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© Dorotheum_Markus Prachensky_"Rot Auf Weiß", 1960

Krise, wel­che Krise ?

Der qua­li­ta­tive Kunst­auk­ti­ons­markt funk­tio­niert. Aktu­ell fal­len wie­der Rekord­preise. Anzahl der Ver­käufe auch hoch. Ein Bei­spiel sind die Zeit­ge­nos­sen im Wie­ner Doro­theum. Am 3. Dezem­ber folgt Im Kin­sky nächste Auk­tion mit hoch­ka­rä­ti­gen Werken.

236 Mil­lio­nen Dol­lar für ein Werk von Gus­tav Klimt oder knapp 55 Mil­lio­nen für eine Male­rei von Frida Kahlo bei den aktu­el­len Kunst­auk­tio­nen des inter­na­tio­na­len Auk­ti­ons­hau­ses Sothe­bys in New York zei­gen mit ande­ren Mil­lio­nen­ver­käu­fen, dass qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige oder nament­lich pro­mi­nente Kunst­werke wie­der oder wei­ter potente Käu­fer finden.

Was augen­schein­lich inter­na­tio­nal gilt, ist auch im hei­mi­schen Markt zu beob­ach­ten. Nach­dem im Wie­ner Doro­theum bei der „Klas­si­schen Moderne“ eine Papier­ar­beit von Egon Schiele 3,2 Mil­lio­nen Euro erzielte, wur­den soeben auch im Seg­ment der Zeit­ge­nös­si­schen Kunst (ab 1945) meh­rere Rekor­der­löse für hei­mi­sche Maler ver­mel­det. Auch die Anzahl der ver­kauf­ten Werke ist hoch, bei den zwei auf­ge­teil­ten Auk­tio­nen konn­ten für exakt 70 (!) Pro­zent der 372 ange­bo­te­nen Lose Käu­fer gefun­den wer­den. Der lau­fende Nach­ver­kauf ist hier noch nicht berücksichtigt. 

Zwei tsche­chi­sche Künst­ler mit den höchs­ten Zuschlägen

Die gesam­ten Erlöse bei bei­den Zeit­ge­nos­sen-Auk­tio­nen belie­fen sich inklu­sive Abga­ben auf rund 11,5 Mil­lio­nen Euro (Nach­ver­kauf ebenso noch nicht berück­sich­tigt). Das teu­erste Werk (Two Inqui­si­tors II“) des tsche­chi­schen Künst­lers Niko­laus Medek (1926 bis 1974) erzielte 812.000 Euro. Ebenso begehrt war eine Arbeit (Linie č. 109“) des auch aus Tsche­chien stam­men­den Künst­lers Zdeněk Sýkora (1920 bis 2011) mit einem erziel­ten Preis von 737.500 Euro. Sýkora begann als einer der Ers­ten Bild­kom­po­si­tio­nen mit­tels Com­pu­ter zu entwickeln.

Unter den wei­te­ren Top-Ergeb­nis­sen waren Andy War­hols „Ten Jews“ mit 636.000 Euro, Fer­nando Boteros „Man Eating“ für 325.000 Euro, der Korea­ner Lee Ufan mit „From Line No. 790256“ für 311.000 Euro, Carla Accar­dis „Scuro blu“ für 222.000 Euro oder Jean Fau­triers „Le Mar­quis“, für 208.000 Euro. Hohe Zuschläge erziel­ten auch Werke von Josef Albers, Hans Har­tung, Julian Schna­bel oder Enrico Cas­tel­lani. Die schon seit Jah­ren kon­se­quent ver­folgte Linie der Inter­na­tio­na­li­sie­rung trägt wei­ter Früchte für das Auk­ti­ons­haus Doro­theum (neben einer immer grö­ße­ren Viel­falt bei ande­ren Auk­ti­ons-Seg­men­ten und ‑For­ma­ten).

Rela­tio­nen im Kon­text mit Preis, Anzahl und qua­li­ta­ti­ver Wertigkeit

Rekord­zu­schläge, wenn auch ver­gleichs­weise nied­ri­gere Beträge, erziel­ten hier auch öster­rei­chi­sche Maler, dar­un­ter eine groß­for­ma­tige rote Abs­trak­tion des im Juni die­ses Jah­res ver­stor­be­nen Her­bert Brandl mit 175.500 Euro oder Mar­kus Pra­chen­sky (1932 bis 2011) mit 143.000 Euro für „Rot auf Weiß – Sebas­ti­an­platz“ aus 1960, ebenso eine rot­do­mi­nie­rende Abs­trak­tion — und als wirk­lich groß­ar­ti­ges Bild auch die „Über­ma­lung“ die­ses Tex­tes. eco­nomy konnte es auch in Natura bewundern. 

Inter­es­san­ter, weil aus­sa­ge­kräf­ti­ger für die aktu­elle Markt­si­tua­tion sind die Rela­tio­nen bei Anzahl, qua­li­ta­ti­ven Wer­tig­kei­ten und Ver­käu­fen. Von den bereits ange­führ­ten 372 ange­bo­te­nen zeit­ge­nös­si­schen Wer­ken im Doro­theum wur­den eben exakt hohe 70 Pro­zent ver­kauft. Ein­zeln betrach­tet waren es bei der höher­wer­ti­ge­ren Auk­tion „Zeit­ge­nos­sen I“ 78 von 113 ange­bo­te­nen Wer­ken und bei den nied­rig­prei­si­ge­ren „Zeit­ge­nos­sen II“ waren es 181 von 259 Wer­ken (ohne lau­fen­den Nachverkauf).

