
Laborarbeit mit Mehrwert
In der Gen-Au-Summerschool erhalten Jugendliche Einblicke in die Welt und Arbeitsweise der Wissenschaft. Das Praktikum dient der ersten Kontaktaufnahme mit naturwissenschaftlichen Disziplinen und der gezielten Nachwuchsförderung in einer zukunftsträchtigen Branche.
Grundsätzlich steckt in jeder Initiative, die es sich zur Aufgabe macht, Jugendliche an das echte Arbeitsleben heranzuführen, großes Potenzial. Umso mehr gilt das, wenn dies in Bereichen geschieht, die hierzulande als Schlüsseldisziplinen für zukünftigen Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit gesehen werden.
Eine davon ist die sogenannte wissensbasierte Bioökonomie (Knowledge-Based Bio-Economy), und nähergebracht wird diese interessierten Schülerinnen und Schülern ab dem 17. Lebensjahr von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung initiierten Genomforschungsprogramm Gen-Au. Seit dem Jahr 2003 gibt es die Gen-Au-Summerschool, die während der Sommermonate mehrere Wochen lang Einblicke in biowissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Institutionen in ganz Österreich gewährt und die Jugendlichen
aktiv an der Forschungsarbeit teilhaben lässt.
Gezielte Nachwuchsförderung
Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei, wie neues Wissen entsteht und wie man recherchiert. Sie übernehmen Eigenverantwortung, und sie lernen Wissenschaft als Beruf, Genomforschung als aktuelles Wissenschaftsgebiet und Gen-Au als Wissenschaftsprogramm kennen. Markus Schmidt, Betreuer der Gen-Au-Summerschool : „Es ist bekannt, dass sich junge Menschen heute seltener für naturwissenschaftliche Fächer an den Unis inskribieren als früher. Die Initiative versucht in dieser Hinsicht, die Lücke von der Schule zu den Unis beziehungsweise der Berufswahl zu schließen. Unsere Aufgabe ist es, die Auswirkungen der neuen Bioökonomie auf und Interaktionen mit der Gesellschaft und Umwelt zu erforschen und zu thematisieren. In der Summerschool können sich Jugendliche ein ganz konkretes Bild von unserer Arbeit machen.“
Die Praxis gibt Schmidt recht. In vielen Fällen war die Summerschool eine Entscheidungshilfe für die spätere Studienwahl. Den Auftakt zur Summerschool bilden Jahr für Jahr die sogenannten Infodays, die in Wien, Graz und Innsbruck stattfinden. Interessierte Schülerinnen und Schüler kommen aus ganz Österreich angereist, um mit Forscherinnen und Forschern zu diskutieren und sich für einen Praktikumsplatz vormerken zu lassen. Das Aufnahmeverfahren ist umfangreich. Die Motivationsschreiben der Bewerber werden zunächst von
einer Jury bewertet und gereiht. In einer zweiten Runde wird in einem persönlichen Gespräch zwischen Bewerber und Laborbetreuer über die endgültige Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer entschieden. Die Schülerinnen und Schüler sind während des Praktikums bei der jeweiligen Institution angemeldet und versichert und erhalten ein Taschengeld in Höhe von 200 Euro. Im Rahmen des Praktikums berichten die Jugendlichen regelmäßig über ihre Forschungsarbeit und ihre persönlichen Erlebnisse und Eindrücke in einem Weblog. Diese Einträge werden für die abschließende Praktikumsdokumentation herangezogen, welche von einer Jury bewertet wird. Die besten Arbeiten werden bei einem Abschluss-Event vorgestellt und prämiert.
Ambitionierte Aufgaben
Für heuer rechnen die Organisatoren mit rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die von renommierten österreichischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, darunter Josef Penninger und Rudolf Zechner, betreut werden. Auf die Praktikantinnen und Praktikanten wartet eine Vielzahl von ambitionierten Aufgaben. Schmidt : „In meiner Gruppe wird es um einen Beitrag zum Projekt ‚Cisynbio : Cinema and Synthetic Biology‘ gehen. Die Schülerinnen und Schüler werden gebeten, ihre Ideen und Vorstellungen zu den Möglichkeiten, Chancen und Risiken der synthetischen Biologie filmisch umzusetzen. Dabei sollen reale wissenschaftlich-technische Aspekte genauso berücksichtigt werden wie gesellschaftliche Aspekte und Zugänge aus der Biokunst.“