
KI treibt die Börsen
US-Tech-Konzerne bauen Dominanz an den Weltbörsen weiter aus. KI-Boom treibt Bewertungen auf neue Rekorde. Nvidia, Alphabet und Apple aktuell als höchstbewertete Unternehmen. 36 Tech-Companies unter Top 100. Kein europäisches Unternehmen unter den Top 10.
Die wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt haben ihren Marktwert im ersten Halbjahr 2026 erneut kräftig gesteigert, und das, trotz geopolitischer Spannungen, Konjunkturflaute und hoher Inflation. Der kumulierte Börsenwert der 100 teuersten Unternehmen weltweit lag zum Ende des ersten Halbjahres bei rund 62 Billionen US-Dollar. Das sind rund 18 Prozent mehr als zu Jahresbeginn.
KI und entsprechende Infrastruktur
Getrieben wird die Entwicklung weiterhin vor allem vom Boom rund um Künstliche Intelligenz. Besonders stark profitieren Technologieunternehmen : Ihr Gesamtwert innerhalb der Top 100 stieg seit Jahresbeginn um 30 Prozent auf rund 35 Billionen US-Dollar. Genauso stark legten Industrieunternehmen zu, von denen viele als KI-Infrastruktur-Titel gelten, da sie am Bau von Rechenzentren beteiligt sind.
Dahinter folgt die Rohstoffbranche mit einem Plus von 27 Prozent. Deutlich schwächer entwickelten sich Konsumgüterhersteller und der Finanzsektor, die jeweils nur um ein Prozent zulegten, sowie Kommunikations- bzw. Medienunternehmen, deren kumulierter Börsenwert sogar um acht Prozent sank.
Dominante US-Unternehmen sind Spitzenreiter
Die Top 10 der höchstbewerteten Unternehmen sind weitgehend in US-amerikanischer Hand : Acht der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt haben ihren Hauptsitz in den Vereinigten Staaten, darunter auch der Neuzugang SpaceX. Das Raumfahrt-/Technologieunternehmen belegt mit einem Börsenwert von 2,25 Billionen US-Dollar aktuell den sechsten Rang.
Angeführt wird das Ranking weiterhin vom Chiphersteller Nvidia, dessen Marktkapitalisierung zum Stichtag bei rund 4,8 Billionen US-Dollar lag. Auf den weiteren Plätzen folgen Alphabet mit rund 4,3 Billionen US-Dollar, Apple mit rund 4,2 Billionen US-Dollar und Microsoft mit rund 2,8 Billionen US-Dollar. Neben den USA sind in den Top 10 Taiwan mit TSMC und Saudi-Arabien mit Saudi Aramco vertreten.
Europa branchenübergreifend präsent und bei Tech-Werten nur vereinzelt
Auch jenseits der Top 10 dominieren US-Konzerne weiterhin das Ranking : Unter den Top 100 finden sich aktuell 56 Unternehmen aus den USA. Auf Rang zwei folgt China einschließlich Hongkong mit zwölf Unternehmen, vor Großbritannien und Japan mit jeweils fünf Unternehmen. Die Schweiz ist mit vier Unternehmen vertreten, Frankreich mit zwei.
Die Zahl europäischer Unternehmen unter den Top 100 liegt aktuell bei 16, zu Jahresbeginn waren es noch 18. Im Jahr 2007 hatten noch 46 europäische Konzerne zu den 100 wertvollsten Unternehmen der Welt gezählt. Teuerstes europäisches Unternehmen ist ASML auf Rang 20. Dahinter folgen unter anderem ARM, Roche, HSBC, AstraZeneca, Novartis und LVMH. Europa ist damit zwar branchenübergreifend präsent, bei wachstumsstarken Technologie- und KI-Werten aber nur vereinzelt.
Weitere KI-Börsengänge können US-Dominanz verstärken
„Der KI-Boom hat die Dynamik an den globalen Kapitalmärkten deutlich verändert“, sagt Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich. „Der Schwerpunkt liegt weiterhin klar in den USA und zunehmend auch in Asien. Europa ist in diesem Umfeld bislang schwach vertreten.“ Das sind Ergebnisse einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsorganisation EY, die die Marktkapitalisierung der am höchsten bewerteten börsennotierten Unternehmen weltweit halbjährlich untersucht.
Die KI-getriebenen Umbrüche an den Weltbörsen könnten sich in den kommenden Monaten fortsetzen. Weitere große Börsengänge von KI-Unternehmen könnten das Gewicht der USA zusätzlich erhöhen und die regionale Konzentration an den Kapitalmärkten weiter verstärken. „Europa hat keine Zeit zu verlieren“, sagt Reimoser. „Forschung und industrielle Stärke sind wichtige Grundlagen – aber sie reichen nicht aus. Entscheidend ist, ob daraus schnell genug skalierbare Geschäftsmodelle, Kapitalmarkterfolge und neue globale Technologieführer entstehen“. (red/cc)