Zum Inhalt
© Bilderbox.com

Mehr Leis­tung für das Herz

Win­zige Kathe­ter­pum­pen kön­nen den geschwäch­ten Herz­mus­kel auf engs­tem Raum beim Blut­trans­fer unter­stüt­zen. Die TU-Wien ent­wi­ckelte nun eine Methode für höhe­res Dreh­mo­ment zur Leistungssteigerung. 

Manch­mal braucht das Herz ein biss­chen Hilfe. Wenn seine Pump­leis­tung nicht mehr aus­reicht, wer­den Kathe­ter­pum­pen ein­set­zen, die das Blut direkt aus dem Ven­tri­kel des Her­zens ansau­gen und wei­ter­pum­pen. Tech­nisch und räum­lich her­aus­for­dernd ist, dass dabei eine Seite der Pumpe direkt in Kon­takt mit dem Blut kom­men muss, die­ses aber trotz­dem nicht in den Motor gelangt. 

Zucker­lö­sung hemmt Blutströme
Eine Mög­lich­keit zur Lösung ist die Pumpe in zwei kmplett getrennte Berei­che zu tei­len. In die­sem Fall muss die Dreh­be­we­gung des Motors mit­tels Magnet­fel­der durch eine für das Blut undurch­dring­li­che Trenn­wand hin­durch und ent­spre­chend magne­tisch auf den ande­ren Teil der Pumpe über­tra­gen wer­den. Die TU-Wien ent­wi­ckelte nun eine spe­zi­elle Magnet­kupp­lung, die diese Über­tra­gung der Dreh­be­we­gung auf engs­tem Raum ermög­licht und erreichte ein um 30 Pro­zent höhe­res Dreh­mo­ment als mit bis­he­ri­gen Kopplungsvarianten. 

„Es gibt Herz­ka­the­ter­pum­pen, aus denen per­ma­nent eine Zucker­lö­sung strömt, um das Blut am Her­ein­strö­men in den Motor zu hin­dern“, erläu­tert Chris­toph Jan­ec­zek vom Insti­tut für Kon­struk­ti­ons­wis­sen­schaf­ten und Pro­dukt­ent­wick­lung der TU Wien. „Die weit­aus ele­gan­tere Lösung ist, den Motor­teil vom Blut her­me­tisch zu tren­nen. Dann muss man das Dreh­mo­ment des Antriebs­strangs durch ein Magnet­feld in den ande­ren Teil der Pumpe über­tra­gen“, so Janecek.

Axiale und radiale Kopplungen
Magnet­kupp­lun­gen gibt es in vie­len tech­ni­schen Berei­chen und in unter­schied­li­chen geo­me­tri­schen Aus­füh­run­gen. Wer­den meh­rere magne­ti­sche Pole pas­send ange­ord­net, bewirkt die Dre­hung des einen Teils dann berüh­rungs­los eine Dre­hung des ande­ren Teils. Aller­dings kommt es dabei zu einer magne­ti­schen Anzie­hung der bei­den Teile ent­lang der Achse, wodurch der Motor der Herz­pumpe zusätz­lich belas­tet wird. Außer­dem kann auf diese Weise nur ein recht klei­nes Dreh­mo­ment über­tra­gen werden.

Bei ande­ren Magnet­kupp­lun­gen umfasst der eine Teil der Kopp­lung den ande­ren von außen und damit las­sen sich dann grö­ßere Dreh­mo­mente über­tra­gen. Aller­dings ist hier der Platz­be­darf deut­lich grö­ßer. „Wir muss­ten einen Weg fin­den, die Vor­teile die­ser bei­den Vari­an­ten zu ver­ei­nen und das ist uns mit einer neuen, ganz ein­fa­chen geo­me­tri­schen Struk­tur gelun­gen, die wir auch bereits paten­tiert haben“, sagt Chris­toph Janeczek.

Klein aber trotz­dem stark
Ein ent­schei­den­des Ele­ment der neuen Kopp­lung ist die ein­fa­che aber höchst effek­tive Umman­te­lung aus Bime­tall mit­tels zweier Per­ma­ment­ma­gnete. Das Erfolgs­kri­te­rium ist dabei die Geo­me­trie der Kopp­lung, die nun sowohl axiale als auch radiale Anteile hat. Dadurch kann die Pumpe auf nur fünf bis maxi­mal sechs Mil­li­me­ter minia­tu­ri­siert wer­den – und trotz­dem bleibt sie stark genug. In pra­xis­be­zo­ge­nen Expe­ri­men­ten gelang sodann der Nach­weis, dass die neue Magnet­kopp­lung ein um 30 Pro­zent höhe­res Dreh­mo­ment über­tra­gen kann als her­kömm­li­che Kopp­lun­gen der­sel­ben Größe.

