Kostendruck und Fehlentscheidungen
Laufende Kostensteigerungen, Finanzierungsschwierigkeiten sowie Fehlentscheidungen und Fahrlässigkeiten als Hauptgründe bei den Unternehmensinsolvenzen im Jahre 2025.
Die hohen wirtschaftlichen Belastungen der vergangenen Jahre aber auch Gründerfehler dominieren die Ursachenstatistik bei den Unternehmensinsolvenzen 2025, so eine aktuelle Erhebung des KSV1870. Der anhaltend hohe Kostendruck erwies sich im Vorjahr als massiver Belastungsfaktor für Österreichs Betriebe. Bereits 47 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025 sind auf „operative Ursachen“ zurückzuführen (+ 5 gegenüber 2024). In der aktuellen Krisenphase ist das ein historischer Höchstwert. Insbesondere Finanzierungsschwierigkeiten, Liquiditätsengpässe und Absatzschwächen spielen eine wesentliche Rolle.
6.800 Insolvenzen im Jahre 2025
Weiterhin allgegenwärtig sind auch Gründungsfehler mit 18 Prozent. Strategische Fehlentscheidungen (11) sowie persönliches Verschulden bzw. Fahrlässigkeit auf Führungsebene (9 Prozent) kommen vor, sind aber gegenüber dem Jahr 2024 vergleichsweise weniger häufig die Gründe für Insolvenzen. Zu diesem Ergebnis gelangt eine aktuelle KSV1870 Analyse von rund 3.800 eröffneten Firmenpleiten im Jahr 2025. Die Geschäftslage ist in Österreich seit einiger Zeit schwach. In Zusammenspiel mit der hohen Kostenbelastung führte das zu einer gefährlichen Kombination, die für viele Unternehmen zur unüberwindbaren Hürde wurde.
Im Jahr 2025 mussten etwas mehr als 6.800 Betriebe Insolvenz anmelden. „Zwar weisen laut unser jüngsten Austrian-Business-Check-Umfrage in Österreich knapp 70 Prozent der Unternehmen nach wie vor eine solide Finanzstruktur auf, dennoch ist für viele das Ende der Fahnenstange erreicht“, analysiert Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz. „Sie können den Kostenberg nicht mehr bewältigen und müssen Insolvenz anmelden“, so Götze.
Operative Ursachen steigen seit Jahren konstant
Bei fast jeder zweiten Unternehmensinsolvenz des Vorjahres sind operative Mängel der Hauptgrund. Dazu zählen Finanzierungsschwächen und eine mangelnde Forderungsbetreibung aber auch Absatzschwächen, eine schlechte Kostenstruktur und ein mangelhaftes Controlling. Mit Blick auf die vergangenen Krisenjahre zeigt sich, dass operative Ursachen zuletzt deutlich häufiger in Erscheinung getreten sind als noch vor einigen Jahren. „Es entsteht zunehmend der Eindruck, dass viele Betriebe aufgrund des anhaltenden Krisenmodus ihre Basisarbeit im Tagesgeschäft vernachlässigen“, erläutert Götze.
Gründungsfehler waren auch im Vorjahr für beinahe jede fünfte Unternehmensinsolvenz ursächlich, wenngleich es gegenüber dem Jahr 2024 einen kleinen Rückgang zu verzeichnen gab. Insbesondere fehlendes branchenspezifisches Know-how oder mangelhafte betriebswirtschaftliche Kenntnisse stehen in dieser Kategorie an erster Stelle. Darüber hinaus ist mitunter zu wenig Eigenkapital bei der Gründung vorhanden oder es fehlt dem Gründer schlichtweg die Fähigkeit, ein Unternehmen zu gründen.
Strategische Fehler und persönliche Umstände
„Die aktuelle Marktlage verzeiht keine Wissenslücken rund um eine Gründung. Wer aktuell plant, einen Betrieb aus der Taufe zu heben, sollte über viel Know-how verfügen“, betont Götze. Laut vorliegender Analyse sind 11 Prozent aller Firmenpleiten des Vorjahres auf strategische Ursachen, insbesondere auf eine mangelhafte Antwort auf Marktveränderungen, zurückzuführen. Und weitere neun Prozent der Pleiten wurden durch die Vernachlässigung von klassischen Geschäftsführungsaufgaben sowie strafbare Handlungen herbeigeführt.
In den vergangenen Jahren waren dann noch „unbeherrschbare Umstände“ für mehr als 20 Prozent der Insolvenzen verantwortlich (Höchststand 28 Prozent im Zuge der Corona-Krise 2022). Diese Entwicklung zeigt auch 2025 bereits das dritte Jahr in Folge nach unten. Im Vorjahr waren österreichweit nur noch sieben Prozent aller Firmenpleiten auf „unbeherrschbare Umstände“ zurückzuführen. Auffallend ist dabei, dass Krankheiten oder Unglücksfälle erstmals seit 2019 häufiger als Insolvenzursache genannt wurden als Naturkatastrophen, Kriegshandlungen oder Pandemien. (red/cc)