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© Pexels.com/Anete Lusina

Kon­ti­nu­ier­li­cher Beschwer­de­boom im Internet

Die Inter­net Ombuds­stelle ver­zeich­nete 11.000 Anfra­gen und Beschwer­den für 2021. Im Zen­trum ste­hen Abo-Fal­len, Fake-Shops und Betrug sowie Schlich­tung beim Thema Lie­fe­rung und Rücktrittsrecht. 

Dass die Pan­de­mie als Digi­ta­li­sie­rungs-Motor gewirkt hat, spie­gelt sich auch im Jah­res­be­richt 2021 der Inter­net Ombuds­stelle wider, wo sich die Ein­ga­ben bei der Schlich­tungs- und Bera­tungs­stelle seit dem Aus­bruch der Corona-Pan­de­mie ent­spre­chend gehäuft haben. Das Mehr an digi­ta­len Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten bringt nicht nur mehr Kom­fort, son­dern auch mehr Pro­bleme und Ärger­nisse mit sich. 

Neue Her­aus­for­de­run­gen wie Internet-Betrug
Nach einem Beschwerde-Rekord 2020 setzte sich die­ser Trend auch 2021 fort. Das Exper­ten-Team von der staat­lich aner­kann­ten Inter­net-Ombuds­stelle ver­zeich­nete exakt 10.726 Ein­ga­ben von Kon­su­men­ten. In 2.879 Fäl­len wur­den außer­ge­richt­li­che Streit­bei­le­gungs­ver­fah­ren mit den Unter­neh­men durch­ge­führt. In 6.872 Fäl­len beriet die Inter­net Ombuds­stelle Ver­brau­cher zu kon­kre­ten Rechts­fra­gen oder Pro­ble­men rund um Online-Shop­ping und die Nut­zung digi­ta­ler Medien, so die Angaben.

„Digi­tale Tools und Ser­vices haben wäh­rend der Pan­de­mie mas­siv an Bedeu­tung gewon­nen – und das wird auch so blei­ben. Damit sind auch neue Her­aus­for­de­run­gen wie Inter­net-Betrug ver­bun­den und hier gilt es, die Kon­su­men­tIn­nen best­mög­lich zu infor­mie­ren und vor Scha­den zu bewah­ren“, erläu­tert Johan­nes Rauch als zustän­di­ger Kon­su­men­ten­schutz­mi­nis­ter. „Wir unter­stüt­zen daher die Inter­net Ombuds­stelle und die Watch­list Inter­net, die einen wich­ti­gen Bei­trag zum Ver­brau­cher­schutz leisten.“

Akzep­tanz bei Unter­neh­men steigt
„Im letz­ten Jahr haben sich in 81 Pro­zent der Schlich­tungs­fälle öster­rei­chi­sche Unter­neh­men an den Streit­bei­le­gungs­ver­fah­ren betei­ligt. Das sind um 6 Pro­zent mehr als im Jahr 2020. Diese hohe Teil­nah­me­quote zeigt, dass auch die Unter­neh­men unser unpar­tei­isches Schlich­tungs­an­ge­bot immer bes­ser anneh­men und die Bereit­schaft vor­han­den ist, sich im Streit­fall außer­ge­richt­lich zu eini­gen“, unter­streicht Karl Gladt, Lei­ter der Internet-Ombudsstelle.

Sehen las­sen kann sich auch die Erfolgs­quote : In 73 Pro­zent die­ser Schlich­tungs­fälle konnte die Inter­net-Ombuds­stelle eine Eini­gung zwi­schen Kon­su­men­tIn­nen und Unter­neh­men erwir­ken. 2019 waren es noch 67 Pro­zent und 2020 wurde in 72 Pro­zent der Fälle eine Eini­gung erzielt. Schlich­tungs­ver­fah­ren fol­gen dann, wenn Beschwer­den von Ver­brau­chern gegen ein Unter­neh­men mit Sitz in Öster­reich oder der EU vorliegen. 

