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© pexels/engin akyurt

Mas­si­ver Anstieg der Firmeninsolvenzen

Gläu­bi­ger­schutz­ver­band Cre­dit­re­form ana­ly­siert finale Zah­len bei Fir­men­in­sol­ven­zen 2022 in Ös­ter­reich. Gesamt­zahl steigt um rund 60 Pro­zent. Man­gels Ver­mö­gen abge­wie­sene Ver­fah­ren stei­gen um 96 Prozent.

Der Gläu­bi­ger­schutz­ver­band Cre­dit­re­form hat die end­gül­ti­gen Zah­len bei den Fir­men­in­sol­ven­zen für das Jahr 2022 in Ös­ter­reich ana­ly­siert. Die Gesamt­zahl an Fir­men­in­sol­ven­zen stieg um knapp 60 Pro­zent auf 4.913 Ver­fah­ren. Die Zahl der eröff­ne­ten Ver­fah­ren ist dabei um 42,5 Pro­zent auf rund 3.000 gestie­gen und die Zahl der man­gels Ver­mö­gen abge­wie­se­nen Ver­fah­ren gar um 95,5 Pro­zent auf 1.951. Auch die Insol­venz­pas­siva sind mit rund 2 Mrd. Euro stark ange­stie­gen und das gilt auch für die betrof­fe­nen Arbeits­plätze mit rund 16.000.

Zu viele auf­ein­an­der fol­gende Krisen
Die pan­de­mie­be­ding­ten Zei­ten eines gerin­gen Insol­venz­ge­sche­hens sind vor­bei. „Nach dem Aus­lau­fen der Corona-Hilfs­maß­nah­men war mit einer Rück­kehr auf das Vor­pan­de­mie­ni­veau zu rech­nen. Nun sind pri­mär viele Klein­un­ter­neh­men insol­vent gewor­den, die nur durch die staat­li­chen Hil­fen über die Pan­de­mie hin­weg­ge­ret­tet wur­den“, sagt Ger­hard M. Wein­ho­fer, Geschäfts­füh­rer des Gläu­bi­ger­schutz­ver­ban­des Cre­dit­re­form. „Dass viele die­ser Unter­neh­men schon zuvor Pro­bleme hat­ten, zeigt die stark anstei­gende Zahl an ver­mö­gens­lo­sen Abwei­sun­gen. Gläu­bi­ger erlei­den dadurch einen Total­aus­fall“, so Weinhofer. 

Die Insol­venz­ur­sa­chen lie­gen im Kapi­tal­man­gel und damit kon­kret in Pro­ble­men bei der Rück­zah­lung der gestun­de­ten Abga­ben und Steu­ern sowie in der all­ge­mei­nen Wirt­schafts­lage. Lie­fer­ket­ten­pro­bleme, Fach­kräf­te­man­gel und vor allem stei­gende Preise bei Mate­ria­lien und Vor­pro­dukte füh­ren zu sin­ken­den oder gar nega­ti­ven Mar­gen, da die Teue­rung nicht immer an den End­ver­brau­cher wei­ter­ge­ge­ben wer­den kann, so die Ein­schät­zung der Exper­ten von Cre­dit­re­form. „Zuerst die Lock­downs, dann der Ukraine-Krieg und dann noch die Infla­tion waren ein­fach für viele Unter­neh­men zu viele Kri­sen“, erläu­tert Weinhofer. 

Bun­des­län­der und Bran­chen im Vergleich
Run­ter­ge­bro­chen auf die Bun­des­län­der stei­gen die Fir­men­in­sol­ven­zen im hohen zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich. Den stärks­ten Zuwachs ver­zeich­ne­ten Vor­arl­berg (+127,5 Pro­zent) vor Oberös­ter­reich (+107) und Tirol (+94). Die höchste Insol­venz­be­trof­fen­heit herrschte in der Bun­des­haupt­stadt Wien mit 17 Insol­ven­zen pro 1.000 Unter­neh­men, die geringste in Vor­arl­berg mit weni­ger als 6 von 1.000 Unter­neh­men. Ös­ter­reich­weit muss­ten mehr als 10 von 1.000 Unter­neh­men einen Insol­venz­an­trag stel­len, so die Zah­len der Creditreform. 

Im Ver­gleich ein­zel­ner Bran­chen gab es abso­lut betrach­tet die meis­ten Insol­ven­zen im Han­del (862), gefolgt von Unter­neh­mens­be­zo­ge­nen Dienst­leis­tun­gen (841) und dem Bau­we­sen (805). Die größte rela­tive Insol­venz­be­trof­fen­heit herrschte im Bau mit rund 23 von 1.000 Bran­chen­un­ter­neh­men, wäh­rend in der Indus­trie ledig­lich nicht ganz 8 von 1.000 Bran­chen­un­ter­neh­men den Gang zum Insol­venz­ge­richt antre­ten mussten. 

Aus­blick auf 2023
Ein Zuwachs um 60 Pro­zent bei den Fir­men­in­sol­ven­zen scheint auf den ers­ten Blick alar­mie­rend, ist aber durch den Auf­hol­ef­fekt nach his­to­risch nied­ri­gen Insol­venz­zah­len zu Pan­de­mie­zei­ten zu erklä­ren. „Das ös­ter­rei­chi­sche Insol­venz­ge­sche­hen kehrt zur Nor­ma­li­tät zurück und die hei­mi­sche Wirt­schaft schlägt sich (noch) recht gut“, so Ger­hard Wein­ho­fer. Nied­rige Arbeits­lo­sig­keit, nach wie vor gute Eigen­ka­pi­tal­quo­ten bei der Mehr­zahl der Unter­neh­men, robus­ter Export, gutes Weih­nachts­ge­schäft im Han­del und in Rela­tion gute Kon­junk­tur­pro­gno­sen seien dazu die wich­tigs­ten Kennzahlen.
Staat­li­che Hil­fen wie Ener­gie­preis­bremse, Kli­ma­bo­nus, Abschaf­fung der kal­ten Pro­gres­sion dürf­ten zusam­men mit den hohen Gehalts­ab­schlüs­sen den wich­ti­gen Bin­nen­kon­sum sta­bi­li­sie­ren. Hoff­nung geben hier auch Indi­ka­to­ren wie der stei­gende Ein­kaufs­ma­na­ger­index (EMI) der deut­schen Indus­trie. „Hei­mi­schen Unter­neh­men sei den­noch zur Vor­sicht gera­ten. Stei­gende Ener­gie­kos­ten und Mie­ten sowie hohe Lohn­ab­schlüsse gepaart mit einer erwar­te­ten Rezes­sion bil­den ein gefähr­li­ches Umfeld. Daher kann lei­der keine Ent­war­nung bei den Insol­ven­zen gege­ben wer­den“, betont Wein­ho­fer. Der Wirt­schafts­experte von Cre­dit­re­form rech­net für 2023 mit rund 6.000 Firmeninsolvenzen.

Autor: red/czaak
09.01.2023

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