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Letzt­lich erfolgreich

Anhand des Auf­re­gers HPV-Imp­fung ana­ly­siert ein FWF-Pro­jekt gesell­schafts­po­li­ti­sche Prozesse.

Gesund­heits­po­li­ti­sche Maß­nah­men pola­ri­sie­ren. Die Poli­tik­wis­sen­schaf­te­rin Katha­rina T. Paul von der Uni­ver­si­tät Wien unter­suchte die Ein­füh­rung der HPV-Imp­fung zur Krebs­vor­sorge und damit gesell­schafts­po­li­ti­sche Pro­zesse all­ge­mein. Der Wis­sen­schafts­fonds FWF unter­stützte die Arbeit Pauls mit einem Stipendium.
Die HPV-Imp­fung ist umstrit­ten. Ab 2006 wur­den Impf­stoffe zuge­las­sen, die vor allem Frauen gegen meh­rere Stämme des sexu­ell über­tra­ge­nen huma­nen Papil­loma-Virus (HPV) immu­ni­sie­ren soll­ten, dar­un­ter auch die, die Gebär­mut­ter­hals­krebs ver­ur­sa­chen. „Diese medi­zi­ni­sche Inno­va­tion wurde nicht über­all mit Begeis­te­rung auf­ge­nom­men“, erklärt die Pro­jekt­lei­te­rin. Im Gegen­teil, das vor­ge­schla­gene Impf­kon­zept, Kin­der gegen sexu­ell über­tra­gene und krebs­er­re­gende Viren zu schüt­zen, ließ die Wogen hoch gehen. „Medi­zi­ni­sche Ver­sor­gungs­prak­ti­ken sind stark von gesell­schaft­li­chen Dis­kur­sen geprägt, nicht nur von Evi­denz“, meint Paul.

Schlep­pende Umsetzung
Wie die Dis­kus­sio­nen in Öster­reich ver­lie­fen, und wer ihre Akteure waren, hat Paul in Gesprä­chen mit Ver­ant­wort­li­chen aus Medi­zin, Poli­tik, Indus­trie, der Zivil­ge­sell­schaft und Behör­den rekon­stru­iert. Ihre Ergeb­nisse hat sie mit der Ein­füh­rung der Imp­fung in den Nie­der­lan­den ver­gli­chen. Dort wurde – nach anfäng­li­chen Beden­ken – die Imp­fung bereits 2008 natio­nal imple­men­tiert. Auch in ande­ren euro­päi­schen Län­dern erfolgte die Umset­zung zügig.
In Öster­reich dau­erte der Pro­zess meh­rere Jahre. Mit dem Ergeb­nis, dass die HPV-Imp­fung 2013 in das Kin­der­impf­kon­zept auf­ge­nom­men wurde. Im Ver­gleich zu den Nie­der­lan­den, wo nur Mäd­chen (ab 13 Jah­ren) eine kos­ten­freie Imp­fung erhal­ten, wer­den in Öster­reich aktu­ell sowohl Mäd­chen als auch Buben ab 9 Jah­ren immunisiert.

Dis­kus­sio­nen mit Eltern
Die Ein­füh­rung einer medi­zi­ni­schen Tech­no­lo­gie sei nie ein­fach, kon­sta­tiert Paul. Im kon­kre­ten Fall hat sie auf­ge­zeigt, wie im Rah­men des öster­rei­chi­schen Föde­ra­lis­mus an Kon­zep­ten und der Impf-Infra­struk­tur gefeilt wurde, sodass schließ­lich eine Akzep­tanz sei­tens der Öffent­lich­keit erwar­tet wer­den konnte.
Ers­tens sei es gelun­gen, das Thema zu de-sexua­li­sie­ren, indem sowohl Mäd­chen als auch Buben bereits vor der Ado­les­zenz geimpft wer­den und die Imp­fung damit zur Kin­der­imp­fung wurde. Zwei­tens konnte man so Dis­kus­sio­nen mit Eltern umge­hen. Und drit­tens wurde die Imp­fung von drei auf zwei Dosen redu­ziert, womit die Umset­zung inner­halb eines Schul­jah­res mög­lich war.

Autor: red/stem
12.04.2016

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