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© pexels/mikhail nilov

Mehr Män­ner und junge Men­schen im Privatkonkurs

2023 mit gestie­ge­ner Anzahl an Schul­den­ver­fah­ren. Mit 61 Pro­zent weit­aus mehr Män­ner betrof­fen und auch Anteil jun­ger Men­schen steigt. Frauen oft von Haf­tungs­frage betroffen.

Eine aktu­elle KSV1870 Ana­lyse zu den eröff­ne­ten Schul­den­re­gu­lie­rungs­ver­fah­ren im Jahr 2023 zeigt, dass in Öster­reich wei­ter­hin vor allem Män­ner (61 Pro­zent) von einem Pri­vat­kon­kurs betrof­fen sind. Dies pas­siert häu­fig auch auf­grund einer unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit oder gene­rell erhöh­ter Risikobereitschaft. 

Zudem gibt es zwi­schen den Geschlech­tern deut­li­che Unter­schiede in Sachen Schul­den­höhe: Einer durch­schnitt­li­chen Ver­schul­dung von 128.000 Euro pro Mann ste­hen 69.000 Euro pro Frau gegen­über. Abseits davon wächst der Anteil an jun­gen Men­schen, die bereits sehr früh im Leben mit einem finan­zi­el­len Ruck­sack zu kämp­fen haben.

Der Fak­tor Unter­neh­men und die durch­schnitt­li­che Schuldenhöhe
Die Zahl der eröff­ne­ten Schul­den­re­gu­lie­rungs­ver­fah­ren ist im Vor­jahr gegen­über dem Jahr 2022 um acht Pro­zent auf 8.845 Fälle gestie­gen. In 61 Pro­zent der Fälle sind Män­ner von einer pri­va­ten Pleite betrof­fen. „Obwohl die Men­schen ins­ge­samt mehr denn je auf ihr Geld ach­ten, so sind es am Ende des Tages vor allem die Män­ner, die ver­stärkt betrof­fen sind. Nicht sel­ten stam­men die Schul­den aus ihren Unter­neh­men, was auch das Delta bei der Schuld­höhe erklärt“, so Karl-Heinz Götze, Lei­ter KSV1870 Insolvenz. 

Ins­ge­samt zeigt die Ana­lyse, dass trotz einer Viel­zahl an wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen die durch­schnitt­li­che Schul­den­höhe pro Schuld­ner im Vor­jahr etwas gesun­ken ist – und zwar von 111.000 Euro auf 104.000 Euro gegen­über dem Jahr 2022. In Anbe­tracht der wei­ter­hin schwie­ri­gen Rah­men­be­din­gun­gen geht der KSV1870 davon aus, dass sich die Zahl der eröff­ne­ten Schul­den­re­gu­lie­rungs­ver­fah­ren am Ende des lau­fen­den Jah­res bei rund 9.500 Fäl­len ein­pen­deln wird. „Für viele Men­schen wird auch das heu­rige Jahr zum finan­zi­el­len Draht­seil­akt wer­den. Inso­fern sollte jede Aus­gabe gut über­legt sein“, unter­streicht Götze. 

Haf­tun­gen als Schul­den­falle für Frauen
Auch wenn weit­aus weni­ger Frauen in den Pri­vat­kon­kurs schlit­tern als Män­ner, zeigt sich, dass etwa­ige Haf­tungs­the­ma­ti­ken wei­ter­hin ein häu­fi­ger Grund sind, warum Frauen in der finan­zi­el­len Sack­gasse lan­den. „Gemein­same Kre­dite und über­nom­mene Haf­tun­gen für Ange­hö­rige wer­den für Frauen in Ver­bin­dung mit den zuletzt stark gestie­ge­nen Kos­ten mitt­ler­weile sehr rasch zu einem wirt­schaft­li­chen Teu­fels­kreis, aus dem sie nur schwer ent­kom­men“, so Götze. 

Die Schul­den resul­tie­ren häu­fig aus not­wen­di­gen Kre­di­ten, etwa für die Finan­zie­rung von Wohn­raum. Viele Frauen unter­schrei­ben Bürg­schaf­ten, obwohl sie oft nicht unmit­tel­bar auf die Erfül­lung des Kre­di­tes Ein­fluss neh­men kön­nen. Im Falle einer Tren­nung geht diese Rech­nung dann nicht mehr auf. Aus Sicht des KSV1870 soll­ten Frauen daher im Vor­feld stär­ker sen­si­bi­li­siert wer­den, wel­che Kon­se­quen­zen aus einer Bürg­schaft ent­ste­hen können. 

Immer mehr junge Men­schen betroffen
Die KSV1870 Ana­lyse zeigt zudem, dass pri­vate Schul­den bereits in jun­gen Jah­ren immer häu­fi­ger zum Pro­blem wer­den. Dem­nach ist der Anteil der „unter-25-Jäh­ri­gen“, die im Vor­jahr von einem Pri­vat­kon­kurs betrof­fen waren, von 4,7 auf 6,3 Pro­zent ange­wach­sen. Gleich­zei­tig hat sich der Anteil der 25- bis 40-Jäh­ri­gen von 37 auf 39 Pro­zent erhöht. Dar­über hin­aus ist in die­sen bei­den Alters­grup­pen die durch­schnitt­li­che Schul­den­höhe teils gra­vie­rend gestie­gen. Wäh­rend sich der Anstieg bei den 25- bis 40-Jäh­ri­gen um sie­ben Pro­zent auf 74.000 Euro erhöht hat, fällt bei den „unter-25-Jäh­ri­gen“ der Zuwachs von 35 Pro­zent auf 59.000 Euro mas­siv aus. 

„Immer mehr junge Men­schen ver­lie­ren den Über­blick über ihre Finan­zen und ver­pas­sen den Zeit­punkt der Schul­den­re­gu­lie­rung – noch vor einem Kon­kurs­ver­fah­ren“, erläu­tert Götze. Um die­ser Ent­wick­lung ent­ge­gen­zu­wir­ken, setzt sich der KSV1870 seit vie­len Jah­ren für eine gezielte Finanz­bil­dung von jun­gen Men­schen ein. Wei­ters sind die pro­zen­tu­el­len Anteile an den öster­reich­wei­ten Pri­vat­kon­kur­sen in den Alters­klas­sen „41 bis 60 Jahre“ (46 Pro­zent) und „über 60 Jahre“ (9 Pro­zent) leicht rück­läu­fig. Dafür fällt hier das durch­schnitt­li­che Schul­den­aus­maß mit 123.000 Euro (41- bis 60-Jäh­rige) und 168.000 Euro (über 60 Jahre) deut­lich höher aus als bei den Jüngeren.

Autor: red/czaak
12.02.2024

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