
Mächtige Allianz für Digitale Unabhängigkeit
Deutsche Telekom, T‑Systems, SAP und Siemens starten in München erste KI-Fabrik für Wirtschaft und Verwaltung. Spitzenpolitik unterstützt Strategie zur Digitalen Souveränität von Deutschland und Europa. T‑Systems Austria Boss Peter Lenz verweist auf Nutzung auch für österreichische Kunden.
Der Vizekanzler und Bundesfinanzminister von Deutschland, Lars Klingbeil war zugegen, ebenso wie der Bayrische Ministerpräsident Markus Söder, der Bayrische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und der Bayrische Wissenschaftsminister Markus Blume. Dazu die Chefs und Top-Manager von Deutscher Telekom, T‑Systems, SAP, Siemens sowie weitere Kapazunder von deutschen KI-Institutionen und führenden wissenschaftlichen KI-Einrichtungen.
Anlass für diesen Schulterschluss von Spitzenpolitik und führenden IT- und Telekomunternehmen ist die offizielle Eröffnung der unter Federführung von Deutscher Telekom und T‑Systems entstandenen ersten KI-Fabrik in München (D). „Wir reden nicht, die Deutsche Telekom macht. Wir investieren in KI, in den deutschen Standort und in Europa“, betont Tim Höttges, CEO der Deutschen Telekom.
Hoch performante und vor allem unabhängig-souveräne Rechenleistung
Nach einer Aufbauzeit von sechs Monaten (economy berichtete) stehen ab sofort Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie dem öffentlichen Sektor in Deutschland und Europa hoch performante und vor allem unabhängig-souveräne Rechenleistung für Künstliche Intelligenz (KI) zur Verfügung. Mehrere Unternehmen nutzen die KI-Rechenkapazitäten auch schon.
„Damit die Investitionsoffensive gelingt, brauchen wir beides – öffentliche und private Investitionen. Für die öffentlichen Investitionen haben wir die Voraussetzungen geschaffen und heute konnte ich mich in beeindruckender Weise davon überzeugen, dass auch die privaten Investitionen anlaufen“, sagte Lars Klingbeil, Vizekanzler und Bundesfinanzminister von Deutschland, im Rahmen der feierlichen Eröffnung.
Technologieführerschaft als Kern des künftigen Geschäftsmodell
„Technologieführerschaft muss der Kern des künftigen Geschäftsmodell Deutschlands sein. Hier wurde ein wichtiger Pflock für das deutsche und europäische KI-Ökosystem gesetzt. Davon profitieren nicht nur innovative Unternehmen, das stärkt auch die digitale Unabhängigkeit“, betonte Klingbeil. „Die Kooperation zwischen SAP, Deutscher Telekom und Nvidia ist ein Zeichen der Stärke und ein Treiber für Innovation. Wir wollen gemeinsam dieses Land voranbringen. Es muss unser Anspruch sein, dass wir an der Spitze der technologischen Veränderung stehen“, so Vizekanzler Lars Klingbeil.
Parallel mit der Eröffnung der KI-Fabrik wurde auch schon die gesondert geschaffene Industrial KI-Cloud in Betrieb genommen. Beispielsweise kombiniert der Münchner Anbieter Agile Robots künstliche Intelligenz mit Robotik und bringt sein KI-Fundament in die Industrial AI Cloud ein. Oder PhysicsX, ein Unternehmen, dass sich auf technische Simulation spezialisiert hat, um die Entwicklungszeit von Produkten und Produktteilen zu verkürzen. Die KI-Fabrik ist mit den bisherigen Kunden bereits über ein Drittel ausgelastet.
Basis für Industrie, Start-Ups, Wissenschaft und staatliche Behörden
„Unsere KI-Fabrik in München ist die Basis für innovative Geschäftsmodelle, für die Industrie, Start-Ups und staatliche Institutionen. Dazu ist sie auch die Basis für unabhängige Souveränität. Wir beweisen hier, dass Europa KI kann“, unterstreicht Telekom-Boss Tim Höttges. Bisher nutzen viele Unternehmen KI zurückhaltend, weil sie den Abfluss ihrer Daten außerhalb des europäischen Wirtschaftsraums fürchten. Dadurch entgehen den Betrieben aber Kostenvorteile mit entsprechend negativen Auswirkungen auf ihre Wettbewerbsfähigkeit.
„Dass die KI-Fabrik so nah an der österreichischen Grenze entsteht, ist ein starkes Signal für gelebte europäische Zusammenarbeit und kommt somit auch unseren österreichischen Kunden zugute“, ergänzt Peter Lenz, Managing Director bei T‑Systems Austria. „Mit der Industrial KI Cloud schaffen wir neben Rechenleistung auch ein industrietaugliches Ökosystem für souveräne KI in Europa. Unternehmen, Forschung und öffentlicher Sektor erhalten hier eine sichere, skalierbare Plattform, um KI vom Pilotprojekt in den produktiven Einsatz zu bringen“, so Peter Lenz von T‑Systems Austria.
