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Donnerstag, 11.12.2025 | 16:48

Lern­runde und Echtbetrieb

Fried­rich Faul­ham­mer : „Minis­ter Hahn akti­viert 34 Mil­lio­nen Euro aus sei­ner Reserve für Aus­nah­me­si­tua­tio­nen. Das Geld muss in den Hör­sä­len bei den Stu­die­ren­den ankom­men.“ Der Gene­ral­se­kre­tär des Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums über uni­ver­si­täre Res­sour­cen­bün­de­lung, man­gelnde Beschäf­ti­gungs­fä­hig­keit und unver­bind­li­ches Studieren. 

eco­nomy : Sie ste­hen mit den Uni­ver­si­tä­ten der­zeit in Leis­tungs­ver­ein­ba­rungs­ver­hand­lun­gen. Par­al­lel dazu ent­steht der öster­rei­chi­sche Hoch­schul­plan, eine Art uni­ver­si­täre Lang­zeit­stra­te­gie. Sind die aktu­el­len Bud­get­ver­hand­lun­gen eine Art Provisorium ?
Fried­rich Faul­ham­mer : Kei­nes­wegs. Die Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen sind eine Kon­se­quenz des Uni­ver­si­täts­ge­set­zes 2002. Darin wur­den für die Uni­ver­si­tä­ten drei­jäh­rige Glo­bal­bud­gets fest­ge­legt. Im Gegen­zug müs­sen diese die ent­spre­chen­den Leis­tun­gen erbrin­gen. Für 2007 bis 2009 ist das gesche­hen, jetzt ver­han­deln wir 2010 bis 2012. Wei­ters haben wir mit den Arbei­ten zum öster­rei­chi­schen Hoch­schul­plan begon­nen : Es geht um die Abstim­mung der Ange­bote unter­ein­an­der. Das Pro­jekt soll recht­zei­tig zu Beginn der nächs­ten Leis­tungs­ver­ein­ba­rungs­ver­hand­lun­gen fer­tig sein. Wir neh­men uns Zeit, um grund­sätz­li­che Fra­gen breit zu dis­ku­tie­ren, etwa, wel­che Erwar­tun­gen die Gesell­schaft an die Uni­ver­si­tä­ten hat, ob Bil­dung oder Aus­bil­dung im Vor­der­grund ste­hen soll. 

Bedeu­tet „Abstim­mung der Ange­bote unter­ein­an­der“ Sparmaßnahmen ?
Es geht um die Frage, wie wir unsere Res­sour­cen noch bes­ser ein­set­zen kön­nen. Es gibt sehr gute Bei­spiele, wie etwa das Pro­jekt Nawi Graz, wo sich die Uni­ver­si­tät und die TU Graz in den Berei­chen Phy­sik, Che­mie und Mathe­ma­tik abstim­men. Ziel ist es, die künf­tige Schwer­punkt­set­zung bes­ser zu koor­di­nie­ren, also wel­che Uni­ver­si­tät ver­mehrt in wel­chen Bereich inves­tiert. Damit wer­den beide bes­ser, und der For­schungs-Out­put steigt.

Wie ver­bind­lich soll der öster­rei­chi­sche Hoch­schul­plan sein:eine Dis­kus­si­ons­grund­lage oder mehr ?
Ziel ist, dass der brei­ten Dis­kus­sion eine Art Weiß­buch für den öster­rei­chi­schen Hoch­schul­raum folgt, um bei den nächs­ten Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen kon­krete Umset­zungs­schritte mit den Uni­ver­si­tä­ten zu verhandeln.

Wie wir­ken sich die Stu­den­ten­pro­teste auf die Bud­get­ver­hand­lun­gen mit den Unis aus ?
Aus­wir­kun­gen auf die Gesprä­che mit den Unis zu ihren jewei­li­gen Bud­gets sehe ich keine. Das Bud­get für die kom­men­den drei Jahre steht. Diese Mit­tel gilt es nun sinn­voll ein­zu­set­zen. Zusätz­lich akti­viert Minis­ter Hahn 34 Mio. Euro aus sei­ner Reserve für Aus­nah­me­si­tua­tio­nen. Die­ses Geld muss in den Hör­sä­len bei den Stu­die­ren­den ankommen.