Pro­bleme mit Lie­fe­run­gen und dem Rücktrittsrecht
Am häu­figs­ten bezo­gen sich die Beschwer­den 2021 auf ver­zö­gerte oder aus­blei­bende Lie­fe­run­gen und Pro­bleme mit dem Rück­tritts­recht, gefolgt von Strei­tig­kei­ten über Lauf­zeit und Kün­di­gung bzw. Gül­tig­keit von Ver­trä­gen. Wei­ter zuge­nom­men haben Beschwer­den zu soge­nann­ten „Drop­ship­ping-Händ­lern“. Dabei han­delt es sich um Online-Anbie­ter mit Sitz in der EU, die Waren vom Her­stel­ler bzw. Groß­händ­ler (meist aus China) direkt an den Kun­den ver­schi­cken las­sen – ohne die Pro­dukte jemals in Hän­den zu halten. 

Diese Ver­triebs­me­thode hat wäh­rend der Pan­de­mie deut­lich zuge­nom­men und zieht ins­be­son­dere junge Ein­zel­un­ter­neh­mer an. Bil­lig bezo­gene Waren wer­den hier über schlichte Web­sites und Social Media bewor­ben und mit gro­ßer Gewinn­spanne ver­kauft. Für Kon­su­men­tIn­nen bedeu­tet das jedoch oft eine böse Über­ra­schung, wenn sie fest­stel­len, dass sie meh­rere Wochen auf ihr Paket aus Asien war­ten müs­sen oder Pro­bleme bei Retou­ren oder Gewähr­leis­tungs­rech­ten auftreten.
 
Abo-Fal­len, Betrug und Fake-Shops
Zu einem Schlich­tungs­ver­fah­ren kommt es aber nicht immer. Die Inter­net Ombuds­stelle bie­tet umfas­sende Bera­tung zu zahl­rei­chen The­men – von E‑Commerce über Daten­schutz­recht bis zur Bezah­lung. Über die Ombuds­stelle ste­hen bereits mehr als 200 bekannte Fra­ge­stel­lun­gen zur Ver­fü­gung, auch zu „Hass im Netz“. Am häu­figs­ten wurde die Bera­tung zu Abo-Fal­len gebraucht : Rech­nun­gen für angeb­li­che Mit­glied­schaf­ten auf Fake-Platt­for­men, SMS zu ver­meint­li­chen Paket-Zustel­lun­gen oder Gewinn­spiele sind oft Lock­mit­tel von Kri­mi­nel­len, um Kre­dit­kar­ten-Abbu­chun­gen zu ergaunern. 

Sehr viele Ein­ga­ben dreh­ten sich auch um Inter­net-Betrug : Vom „Tech Sup­port Scam“ (bei dem Opfer ver­meint­li­chen Apple- oder Micro­soft-Mit­ar­bei­tern Zugriff auf ihren Com­pu­ter gewäh­ren) bis hin zu betrü­ge­ri­schen Inves­ti­ti­ons-Platt­for­men, die statt hoher Kurs­ge­winne den Ver­lust der Ver­an­la­gung bedeu­ten. An drit­ter Stelle lie­gen Fra­gen zu Fake-Shops. Die Betrü­ger hin­ter die­sen vor­geb­li­chen Online-Shops set­zen vor allem auf Waren, die in Europa stark nach­ge­fragt aber mit lan­gen War­te­zei­ten ver­bun­den sind – etwa E‑Bikes, Gar­ten- und Grill­zu­be­hör oder die Play­sta­tion 5.

Watch­list Inter­net warnt vor Betrugsmaschen
Ergänzt wird das Ange­bot der Inter­net Ombuds­stelle durch die Watch­list Inter­net (siehe Link). Sie infor­miert Kon­su­men­tIn­nen lau­fend über neue Betrugs­ma­schen und aktu­elle Fälle, damit diese erst gar nicht in die Falle tap­pen. Die Watch­list Inter­net greift dafür neben den Beschwer­den bei der Inter­net Ombuds­stelle auf eigene Recher­chen sowie Mel­dun­gen von Nut­ze­rIn­nen (Use­rIn­nen) zurück.

Im Jahr 2021 gin­gen bei der Watch­list Inter­net in Summe 13.453 Mel­dun­gen ein, auf deren Basis unter ande­rem 4.276 Fake-Shop-War­nun­gen aus­ge­spro­chen wur­den. Die Web­site ver­zeich­nete 5,3 Mil­lio­nen Sei­ten­auf­rufe und ist im gesam­ten Kon­su­men­ten­schutz­be­reich ein aner­kann­tes und belieb­tes Infor­ma­ti­ons­por­tal zum Thema Internetbetrug.

Autor: red/mich/cc
01.04.2022

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