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Keine nach­hal­tige Ver­bes­se­rung der Budgetlage

Fis­kal­rat erwar­tet heu­ri­ges Bud­get­de­fi­zit bei 4,4 Pro­zent des BIP. Feh­lende Steu­er­ein­nah­men durch Wirt­schafts­krise sowie hohe Kos­ten für Gehäl­ter, Pen­sio­nen und Gesund­heit belas­ten Konsolidierung.

Der Öster­rei­chi­sche Fis­kal­rat erwar­tet für 2025 und 2026 gesamt­staat­li­che Bud­get­de­fi­zite von 4,4 bzw. 4,2 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts (BIP). Damit bestä­ti­gen sich die Ein­schät­zun­gen des Fis­kal­rats vom Juni 2025 und auch die des Finanz­mi­nis­te­ri­ums (BMF) von Okto­ber 2025. Die leichte Ver­schlech­te­rung gegen­über der Früh­jahrs­pro­gnose ist auf höhere Staats­aus­ga­ben zurück­zu­füh­ren, die ange­sichts der schwa­chen Wirt­schafts­ent­wick­lung nur teil­weise über stei­gende Ein­nah­men kom­pen­siert werden. 

Die nied­ri­ge­ren Gehalts­ab­schlüsse für den öffent­li­chen Dienst und die Kon­kre­ti­sie­rung ers­ter Kon­so­li­die­rungs­maß­nah­men, vor allem der Bun­des­län­der, tra­gen dann zur Ver­bes­se­rung des Bud­get­sal­dos 2026 bei. Den­noch bleibt das Defi­zit über 4 Pro­zent des BIP. „Eine Sta­bi­li­sie­rung der Schul­den­quote – dafür wären Defi­zite unter 2,7 Pro­zent des BIP nötig – wird klar ver­fehlt. Bis 2026 steigt die Schul­den­quote auf exakt 83,3 Pro­zent des BIP“, so der Fis­kal­rat in einer Aussendung.

Hohe Staats­aus­ga­ben erge­ben hohes Budgetdefizit

Sozi­al­leis­tun­gen sowie Löhne und Gehäl­ter im öffent­li­chen Dienst stei­gen 2025 wei­ter kräf­tig. Gründe sind die infla­ti­ons­be­dingt hohen Gehalts­ab­schlüsse, stei­gende Pen­si­ons- und Arbeits­lo­sen­aus­ga­ben sowie höhere Gesund­heits­kos­ten. Das Kon­so­li­die­rungs­pa­ket dämpft die Aus­ga­ben vor allem durch den Weg­fall des Kli­ma­bo­nus (Anm. minus 2,3 Mrd Euro).

Gegen­über der Früh­jahrs­pro­gnose fällt der Aus­ga­ben­an­stieg stär­ker aus, bedingt durch die höhere Anzahl von Alters­pen­sio­nis­ten, höhere Beschäf­ti­gung im Gesundheits‑, Bil­dungs- und Sicher­heits­be­reich sowie stei­gende Gesund­heits­aus­ga­ben. Ein­spa­run­gen bei den Sach­aus­ga­ben durch stren­gen Bud­get­voll­zug wir­ken kurz­fris­tig, dürf­ten aber nicht dau­er­haft im geplan­ten Volu­men zum Tra­gen kom­men. Das aktu­ell erwar­tete reale BIP-Wachs­tum (+0,3 Pro­zent) über­trifft den in der Früh­jahrs­pro­gnose erho­be­nen Wert um 0,6 Pro­zent­punkte und erhöht die Staats­ein­nah­men um rund 0,3 Pro­zent des BIP. 

Hohe Gehalts­ab­schlüsse erhö­hen Lohn­steu­er­auf­kom­men und Sozialbeiträge 

Die Wie­der­ein­he­bung der Ener­gie­ab­gabe bringt rund eine Mrd Euro zusätz­li­che Ein­nah­men. Hin­ge­gen sin­ken die Zins­ein­nah­men infolge fal­lende Kurz­frist­zin­sen. Das Auf­kom­men aus ver­an­lag­ter Ein­kom­men­steuer und Kör­per­schaft­steuer ist 2025 rück­läu­fig, das Mehr­wert­steu­er­auf­kom­men bleibt hin­ter den Erwar­tun­gen zurück. 2026 lässt die Wir­kung der Hoch­in­fla­ti­ons­phase auf das Aus­ga­ben­wachs­tum deut­lich nach und fällt bei den Ein­nah­men fast voll­stän­dig weg. 

