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KI und die bes­sere Sicht­bar­keit von Unternehmen

Geschäfts­be­richte und Finanz­zah­len im HTML-For­mat und als PDF. Ver­wer­tung und Sicht­bar­keit von Unter­neh­mens­kenn­zif­fern in KI-Anwen­dun­gen wie ChatGPT hängt auch vom For­mat ab. Neue Stu­die der Uni of Applied Scie­nes St. Pöl­ten belegt zudem davon abhän­gige Kor­rekt­heit der Antworten. 

Das Datei­for­mat ent­schei­det über die Wie­der­gabe. Unter­neh­men, die ihre Geschäfts­be­richte im HTML-For­mat ver­öf­fent­li­chen, erschei­nen drei­mal häu­fi­ger in ChatGPT-Ant­wor­ten als sol­che, die auf PDFs set­zen. Zudem führt eine HTML-Quelle zu fak­tisch kor­rek­te­ren Aus­sa­gen der künst­li­chen Intel­li­genz (KI). 

Die neue Stu­die „AI opti­mi­zed Report­ing“ von Uni­ver­sity of Applied Sci­en­ces St. Pöl­ten (USTP), HHL Leip­zig Gra­duate School of Manage­ment und der Wie­ner Bera­tungs­agen­tur nexxar lie­fert erst­mals daten­ba­sierte Hin­weise dar­auf, wie veri­fi­zierte Finanz­da­ten auf­be­rei­tet sein soll­ten, dass sie vom KI-Sprach­mo­dell ChatGPT als Quelle her­an­ge­zo­gen werden.

Im Kon­text mit genutz­ten KI-Anwen­dun­gen ver­wen­den etwa nahezu jede/​r zweite Privatanleger/​in KI-Tools wie ChatGPT, um Finanz­da­ten zu inter­pre­tie­ren oder Invest­ment­ent­schei­dun­gen vor­zu­be­rei­ten. Das zeigte eine Ende 2024 publi­zierte Unter­su­chung der Uni­ver­sity of Washing­ton. Die KI-Anwender:innen schätz­ten vor allem die Fähig­keit der KI, kom­plexe Daten­men­gen in Sekun­den­schnelle zu ver­ein­fa­chen. Gleich­zei­tig zwei­felte mehr als die Hälfte der Befrag­ten an der Ver­läss­lich­keit der KI-Antworten. 

Wich­tige Infor­ma­ti­ons­quel­len für ChatGPT  

Eine berech­tigte Sorge, wie die aktu­elle For­schung aus St. Pöl­ten, Leip­zig und Wien nun belegt. Von Sep­tem­ber bis Novem­ber 2025 ana­ly­sierte das 20-köp­fige Team der USTP über 2.500 Prompts mit Fra­gen zu Jah­res­ab­schlüs­sen, Manage­ment­ver­gü­tun­gen und Nach­hal­tig­keits­the­men von 20 bör­sen­no­tier­ten Unter­neh­men. Dabei wur­den mehr als 24.000 von GPT-4o sowie GPT‑5 genannte Quel­len kate­go­ri­siert und ausgewertet. 

Im Ergeb­nis zeigt sich, dass zu 85 Pro­zent das KI-Sprach­mo­dell auf unter­neh­mens­ei­gene Inhalte wie den veri­fi­zier­ten Geschäfts­be­richt (58 Pro­zent), die Inves­tor-Rela­ti­ons-Web­site (15 Pro­zent) oder die Unter­neh­mens­web­site (12 Pro­zent) hin­weist. In den übri­gen 15 Pro­zent der Fälle greift der KI-Chat­bot auf externe Quel­len wie Finanz­da­ten­an­bie­ter (sechs Pro­zent) oder Medi­en­be­richte (drei Pro­zent) zurück. 

Große Sprach­mo­delle bevor­zu­gen struk­tu­rierte Daten

Ob ChatGPT die veri­fi­zier­ten Ori­gi­nal­da­ten nutzt oder auf Sekun­där­quel­len aus­weicht, hängt maß­geb­lich vom Datei­for­mat der Unter­neh­mens­quelle ab. Die Stu­die zeigt : HTML-Berichte (also : Online-Geschäfts­be­richte) sind in den Ant­wor­ten des KI-Chat­bots drei­mal häu­fi­ger prä­sent als PDF-Publi­ka­tio­nen. Wäh­rend ChatGPT bei PDF-Berich­ten in fast einem Vier­tel der Fälle auf externe Quel­len aus­weicht, sinkt die­ser Anteil bei HTML-Berich­ten auf sie­ben Prozent.

