
Lichtblicke mit Marktpotenzial
In Niederösterreich wurden heuer zum 21. Mal Firmen gekürt, die sich durch hohe Innovationskraft auszeichnen.
Niederösterreichs Landeshauptmannstellvertreter und Wirtschaftslandesrat Ernest Gabmann hat allen Grund, zufrieden zu sein. Die Wirtschaft in Österreichs größtem Bundesland läuft wie am Schnürchen, der Mix aus progressiven Start-ups, gediegenen mittelständischen Betrieben und international aktiven Unternehmen garantiert dem Land einen ökonomischen Status quo, von dem andere nur träumen können.
„Bei Innovation, Forschung und Entwicklung setzen wir in Niederösterreich ganz gezielte Maßnahmen, die dazu beitragen, die Betriebe im Zusammenwirken mit der Forschung zu innovativen Produkten, Prozessen und Dienstleistungen zu motivieren, ihr geistiges Eigentum zu schützen und ihre Ideen wirtschaftlich zu verwerten. Aufgabe der Politik ist es hier, ein entsprechendes Umfeld zu schaffen, damit die Ideen auch in die Wirklichkeit umgesetzt werden können“, verrät Gabmann das Erfolgsrezept.
Ideenreiche Firmen
Dass diese Strategie aufgeht, dokumentiert anschaulich eine Vielzahl an zukunftsträchtigen Produkten und Dienstleistungen, die Jahr für Jahr im Rahmen des NÖ Innovationspreises von niederösterreichischen Unternehmen und Forschungsstätten eingereicht werden.
Grundsätzlich werden beim niederösterreichischen Innovationspreis Projekte ausgezeichnet, die genau jene Qualitäten aufweisen, die schon bisher dazu beigetragen haben, dass das Bundesland zu einem wettbewerbsfähigen, attraktiven Wirtschaftsstandort mit hoher Lebensqualität und sozialer Sicherheit geworden ist. Allein in diesem Jahr muss-te sich die Jury zwischen mehr als 50 innovativen Unternehmen entscheiden.
Die Wahl fiel schlussendlich auf Bio-ferm, ein junges Tullner Start-up, das eine alternative Methode zur Bekämpfung der gefürchteten Pflanzenkrankheit Feuerbrand entwickelt hat – und zwar abseits der konventionellen und darüber hinaus auch äußerst umstrittenen Behandlungsmethode mit Antibiotika. Der Ansatz des engagierten Forscherteams ist dabei denkbar einfach : Forciert wird eine neue Generation von Pflanzenschutzmitteln, welche sich den natürlichen Wettbewerb zwischen Mikroorganismen um Nahrung zunutze machen. Das daraus entstandene Produkt „Blossom Protect“ soll mittelfristig quer über den Globus vertrieben werden.
Internationale Chancen
Punkten konnte aber auch eine Vielzahl anderer nieder-österreichischer Unternehmen, wie etwa die zur Umdasch-Gruppe zählende Doka Industrie. Nominiert in der Sparte „Investitionsgüter und Prozess-innovationen“, zeichnet sich der von Doka entwickelte Freibauvorwagen vor allem durch hohe Flexibilität aus. Zum Einsatz kommt er bei Brückenbauten.Sein unmittelbarer Nutzen besteht darin, dass derlei Infrastrukturprojekte in Zukunft rascher und kostengünstiger, als dies bisher der Fall war, realisiert werden können.
Enormes Marktpotenzial hat auch der von Zizala Lichtsysteme zur Serienreife gebrachte LED-Hauptscheinwerfer (Kategorie „Konsumgüter und Produktinnovationen“). Die internationale Automobilindustrie fordert eine derartige Entwicklung bereits seit geraumer Zeit. Mit Zizala steht nunmehr ein niederösterreichisches Zuliefererunternehmen bereit.
Eigentlich ist Jilg auf die Herstellung von hochwertigen Parkettböden aus heimischen Hölzern spezialisiert. Mit der „Fidbox“, einer Art Handheld, das Temperatur und Feuchtigkeit in und unterhalb von Holzböden misst, konnte sich der 14 Mitarbeiter zählende Betrieb nunmehr ein zusätzliches Standbein schaffen und darüber hinaus Anerkennung in der Sparte „Organisation und Marketing-Innovationen“ ernten.
Bleibt schließlich noch die Kategorie „Innovationen aus dem Forschungsbereich“. Hier gelang es dem Kompetenzzentrum für Tribologie (AC2T Research), den Mitbewerb auf die Plätze zu verweisen. Das Produkt, ein Korrosionssensor, der zeitgerecht die Versäuerung von Schmierstoffen meldet und damit Schäden am Gerät verhindert, soll künftig in Groß- und Kleinanlagen sowie in der Automobilindustrie zum Einsatz kommen.
Prämierte Leistungen
Der niederösterreichische Innovationspreis wurde im Jahr 1986 ins Leben gerufen und wird heuer zum 21. Mal verliehen. Im Laufe der Jahre haben fast 700 Unternehmen am Wettbewerb teilgenommen. Für viele war dies die Initialzündung für ihren Erfolg. Im Jahr 1996 wurde der Preis Carl Ritter von Ghega, dem Erbauer der Semmering-Bahn, gewidmet. Ein wirtschaftlicher Bedarf und eine bislang unbewältigte technische Herausforderung lagen dem Projekt zugrunde. Durch Kreativität, Mut und eine herausragende Ingenieurleistung wurden die Hindernisse überwunden. All das sind Werte, die nieder-österreichische Unternehmen bezüglich ihrer Innovationsprojekte auszeichnen. Seit dem Jahr 2000 sind alle für den Wettbewerb eingereichten Projekte im Infinö (www.infinoe.at), dem Informationssystem für Innovation in NÖ, dargestellt. Der Wettbewerb wird von den Technologie- und Innovationspartnern (www.tip-noe.at) organisiert, dem gemeinsamen Innovationsservice von Land NÖ und Wirtschaftskammer. Die TIP unterstützen blau-gelbe Innovateure mit einem vielfältigen Serviceangebot und geförder-ten Beratungen. Da in den letzten Jahren der Forschungsaspekt immer stärker zum Tragen gekommen ist, werden heuer bereits zum zweiten Mal Entwicklungsprojekte von in NÖ ansässigen Forschungseinrichtungen in einer eigenen Kategorie ausgezeichnet.