Mit dem Image der Bache­lor-Abschlüsse steht es nicht zum Bes­ten. Müs­sen bes­sere Stu­di­en­in­halte oder viel­mehr glei­ches Geld in der Wirt­schaft her ?
Sie spre­chen ein viel­schich­ti­ges Pro­blem an. Der Bache­lor ist noch zu wenig weit ver­brei­tet und bekannt. Auch sind die Cur­ri­cula zum Teil noch nicht so gestal­tet, dass der Bache­lor-Abschluss den Ein­stieg ins Berufs­le­ben ebnet. Damit sind wir beim Punkt : Diese Beschäf­ti­gungs­fä­hig­keit gilt es zu sichern. Ent­spre­chend ist in der UG-Novelle vor­ge­se­hen, dass in jedem Bache­lor-Cur­ri­cu­lum künf­tig ein Qua­li­fi­ka­ti­ons­pro­fil ent­hal­ten sein soll, sodass Stu­die­rende und Arbeit­neh­mer genau über Qua­li­fi­ka­tio­nen und Ein­satz­mög­lich­kei­ten Bescheid wis­sen. Die Anstel­lung im öffent­li­chen Dienst wird uns seit Lan­gem vor­ge­hal­ten. Tenor : Solange der Bache­lor nicht A‑wertig ist (die Besol­dungs­stufe für Aka­de­mi­ker, Anm. d. Red.), wird es auch die Wirt­schaft nicht aner­ken­nen. Da müs­sen wir dran­blei­ben und ent­spre­chende Schritte setzen.

Die UG-Novelle führt ein den USA ähn­li­ches Ten­ure-Track-Sys­tem ein. Erwar­ten Sie, dass Wis­sen­schaft­ler nun ver­stärkt nach Öster­reich kommen ?
Ja, wir erwar­ten uns ver­stärk­tes Inter­esse. Bei den plan­ba­ren Kar­rie­ren gab es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Unsi­cher­hei­ten. Ich denke schon, dass das Ten­ure-Track-Sys­tem für Wis­sen­schaft­ler, die sich über­le­gen, nach Öster­reich zurück­zu­ge­hen, durch­aus attrak­tiv sein kann.

Seit Weg­fall der Stu­di­en­ge­büh­ren stei­gen die Stu­die­ren­den­zah­len kräf­tig an. Ist das För­der­sys­tem für finan­zi­ell Schwa­che weni­ger treff­si­cher als angenommen ?
Wir müs­sen die Fak­to­ren, die zur Zunahme geführt haben, genau ana­ly­sie­ren. Es ist denk­bar, dass eine Rück­füh­rung zur Unver­bind­lich­keit des Stu­di­ums erfolgt, wie es vor Ein­füh­rung der Stu­di­en­bei­träge der Fall war : dass man auto­ma­tisch inskri­biert und schaut, was pas­siert. Die Stu­di­en­bei­träge führ­ten dazu, dass das Stu­dium kon­se­quen­ter betrie­ben wird. Die Absol­ven­ten­zah­len stie­gen an, die durch­schnitt­li­che Stu­di­en­zeit sank. Es gibt daher Grund zur Annahme, dass die neue Rege­lung dies konterkariert.

Die Leis­tungs­ver­ein­ba­rungs­ver­hand­lun­gen war eini­gen Rek­to­ren zu straff geführt. Ist bis Jah­res­ende wie­der alles gut ?
Die erste Runde vor drei Jah­ren war eine „Lern­runde“ – sowohl für die Unis als auch das Minis­te­rium. Dies­mal sind wir mit kon­kre­te­ren Vor­stel­lun­gen auf die Uni­ver­si­tä­ten zuge­gan­gen, haben For­de­run­gen for­mu­liert, und das führte zur einen oder ande­ren Auf­re­gung auf Rek­to­ren­seite. Wir haben die Ver­hand­lun­gen mit einem Groß­teil der Uni­ver­si­tä­ten bereits abge­schlos­sen, und ich glaube, dass wir mit den ande­ren auf gutem Weg sind, zu einem Abschluss zu kom­men. Wir haben sub­stan­zi­ell mehr Geld für die Uni­ver­si­tä­ten zur Ver­fü­gung – ein Plus von 17 Pro­zent in den kom­men­den drei Jah­ren – das gilt es nun effi­zi­ent einzusetzen.

Sie sagen, dass die Unis eine Leis­tungs­stei­ge­rung voll­zo­gen haben. Worin besteht diese ?
Die Uni­ver­si­tä­ten sind dazu über­ge­gan­gen, for­schungs­starke Per­sön­lich­kei­ten, die auch Aus­lands­er­fah­rung gesam­melt haben, zu beru­fen. Das ist ein neuer Zugang, der sich auch darin begrün­det, dass wir bei den Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen eine stei­gende Publi­ka­ti­ons­zahl ein­for­dern. Dafür brau­chen wir noch mehr Wis­sen­schaft­ler. Denn kla­res Ziel ist es auch, sich bei der Lehre künf­tig noch stär­ker an inter­na­tio­na­len Stan­dards zu orientieren. 

Was hal­ten Sie von einem Bildungsvolksbegehren ?
Mir geht es in ers­ter Linie um eine breite Dis­kus­sion und Maß­nah­men, um die Qua­li­tät an Unis und Fach­hoch­schu­len wei­ter zu stei­gern. Das Instru­ment ist dabei zweitrangig.

Autor:
20.11.2009

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