„Große Sprach­mo­delle wie ChatGPT bevor­zu­gen struk­tu­rierte Daten. Sie extra­hie­ren Infor­ma­tio­nen wesent­lich schnel­ler und prä­zi­ser aus HTML-Codes als aus PDF-Dateien“, erklärt Monika Kova­rova-Sime­cek, Lei­te­rin des Mas­ter­stu­di­en­gangs Digi­tal Busi­ness Com­mu­ni­ca­ti­ons an der USTP, in des­sen Rah­men das For­schungs­pro­jekt durch­ge­führt wird.

Auf­fäl­li­ger Qua­li­täts­un­ter­schied je nach Quelle 

Ein zusätz­li­cher Fak­ten­check von rund 200 wei­te­ren ChatGPT-Ant­wor­ten zu den Geschäfts­be­rich­ten offen­bart Qua­li­täts­män­gel, die ins­be­son­dere für poten­zi­elle Investor:innen ins Gewicht fal­len kön­nen : Nur knapp 63 Pro­zent der KI-Aus­sa­gen sind voll­stän­dig und kor­rekt. Ein Vier­tel bleibt unvoll­stän­dig, 20 Pro­zent ent­hal­ten Fehlinformationen. 

Auf­fäl­lig ist dabei der Qua­li­täts­un­ter­schied je nach Quelle : HTML-Berichte füh­ren in 71 Pro­zent der Fälle zu kor­rek­ten Ergeb­nis­sen, PDF-Berichte in 54 Pro­zent. „Umso wich­ti­ger ist es für Unter­neh­men, der KI keine tech­ni­schen Hür­den in den Weg zu stel­len. Weicht ChatGPT man­gels Ver­füg­bar­keit maschi­nen­les­ba­rer Daten auf externe Dritt­quel­len aus, steigt das Risiko für Des­in­for­ma­tion“, warnt Eloy Bar­ran­tes von der Report­ing-Agen­tur nexxar. „Geschäfts­be­richte müs­sen maschi­nell so les­bar wie mög­lich sein.“

Ana­lyse kon­kre­ter ChatGPT-Anfra­gen offen­bart auch Interessensprofil 

Par­al­lel zur Inhalts­ana­lyse wer­tete das For­schungs­team der HHL Leip­zig die Ser­ver­pro­to­kolle von fünf DAX-Unter­neh­men aus, um zu ermit­teln, wel­che Bots am häu­figs­ten auf digi­tale Geschäfts­be­richte zugrei­fen. Das Ergeb­nis : Unter fast fünf Mil­lio­nen auto­ma­ti­sier­ten Zugrif­fen und mehr als 100 iden­ti­fi­zier­ten Bots domi­niert ChatGPT mit einem Anteil von über 30 Pro­zent. Zudem offen­bart die Ana­lyse von über einer Mil­lion kon­kre­ter ChatGPT-Anfra­gen auch ein Interessensprofil. 

Nutzer:innen befra­gen das KI-Sprach­mo­dell pri­mär zur ope­ra­ti­ven Geschäfts­ent­wick­lung, zur Unter­neh­mens­stra­te­gie sowie zu Finanz- und Nach­hal­tig­keits­kenn­zah­len. „ChatGPT nutzt digi­tale Geschäfts­be­richte als ganz­heit­li­che Infor­ma­ti­ons­quelle zur Unter­neh­mens­ent­wick­lung. Für Unter­neh­men bedeu­tet das : Wer seine Daten KI-gerecht auf­be­rei­tet, bestimmt mit, was poten­zi­elle Inves­to­ren über sie lesen“, resü­miert Hen­ning Zülch, Inha­ber des Lehr­stuhls für Rech­nungs­we­sen, Wirt­schafts­prü­fung und Con­trol­ling an der HHL. (red/​cc)

Autor: red/cc
02.03.2026

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