
Materialknappheit in Industrie steigt rasant
Konflikt im Nahen Osten und Einschränkungen im Schiffsverkehr in Straße von Hormus beeinträchtigen zunehmend Lieferketten sowie Versorgung mit Vorprodukten und Endproduktionen. Materialmangel geht quer durch alle Branchen.
Die Versorgung mit Vorprodukten in der Industrie hat sich deutlich verschlechtert. Im April berichteten 14 Prozent der Unternehmen in der Industrie von Engpässen bei der Beschaffung von Materialien, nach rund sechs Prozent im Januar. Das ergab eine aktuelle Umfrage des ifo Instituts. „Die Lieferketten geraten spürbar unter Druck. Der Konflikt im Nahen Osten und die Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wirken sich zunehmend auf die Versorgung mit Vorprodukten aus“, erläutert Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen.
Chemische Industrie und Kunststoffwaren und Maschinenbau besonders stark betroffen
Die Zunahme der Engpässe zeigt sich vor allem in Branchen, die stark von ölbasierten und energieintensiven Vorprodukten abhängig sind. In der chemischen Industrie berichteten 31 (!) Prozent der Unternehmen von Materialmangel. Auch bei den Herstellern von Gummi- und Kunststoffwaren ist der Anteil auf 23 Prozent deutlich gestiegen. Weitere wichtige Industriezweige sind ebenfalls betroffen : Im Maschinenbau stieg der Anteil auf 15 Prozent und bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen auf 17 Prozent.
Auch die Automobilindustrie meldet wieder häufiger Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten. „Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie stark die Industrie von globalen Rohstoff- und Energielieferungen abhängt“, so Wohlrabe. Rund ein Fünftel des globalen Ölangebots wird über die Straße von Hormus abgewickelt. Gerade bei petrochemischen Vorprodukten können sich Störungen sehr schnell in der gesamten Wertschöpfungskette bemerkbar machen, so die ifo-Experten. (red/cc)