Ein gleichzeitig nutzbarer KI-Assistent für alle 450 Millionen EU Bürger:innen
In der Münchner Industrial KI Cloud stehen ab sofort Rechen- und Speicherressourcen für vielfältige KI-Anwendungen zur Verfügung. Die Infrastruktur basiert auf technologisch letztaktuellen Systemen von Nvidia. Mit der bereits jetzt verfügbaren Rechenleistung könnten Angaben zufolge alle 450 Millionen EU Bürger:innen gleichzeitig einen KI-Assistent bzw. Chatbot nutzen. Alle aktuellen gesetzlichen Regularien und Anforderungen an Datenschutz, Sicherheit und Verfügbarkeit sind gegeben.
„Bayern hat eine starke Industrie, exzellente Forschung und beste Vernetzung – das sind ideale Voraussetzungen für industrielle KI. Mit dem Bayerischen Aktionsplan sorgen wir dafür, dass sich Rechenzentren weiterhin gern in Bayern ansiedeln“, sagt Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister Bayern. „Mit der ‚Kontaktstelle Datacenter Bayern‘, koordinierten Netzanschlüssen, schnellen Verfahren und praxistauglichen Energieeffizienzvorgaben schaffen wir verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen und Arbeitsplätze“, so Aiwanger.
Souveräner „Deutschland-Stack“ für Wirtschaft und Verwaltung
Die neue KI-Fabrik ist entsprechend auch die Basis für den sogenannten „Deutschland-Stack“, den die Deutsche Telekom gemeinsam mit SAP bereitstellt. Die Deutsche Telekom-Tochter T‑Systems verantwortet dabei die umfassende Infrastruktur sowie dazu auch die Plattformebene und das inkludiert auch die erst kürzlich vorgestellten Anwendungen rund um die T Cloud. SAP liefert darauf aufbauend die Business Technology Platform und leistungsfähige fachspezifische Lösungen und KI-Anwendungen.
Dieser “Tech-Baukasten” hält alle technischen Elemente bereit, die betriebliche Kunden oder behördliche Institutionen für ihre Cloud-Transformation brauchen. So lassen sich branchenspezifische Lösungen etwa im Bereich Sicherheit sowie für Industrie und Mittelstand schnell, sicher und regelkonform umsetzen. „Unser Ökosystem in Bayern hat einmal mehr überzeugt – und es wird durch die milliardenschwere Initiative von Deutscher Telekom, NVIDIA und SAP noch stärker. Ich bin Tim Höttges und der Deutschen Telekom dankbar für diesen Schritt“, so Markus Blume, Wissenschaftsminister Bayern.
„Es ist Zeit, das Narrativ vom Risiko zur Chance zu verschieben“
Mit dieser Partnerschaft decken Deutsche Telekom und SAP von der physischen Infrastruktur bis zur Software alles ab, was Unternehmen und Behörden für moderne KI-Anwendungen brauchen. Experten sprechen hier von einem Stack. Über die reine Rechenleistung hinaus kann hier dann auch Beratung entlang der konkreten Bedürfnisse der Kunden erfolgen. Infrastruktur, Rechenleistung, KI-Lösungen und die spezielle Industrial KI Cloud adressiert auch Unternehmen und Institutionen über Deutschland hinaus.
„Mit der Industrial AI Cloud schaffen Deutsche Telekom, SAP und weitere Partner ein souveränes Technologiefundament für skalierbare industrielle KI in Deutschland und verankern damit auch KI sicher in Geschäftsprozessen, schützen Daten in Deutschland und ermöglichen produktive Innovationen. Es ist Zeit, das Narrativ vom Risiko zur Chance zu verschieben“, so Thomas Saueressig, Mitglied des Vorstands der SAP SE Customer Services & Delivery.
Deutsche Ingenieurswesen trifft souveräne KI
Auch die Partnerschaft von Siemens und Deutscher Telekom ergänzt eine sichere und unabhängige IT mit Konnektivität und KI-Rechenleistung. Die Industrieexpertise von Siemens und die Integration des Simulations-Portfolios SIMCenter auf der neuen Industrial KI Cloud sollen dabei das grundsätzliche Fundament bilden für neue Wertschöpfungsmöglichkeiten und mehr Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.
Insbesondere die Software-Suite für hochpräzise Simulationen und digitale Zwillinge soll Unternehmen ermöglichen, ihre Produkte virtuell zu entwickeln, zu testen und weitaus rascher zur Marktreife zu bringen und so erhebliche Kosten einzusparen. Auch großindustrielle Lösungen wie der Digital Twin Composer, GPU-basierte Simulationen und KI-Copiloten werden über die KI-Fabrik für Unternehmen nutzbar gemacht.
Eines der größten europäischen Stadtentwicklungsprojekte
„Gemeinsam mit der Deutschen Telekom bringen wir unsere Software in eine GPU-beschleunigte, souveräne Cloud – und können damit die Simulationszeiten unserer Kunden drastisch verkürzen. Davon profitieren auch kleine und mittlere Unternehmen“, erläutert Cedrik Neike, CEO von Digital Industries und Mitglied des Vorstands der Siemens AG.
Für die KI-Fabrik wurde im Rahmen der laufenden Revitalisierung des Münchner Tucherparks eines der größten europäischen Stadtentwicklungsprojekte ein ehemaliges Rechenzentrum mit einer Fläche von etwa 10.700 qm entkernt und grundlegend modernisiert. Die neue KI-Fabrik ist mit leistungsstarker Glasfaseranbindung und modernster Technik ausgestattet.
Partnerökosystem aus Industrie, Forschung und Start-Ups
Das Rechenzentrum wird dabei vollständig aus erneuerbaren Energien betrieben. Es ist auf höchste Energieeffizienz ausgelegt. Die Abwärme wird das gesamte Quartier Tucherpark mit Wärme versorgen. Ein modernes Kühlkonzept setzt auf Kühlung des Rechenzentrums durch Wasser des nahegelegenen Eisbaches. „Die Industrial KI Cloud fügt sich damit auch in die Nachhaltigkeitsstrategie der Deutschen Telekom ein“, so die Deutsche Telekom in einer Aussendung.
Rund um die Industrial KI Cloud wächst bereits ein breites Ökosystem aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-Ups. Industriepartner können beispielsweise digitale Zwillinge von Fabriken und Anlagen aufbauen, Fertigungsprozesse simulieren oder Robotik- und Qualitätsprüfungsanwendungen entwickeln. Start-Ups nutzen die NVIDIA-KI-Plattform, um die Bereitstellung neuer KI-Dienstleistungen auf den Markt zu beschleunigen.
Forschungseinrichtungen erhalten Zugang zu unabhängig-souveräner Hochleistungsrechenpower
“Die Konvergenz von künstlicher Intelligenz und der physischen Welt löst eine industrielle Revolution aus, die die Art und Weise, wie Produkte entworfen, hergestellt und betrieben werden, grundlegend verändern wird”, sagt Rev Lebaredian, Vice President für Omniverse und Simulationstechnologie bei NVIDIA. “Die neue KI-Fabrik und die Industrial KI Cloud bietet die souveräne, leistungsstarke KI-Infrastruktur, die Europa braucht, um die nächste Ära der industriellen Innovation anzuführen“, so Lebaredian von Nvidia.
Forschungseinrichtungen erhalten Zugang zu unabhängig-souveräner Hochleistungsrechenpower für ihre Projekte. „Die Industrial KI Cloud steht ab sofort Kunden aus Industrie, Start-Ups, Forschung und öffentlichem Sektor zur Verfügung. Unternehmen können Rechenleistung und Plattformdienste flexibel nach Bedarf buchen – von Pilotprojekten bis hin zu unternehmenskritischen Produktionssystemen“, so die Deutsche Telekom.
Europäische Unabhängigkeit und das SOOFI-Projekt auf der Industrial KI Cloud
Zu den ersten Großprojekten auf der Industrial KI Cloud gehört etwa das Forschungsprojekt Sovereign Open Source Foundation Models (SOOFI). Die Leibniz Universität Hannover hat der Deutschen Telekom einen Auftrag erteilt, um die technische Infrastruktur für die Entwicklung eines neuen europäischen Large Language Models (LLM) bereitzustellen.
“Im Projekt Soofi erstellen wir mit sieben Forschungseinrichtungen und zwei Start-Ups ein Open-Source Foundation Modell als Basis für vielfältige Anwendung in Wirtschaft und Verwaltung. Das Training erfolgt auf der neuen Industrial KI Cloud der Telekom, die sich in einer internationalen Ausschreibung aufgrund der State-of-the Art Infrastruktur und des hervorragenden Services durchgesetzt hat“, erklärt Jörg Bienert, Geschäftsführer KI Bundesverband.
„Mit ihrem Daten-Schatz hat die europäische Industrie einen großen Vorteil“
Ziel von SOOFI ist ein souveränes Open-Source-Sprachmodell mit rund 100 Milliarden Parametern, das vollständig in Europa trainiert und betrieben wird und europäische Sprachen fokussiert. Damit entsteht eine der wichtigsten europäischen KI-Initiativen für vertrauenswürdige, souveräne Sprachmodelle. Im Fokus sind europäische Sprachen und industrielle Anwendungen.
„Erfolgreiche KI-Anwendung erfordert Rechenpower. Die europäische Industrie hat einen großen Vorteil : ihren Schatz an Daten. Bislang werden diese Daten aber nur begrenzt für KI genutzt. Jetzt entsteht die entsprechende Infrastruktur, um dieses Potenzial besser zu erschließen“, sagt Antonio Krüger, CEO des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). „Dass Unternehmen dabei auch auf einen europäischen Anbieter zurückgreifen können, stärkt die technologische Souveränität“, unterstreicht Antonio Krüger vom DFKI. (red/czaak)