Die Rolle der Öster­rei­chi­schen Künstler:innen

Bei „Zeit­ge­nos­sen II“ wur­den diese 181 Werke zu einem Gesamt­preis von knapp 3 Mil­lio­nen Euro ver­kauft, dar­aus ergibt sich ein durch­schnitt­li­cher Ein­zel­preis von rund 16.500 Euro. Ein­zelne Werke brach­ten aber auch hier Erlöse von (tlw. weit) über 100.000 Euro. Bei „Zeit­ge­nos­sen I“ wur­den die 78 Werke zum Gesamt­preis von knapp 8,5 Mil­lio­nen Euro ver­kauft, macht 109.000 Euro als durch­schnitt­li­chen Ein­zel­preis. Sechs Werke brach­ten hier über 300.000 Euro, davon drei über 500.000 Euro.

Spit­zen­preise gab es dabei auch für wei­tere Werke von Her­bert Brandl oder Arnulf Rai­ner. Bil­der von Her­mann Nit­sch blie­ben (aber­mals) etwas unter den Erwar­tun­gen. Wei­tere öster­rei­chi­sche Künstler:innen bei der Auk­tion waren Mar­tha Jung­wirth (nicht mehr ganz so begehrt wie zuletzt), Bri­gitte Kowanz, Franz West (sehr begehrt), Erwin Wurm, Hubert Scheibl, Hans Stau­dacher, Otto Muehl oder Gün­ter Brus.

Auk­ti­ons­platt­form für qua­li­ta­tiv gute aber noch unbe­kann­tere Künstler:innen

Zusam­men­ge­fasst im Kon­text mit etwa­igen Kri­sen­dis­kus­sio­nen soll es schon schlech­tere Auk­ti­ons­er­geb­nisse gege­ben haben. In Ver­bin­dung mit Öster­rei­chi­schen Künstler:innen zeigt sich aber ein­mal mehr, dass nur die bekann­ten Namen im Auk­ti­ons­ge­schäft funk­tio­nie­ren bzw. von den Auk­ti­ons­häu­sern genom­men wer­den. Eine Art „Henne-Ei-Prin­zip“. Hier wird dem typisch öster­rei­chi­schen Sam­meln von Namen (und Wie­der­erkenn­bar­keit) Rech­nung getra­gen. Aus unter­neh­me­ri­scher Sicht der Auk­ti­ons­häu­ser an sich ver­ständ­lich, Kata­loge, Mit­ar­bei­tende, Ver­mark­tung & Co. sind kostenintensiv.

Kunst­markt­po­li­tisch, auch aus Sicht der Künstler:innen und deren Gale­rien, wäre es aber an der Zeit auch ein kura­tier­tes Auk­ti­ons-Seg­ment (inkl. glei­che Live-Auk­tio­nen) für qua­li­ta­tiv gute jün­gere oder noch nicht so bekannte Künstler:innen zu eröff­nen. Jün­ge­res kunst­in­ter­es­sier­tes aber (noch) nicht finanz­star­kes Publi­kum würde sich sicher freuen und die damit ver­bun­dene, ver­mark­tungs­tech­nisch immer wich­ti­gere Sicht­bar­keit in den Kunst­markt-Daten­ban­ken/-Por­ta­len ist dann auch gege­ben. In Deutsch­land ist etwa mit die­ser Schiene das Auk­ti­ons­haus „Gri­se­bach“ schon län­ger erfolgreich. 

Nächste wich­tige Auk­tio­nen am 27. Novem­ber und 3. Dezember

In Öster­reich hat neben Otto Ress­ler (Ress­ler-Auk­tio­nen) der Kunst­händ­ler Roland Wid­der im Seg­ment der Klas­si­schen Moderne (Jahre 1900 bis 1935) begon­nen auch noch nicht so bekannte Künst­ler über seine „Wid­der-Auk­tio­nen“ anzu­bie­ten, das nächste Mal am kom­men­den 27. Novem­ber. Eta­blierte Öster­rei­chi­sche Zeit­ge­nos­sen kom­men dann wie­der am 3. Dezem­ber im Auk­ti­ons­haus Im Kin­sky „zum Ruf“. Neben Rai­ner, Jung­wirth, Nit­sch & Co. wer­den hier auch zwei sel­tene frühe Werke von Alfred Korn­ber­ger (Wien 1933 bis 2002 Wien) ange­bo­ten. In Fach­krei­sen und musea­len Samm­lun­gen ist der expres­sive Kolo­rist schon lange Fix­punkt, beim brei­te­ren Publi­kum noch nicht. Er ist also einer jener Künst­ler, die es noch zu ent­de­cken gilt. 

„Alfred Korn­ber­ger ist der Egon Schiele in der Kunst nach 1945. Das gilt für die glei­che hand­werk­li­che Qua­li­tät und für seine ebenso ver­gleich­bare Obses­sion für den weib­li­chen Akt“, urteilte der große Samm­ler und Muse­ums­grün­der Rudolf Leo­pold 2008 bei der Prä­sen­ta­tion des von Franz Smola (damals Chef­ku­ra­tor Leo­pold Museum, jetzt Bel­ve­dere) her­aus­ge­ge­be­nen Werk­ver­zeich­nis­ses (WVZ) der Ölge­mälde von Korn­ber­ger. Die­ses WVZ gibt es auch online (siehe Link), man kann sich also „ein­schauen“ – um dann bei der Kin­sky-Auk­tion einen neuen Tref­fer zu lan­den. (red/​czaak ; Com­pli­ance-Hin­weis : Die Fami­lie des Autors betreibt in Wien eine Galerie)

Autor: red/czaak
21.11.2025

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