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Kleine Ver­lage mit gro­ßen Büchern

Ohne öffent­li­che För­de­run­gen ist es für hei­mi­sche lite­ra­ri­sche Ver­lage fast unmög­lich zu über­le­ben. Warum man trotz­dem einen Ver­lag grün­det, hat mehr mit Qua­li­täts­an­sprü­chen als mit Hoff­nung auf kom­mer­zi­el­len Erfolg zu tun. 

„Viele Ver­le­ger sind Idea­lis­ten, denen es darum geht, ein gutes Pro­gramm zu machen“, sagt Ralph Kle­ver. Sein eige­nes Pro­gramm stellt der Ver­le­ger seit knapp zwei Jah­ren zusam­men. Zuvor arbei­tete er 14 Jahre als Lek­tor in der Ver­lags­bran­che, bis er im Früh­jahr 2008 sei­nen Ver­lag grün­dete : den Kle­ver Verlag.
Autoren wie die Heim­rad-Bäcker-Preis­trä­ge­rin Wal­traud Seidl­ho­fer und junge Stim­men wie Ann Cot­ten und Robert Pros­ser sind bereits in dem Wie­ner Klein­ver­lag erschie­nen, 15 Titel hat Kle­ver bis­her ver­legt. Der Ver­lag ist ein Ein-Per­so­nen-Unter­neh­men, nur man­che Dinge wie die Cover-Gestal­tung sind aus­ge­la­gert. „Der Vor­teil eines klei­nen Ver­la­ges ist die Über­schau­bar­keit und die Mög­lich­keit zu impro­vi­sie­ren, was aber auch ein Nach­teil sein kann“, sagt Klever.

Keine Bel­le­tris­tik ohne Förderung
394 Ver­lage sind im aktu­el­len Ver­lags­füh­rer Öster­reich regis­triert. Auf­ge­nom­men wird, wer die gewer­be­recht­li­che und aktive Aus­übung der Ver­lags­tä­tig­keit erfüllt. „Ein Groß­teil der öster­rei­chi­schen Ver­lage sind Klein­ver­lage“, sagt Her­aus­ge­ber Michael Schnepf. Und auch die gro­ßen öster­rei­chi­schen Ver­lage haben im inter­na­tio­na­len Ver­gleich kleine Aus­maße : „Wir haben nicht so große Zug­pferde wie etwa die Schweiz mit Diogenes.“
Vor allem Lite­ra­tur­ver­lage kom­men ohne För­der­mit­tel kaum aus. Der öster­rei­chi­sche Markt ist beschränkt, in Deutsch­land Fuß zu fas­sen nicht ein­fach. Klei­nere Ver­lage sind daher oft von öffent­li­chen Unter­stüt­zun­gen stär­ker abhän­gig als von den Markt­be­din­gun­gen. Allein die Druck­kos­ten seien über die Ein­nah­men aus dem Ver­kauf schwer zu bewäl­ti­gen, erzählt der Ver­le­ger Ralph Kle­ver. Und : Rich­tig gut leben könne man vom Bücher­ma­chen ohne­hin nicht.

Nischen fin­den
Warum man trotz­dem einen Ver­lag grün­det, hat mehr mit der Liebe zur Lite­ra­tur und gut gemach­ten Büchern als mit der Hoff­nung auf kom­mer­zi­el­len Erfolg zu tun. „Die Autoren sol­len mit den Büchern, die wir machen, zufrie­den sein“, sagt Kle­ver. Eine eigene Pro­gramm­ni­sche zu fin­den, spiele für Klein­ver­lage eine wich­tige Rolle. „Wir sind ein rei­ner Lite­ra­tur­ver­lag mit zwei Schie­nen : Essay­is­tik und Literatur.“
Eine Nische hofft auch der Wel­ser Mit­ter Ver­lag für sich ent­deckt zu haben – die inter­me­diale Lite­ra­tur. Eine erste Antho­lo­gie, die sich dem Mit­ein­an­der von Text und Foto­gra­fie wid­met, erscheint Anfang März unter dem Titel Ver­schluss­laute, eine Zeit­schrift soll fol­gen. „Wir ver­su­chen, mit inter­me­dia­len Tex­ten in eine Nische zu gehen, in der wir noch allein sind, und hof­fen, diese aus­bauen zu kön­nen. Das sind Wege, die ein Klein­ver­lag gehen muss, wenn er wahr­ge­nom­men wer­den will. Neue Wege sind immer mit einem Risiko ver­bun­den ; man weiß nicht, wie man auf­ge­nom­men wird“, sagt Alfred Gelb­mann vom Mit­ter Ver­lag. Gemein­sam mit sei­ner Frau hat er 2006 den Ver­lag gegrün­det. Bis­lang ist im Mit­ter Ver­lag Lyrik und Prosa öster­rei­chi­scher Gegen­warts­au­toren, dar­un­ter Erich Wolf­gang Skwara, erschie­nen. „Es erfüllt mich mit Freude, ein Buch zu machen. Wir sind kein wirt­schaft­li­ches Unter­neh­men, son­dern ein lite­ra­ri­sches“, sagt Gelb­mann über sei­nen Verlag.

Im sie­ben­ten Jahr
„Was ein Klein­ver­lag ist, da gibt es ver­schie­dene Defi­ni­tio­nen, wir sehen uns nach wie vor als Klein­ver­lag“, sagt Ste­fan Buch­ber­ger vom Wie­ner Luft­schacht Ver­lag. Zwölf Titel erschei­nen pro Jahr, der Ver­lag wurde vor sie­ben Jah­ren gegrün­det und hat mitt­ler­weile in der Bran­che einen bekann­ten Namen – bis hin nach Deutsch­land. „Es hat uns sehr gehol­fen, dass wir uns dort schon früh mit der Gruppe unab­hän­gi­ger Ver­lage zusam­men­ge­tan haben“, sagt Buch­ber­ger, der gemein­sam mit Jür­gen Lag­ger den Ver­lag betreibt. Gehol­fen hat anfangs auch die Antho­lo­gie des FM4-Nach­wuchs­li­te­ra­tur­wett­be­werbs „Wort­laut“, die jähr­lich bei Luft­schacht erscheint. Lukas Meschik wurde von Luft­schacht über den Wett­be­werb ent­deckt. Im März erscheint das zweite Buch des 21-Jäh­ri­gen, des­sen Debüt auch im deut­schen Feuil­le­ton rezen­siert wurde.
Pro­gramm ist bei Luft­schacht, was stim­mig ist. Neben Roma­nen, län­ge­ren Erzäh­lun­gen und Antho­lo­gien fin­den sich die Spar­ten Comic und Kin­der­buch im Ver­lags­pro­gramm. Ange­mes­sen ver­packte Bücher, die einen Anspruch haben : „Ich möchte nichts machen, was irgend­wann pein­lich ist, dann könnte ich gleich in einer Bank arbeiten.“

Autor:
26.02.2010

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