Die letz­ten Kri­sen­hil­fen lau­fen 2025 aus und das Kon­so­li­die­rungs­pa­ket sowie mode­ra­tere Gehalts­ab­schlüsse im öffent­li­chen Dienst brem­sen den Aus­ga­ben­an­stieg. Den­noch blei­ben die Staats­aus­ga­ben auf­grund stei­gen­der Gesundheits‑, Pen­si­ons- und Pfle­ge­kos­ten sowie höhe­rer Ver­tei­di­gungs- und Infra­struk­tur­in­ves­ti­tio­nen auf hohem Niveau. Dar­über hin­aus steigt der öster­rei­chi­sche EU-Bei­trag gegen­über dem Vor­jahr deut­lich um 0,8 Mrd Euro an.

Dau­er­haf­ter Aus­ga­ben­an­stieg durch ver­fes­tigte Kriseneffekte

Obwohl die COVID-19-Hil­fen bis 2024 weit­ge­hend aus­lie­fen, ver­har­ren die Aus­ga­ben ins­be­son­dere im Gesund­heits­we­sen auf hohem Niveau. Höhere Gehäl­ter in Gesund­heits­be­ru­fen und stei­gende Medi­ka­men­ten­kos­ten wir­ken dau­er­haft. Die Hoch­in­fla­ti­ons­jahre 2022/23 führ­ten zeit­ver­zö­gert zu einem deut­li­chen Anstieg der Sozi­al­aus­ga­ben – aller­dings sind auch die Bei­trags­ein­nah­men infla­ti­ons­be­dingt gestie­gen. Der Anteil der Pen­si­ons­aus­ga­ben am BIP steigt von 13,9 (2019) auf 15,8 Pro­zent (2026). 

Neben den gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Pen­si­ons­er­hö­hun­gen ist ein Teil die­ses star­ken Anstiegs auf außer­tour­li­che Maß­nah­men zurück­zu­füh­ren. Die Pen­si­ons­aus­ga­ben 2024 erhöh­ten sich durch außer­tour­li­che Pen­si­ons­an­pas­sun­gen seit 2019 im Umfang von 1,4 Mrd. Euro. Trotz der weit­ge­hen­den Infla­ti­ons­in­de­xie­rung der Ein­kom­men­steu­er­ta­rif­stu­fen stei­gen die Ein­nah­men im Zeit­raum 2019 bis 2026 von 49,6 auf 51 Pro­zent des BIP. Der Anstieg der Aus­ga­ben­quote (2019 bis 2026 : + 6,2 Pro­zent­punkte) über­steigt den Anstieg der Ein­nah­men­quote (2019 bis 2026 : +1,4 Pro­zent­punkte) aber deutlich.

Kurz­fris­tige Wir­kung und Struk­tur­re­for­men blei­ben bis­her aus

Das Regie­rungs­pro­gramm sieht ein Kon­so­li­die­rungs­vo­lu­men von 6,3 Mrd. Euro (2025) und 8,7 Mrd. Euro (2026) vor. Laut Fis­kal­rats­büro wird der Ziel­wert 2025 um rund 0,7 Mrd. Euro unter­schrit­ten. Einige der ab 2026 vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men sind nach wie vor nicht aus­rei­chend kon­kre­ti­siert (u. a. Task-Forces, Betrugs­be­kämp­fungs­pa­ket). Trotz­dem ist das Ein­spa­rungs­ziel für 2026 bereits mit den umge­setz­ten Maß­nah­men erreich­bar, da die nun erfolgte Neu­ver­hand­lung der Gehäl­ter der öffent­lich Bun­des­be­schäf­tig­ten für 2026 im Regie­rungs­pro­gramm nicht ein­ge­preist war. Dies gilt jedoch nur, sofern der Abschluss auch von den ande­ren Gebiets­kör­per­schaf­ten über­nom­men wird.

Hohe Pri­mär­de­fi­zite und stei­gende Zins­aus­ga­ben infolge höhe­rer Ver­schul­dung füh­ren zu einem wei­te­ren Anstieg der Staats­schul­den­quote : von 79,9 (2024) auf 81,7 (2025) und 83,3 (2026) des BIP. Das Wirt­schafts­wachs­tum ist zu schwach, um die­sen Trend zu stop­pen. Auf­grund der Abwärts­re­vi­sion der Schul­den­quote 2024 durch Sta­tis­tik Aus­tria um 1,9 Pro­zent­punkte bleibt sie deut­lich unter den Erwar­tun­gen des Früh­jahrs (2026 : 86,3% des BIP). (red/​czaak)

Autor: red/czaak
07.11.2025

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