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Keine Spin­ne­rei

Die Com­pu­ter­chips der Zukunft ver­ar­bei­ten Infor­ma­tion auf andere Art – mit dem Spin der Elektronen. 

Die Daten­ver­ar­bei­tung in aktu­el­len Mikro­pro­zes­so­ren basiert dar­auf, dass elek­tri­sche Ladun­gen von einem Ort zu einem ande­ren trans­por­tiert wer­den. Elek­tro­nen haben aber neben ihrer Ladung noch eine zweite fun­da­men­tale Eigen­schaft, den Elek­tro­nen­spin. Nun soll die­ser Eigen­dreh­im­puls für die Com­pu­ter­tech­no­lo­gie nutz­bar gemacht wer­den. Das Ergeb­nis wären Geräte, die deut­lich weni­ger Ener­gie benö­ti­gen. Grund­stoff ist – wie in der her­kömm­li­chen Halb­lei­ter­tech­nik – Sili­zium. Die spin-basierte Elek­tro­nik nennt sich Spintronik.
Ein For­schungs­team rund um Sieg­fried Sel­ber­herr simu­liert auf der TU Wien nano­elek­tro­ni­sche Effekte am Com­pu­ter und konnte bereits meh­rere neue Halb­lei­ter-Bau­teile zum Patent ange­mel­den. Ent­schei­dende Fra­gen sind mitt­ler­weile geklärt, dass sich Spin­tro­nik durch­set­zen wird, steht für Sel­ber­herr außer Frage. „Spin­tro­nik ist die Tech­no­lo­gie der über­nächs­ten Gene­ra­tion“, sagt Sel­ber­herr. „In den kom­men­den Jah­ren wird man die Mikro­elek­tro­nik noch auf her­kömm­li­che Weise wei­ter­ent­wi­ckeln kön­nen, doch irgend­wann sind die phy­si­ka­li­schen Gren­zen erreicht und man muss sich etwas Neues ein­fal­len lassen.“ 

Der Spin mit dem Spin
Eine Pro­ble­ma­tik der heu­ti­gen Elek­tro­nik ist, dass man Ener­gie und Zeit benö­tigt, um die elek­tri­schen Ladun­gen an die gewünsch­ten Stel­len zu trans­por­tie­ren, und dass man lau­fend Ener­gie auf­wen­den muss, damit die Ladun­gen auch dort blei­ben. Bis etwa beim Hoch­fah­ren eines Han­dys alle Ladun­gen wie­der dort sit­zen, wo sie vor­her waren, ver­geht einige Zeit. Und daher ist der Akku auch bei gerin­ger Akti­vi­tät meist nach zwei Tagen leer.
Wenn man statt der Ladung des Elek­trons sei­nen Eigen­dreh­im­puls ver­wen­det, dann sieht die Sache anders aus. „In der Spin­tro­nik ist es gar nicht nötig, die Elek­tro­nen selbst zu trans­por­tie­ren“, erklärt Sieg­fried Sel­ber­herr. „Wir kön­nen sie an einem fes­ten Ort ein­sper­ren und uns dar­auf beschrän­ken, bloß ihren Spin zu manipulieren.“
Der Spin ist mit dem klas­si­schen Dreh­im­puls eines Krei­sels ver­gleich­bar. Aller­dings kennt das Elek­tron nur zwei ver­schie­dene Spin-Werte – Spin nach oben oder Spin nach unten. Für die Mikro­elek­tro­nik ist das per­fekt : Genau wie man die Zustände 0 und 1 durch ‚Strom‘ oder ‚kein Strom‘ codie­ren kann, las­sen sie sich auch durch die bei­den mög­li­chen Spin-Zustände dar­stel­len. Wie Sel­ber­herr betont, ist Spin­tro­nik keine kühne Zukunfts­vi­sion wie etwa der Quan­ten­com­pu­ter, son­dern der logi­sche nächste Schritt in der Informationstechnologie.

Autor:
11.09.2015

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