortung übernehmen, kann Österreich eine Stabilisierung und neue Wachstumsimpulse schaffen. Die notwendigen Hebel sind bekannt, werden sie konsequent umgesetzt, so kann der Start-Up-Standort wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückzukehren und seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig stärken“, resümiert Florian Haas, Head of Start-Up bei EY Österreich. (red/czaak)