„Der­zeit suchen wir nach Indus­trie­part­nern, damit unsere Pumpe den Weg aus dem Uni­ver­si­täts­la­bor in die Ope­ra­ti­ons­säle fin­det. Außer­dem könn­ten bestehende Herz­pum­pen durch diese Tech­no­lo­gie wei­ter minia­tu­ri­siert wer­den“, unter­streicht Jan­ec­zek. Der­zeit wird außer­dem unter­sucht, inwie­weit die Tech­no­lo­gie auch in ande­ren medi­zi­ni­schen Berei­chen nutz­bar ist, etwa zur Unter­stüt­zung der Lunge. „Wir hof­fen, dass unsere Idee mög­lichst bald Men­schen, die an einer Herz­in­suf­fi­zi­enz lei­den, unter­stüt­zen kann“, resü­miert TU-For­scher Janeczek.

Autor: red/czaak
27.09.2019

Weitere aktuelle Artikel

Nie­der­ös­ter­rei­chi­sches Insti­tut for Sci­ence and Tech­no­logy Aus­tria und TU Wien bekom­men meh­rere ERC Start­ing Grants des EU-For­schungs­rats. Allein ISTA holt fast zehn Mil­lio­nen Euro mit Pro­jek­ten zu KI, Astro­phy­sik, Bio­tech und Quan­ten­op­tik. TU Wien punk­tet mit Infor­ma­tik und Physik. Dass das nie­der­ös­ter­rei­chi­sche ISTA natio­nal und inter­na­tio­nal zu den erfolg­reichs­ten Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen zählt ist mitt­ler­weile durch zahl­rei­che […]
Anwen­dun­gen im Welt­raum, in der Hoch­en­er­gie­phy­sik oder für Quan­ten­com­pu­ter. Her­kömm­li­che Elek­tro­nik ver­sagt bei Tem­pe­ra­tu­ren knapp über dem abso­lu­ten Null­punkt. Die TU Wien ent­wi­ckelt nun einen Weg über adap­tive Transistoren. Elek­tro­nik kann Pro­bleme bekom­men, wenn sie zu heiß wird, siehe etwa ent­spre­chende Aus­fälle bei der Küh­lung eines Lap­tops. Elek­tro­ni­sche Schal­tun­gen kön­nen aber auch bei extre­mer Kälte […]
AIT ent­wi­ckelt neu­ar­tige Bio­sen­so­ren für prä­zi­sere Dia­gnos­tik von Blut­pro­ben. Gegen­über bis­he­ri­gen Ver­fah­ren soll neue Vari­ante zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen für medi­zi­ni­sche Beur­tei­lung brin­gen und weni­ger res­sour­cen­in­ten­siv sein.  Die soge­nannte „Liquid Bio­psy“ gilt in der moder­nen Medi­zin als gro­ßer Fort­schritt. Diese Form der Unter­su­chung kann Gewe­be­ana­ly­sen ergän­zen und zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen für die medi­zi­ni­sche Beur­tei­lung sowie wert­volle Rück­schlüsse für die […]
Med Uni Inns­bruck lei­tet inter­na­tio­nale Zulas­sungs­stu­die einer neuen The­ra­pie von Par­kin­son mit Wirk­stoff Pra­si­ne­zu­mab. Aktu­elle Ergeb­nisse der kli­ni­schen Phase II-Stu­die als Basis für erste „Par­kin­son-Imp­fung“ nun im renom­mier­ten Fach­jour­nal The Lan­cet veröffentlicht. Par­kin­son gehört zu den am schnells­ten zuneh­men­den Krank­hei­ten. Welt­weit lei­den daran rund 20 Mil­lio­nen Men­schen, bis 20250 sol­len es über 25 Mil­lio­nen sein. […]
Insti­tut für Demo­gra­phie der ÖAW ent­wi­ckelt neues Gebur­ten­ba­ro­me­ter für umfas­sende Ana­ly­sen zur Fer­ti­li­tät in Öster­reich. Immer mehr Frauen wol­len kin­der­los blei­ben, Zwei-Kind-Fami­lien häu­figs­tes Modell, Trend zu spä­ter Mut­ter­schaft, ältere Väter mit jün­ge­ren Partnerinnen. Das neue Gebur­ten­ba­ro­me­ter des Insti­tuts für Demo­gra­phie der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten ermög­licht viel­fäl­tige und umfas­sende Ana­ly­sen von aktu­el­len Daten zur Fer­ti­li­tät […]
magnifier
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram