Zum Inhalt
© pexels/pixabay

„Men­schen möch­ten Dinge besit­zen und sich Neues leisten“

Das aktu­elle lineare Wirt­schafts­sys­tem schä­digt den Pla­ne­ten und ver­nich­tet künf­tig nötige Res­sour­cen. Kreis­lauf­wirt­schaft wäre ein Aus­weg, hat aber oft zu geringe Akzep­tanz. Die Stand­ort­agen­tur Tirol zeigte Lösungs­wege auf.

Das aktu­elle lineare Wirt­schafts­sys­tem schä­digt nicht nur den Pla­n­en­ten und damit unser aller Lebens­grund­lage, es ver­braucht auch deut­lich mehr an Res­sour­cen, als mit­tel- und lang­fris­tig zur Ver­fü­gung ste­hen. Die Kreis­lauf­wirt­schaft bie­tet einen Aus­weg aus die­sem Dilemma. Doch sie stößt oft­mals nicht auf die nötige Akzep­tanz bei Kun­den wie Lie­fe­ran­ten. Wie dies bes­ser gelin­gen kann, zeig­ten Exper­ten wie Tho­mas Bru­der­mann und Peter Post bei einer Ver­an­stal­tung der Stand­ort­agen­tur Tirol.

Grund­sätz­lich basiert Kreis­lauf­wirt­schaft dar­auf, dass Pro­dukte so designt und pro­du­ziert wer­den, dass sie so lange wie mög­lich ver­wen­det, geteilt, geleast, wie­der­ver­wen­det, repa­riert, auf­ge­ar­bei­tet und recy­celt wer­den kön­nen, um sie im Kreis­lauf zu hal­ten – und ihre Lebens­dauer ent­spre­chend zu ver­län­gern. Stu­dien zei­gen, dass die meis­ten Men­schen die­sem Kon­zept sehr posi­tiv gegen­über­ste­hen. Aller­dings set­zen viele ihre posi­tive Ein­stel­lung nicht in ent­spre­chende Hand­lun­gen um.

Per­sön­li­che Sicht­wei­sen und Rah­men­be­din­gun­gen als Ansatz
„Die meis­ten Men­schen sind keine Kli­ma­has­ser. Das Thema Kreis­lauf­wirt­schaft habe für sie in ihrem All­tag jedoch ein­fach keine Prio­ri­tät. Zudem gebe es auch diverse Bar­rie­ren, die den Durch­bruch der Kreis­lauf­wirt­schaft erschwe­ren“, erläu­terte Tho­mas Bru­der­mann, Psy­cho­loge und Pro­fes­sor für Inno­va­tions- und Nach­hal­tig­keits­for­schung an der Uni­ver­si­tät Graz in sei­ner Ein­lei­tung im Rah­men der Veranstaltung. 

„In unse­rer Kul­tur möch­ten Men­schen Dinge besit­zen und sich Neues leis­ten und das ist das genaue Gegen­teil von Prin­zi­pien der Kreis­lauf­wirt­schaft“, so Bru­der­mann. Wer also Men­schen dazu bewe­gen möchte, im Sinne der Cir­cu­lar Eco­nomy zu han­deln, müsse an zwei Fak­to­ren anset­zen: ers­tens dem Mind­set, also an Denk­wei­sen, Über­zeu­gun­gen und Hal­tun­gen. Und zwei­tens gelte es, Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen, die Kreis­lauf­wirt­schaft begünstigen.

Kreis­lauf­fä­hi­ges Han­deln muss ein­fach sein und eine Iden­ti­fi­ka­tion schaffen
Ebenso rele­vant sei, „Kun­den so ein­fach wie mög­lich zu machen, nach­hal­tig zu han­deln“. Bei­spiels­weise kön­nen Pro­dukte und Dienst­leis­tun­gen so gestal­tet sein, dass Men­schen Freude daran haben, sie in Anspruch zu neh­men. „Wer eine Bezie­hung zu Din­gen oder Ange­bo­ten auf­baut, betrach­tet diese auch nicht als Weg­werfar­ti­kel“, so Bru­der­mann. Ande­rer­seits brau­che es auch regu­la­to­ri­sche Vor­ga­ben, wel­che die Kreis­lauf­wirt­schaft begüns­ti­gen und hier sei „dann der Gesetz­ge­ber gefordert“.

Peter Post erläu­terte dann, wie zir­ku­läre Geschäfts­mo­delle schnell, güns­tig und nutzer:innenorientiert ent­wi­ckelt und getes­tet wer­den kön­nen. Post ent­wi­ckelt seit über 25 Jah­ren Pro­dukte und Dienst­leis­tun­gen, zudem ist er Mit­in­itia­tor der Platt­form circular-experiences.org. Hier wer­den Metho­den für ein bes­se­res Kun­den­er­leb­nis in der Kreis­lauf­wirt­schaft ent­wi­ckelt und Unter­neh­men kos­ten­los Pro­to­ty­pen zur Ver­fü­gung gestellt, mit denen sie ihre Modelle und Pro­dukte auf den Prüf­stand stel­len können.

Kun­den sol­len kreis­lauf­fä­hige Pro­dukte und Dienst­leis­tun­gen bevorzugen
„Kund:innen leis­ten einen ent­schei­den­den Bei­trag zum Gelin­gen von Kreis­lauf­wirt­schaft, ent­spre­chend müs­sen sie dafür gewon­nen wer­den, kreis­lauf­fä­hige Pro­dukte und Dienst­leis­tun­gen zu bevor­zu­gen und Prin­zi­pien der Cir­cu­lar Eco­nomy zu leben“ betont Peter Post. „Damit das gelingt, müs­sen wir den Men­schen so viel Mühe wie mög­lich abneh­men und so viel Freude wie mög­lich berei­ten – und das ist die Auf­gabe von Pro­dukt- und Ser­vice-Desi­gner“, so Post.

Die Exper­ten unter­strei­chen auch die Not­wen­dig­keit Modelle zu schaf­fen, die es ein­fach machen, Dinge zu tei­len oder zu mie­ten. „Und dies vor dem Hin­ter­grund, dass viele Men­schen lie­ber besit­zen, statt zu tei­len“, so Post. Die Ent­wick­ler und Gestal­ter von Pro­duk­ten kön­nen sich dabei ver­schie­dene psy­cho­lo­gi­sche Metho­den zu Nutze machen. Rele­vant seien dabei auch digi­tale Ser­vices, um den Lebens­zy­klus von Pro­duk­ten zu verlängern.

Autor: red/czaak
08.02.2024

Weitere aktuelle Artikel

A1 und IBM inten­si­vie­ren Zusam­men­ar­beit bei Gene­ra­ti­ver KI. IBM stellt Platt­form wat­sonx und A1 betreibt diese auf der eige­nen Cloud Infra­struk­tur mit ent­spre­chen­der Ver­ant­wor­tung auch für Hos­ting und Manage­ment der Daten. A1 und IBM ver­tie­fen ihre Zusam­men­ar­beit im Bereich Gene­ra­tive AI, um Unter­neh­men und Orga­ni­sa­tio­nen in Öster­reich den Zugang zu KI-Lösun­gen auf unab­hän­gig sou­ve­rä­ner Infra­struk­tur zu […]
Bei den neuen gesetz­li­chen NIS‑2 Regu­la­rien zeigt sich beim Groß­teil der öster­rei­chi­schen Unter­neh­men Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit. Die nun­mehr gül­ti­gen Cyber­se­cu­rity-Maß­nah­men betref­fen rund 4.000 Betriebe direkt und über die Lie­fer­ket­ten rund 60.000 hei­mi­sche Unternehmen. Das neue Netz-Infor­ma­ti­ons-Gesetz (NIS) gilt seit 1. Okto­ber 2026 und mit die­sem Gesetz wird ein neues Niveau an Cyber­si­cher­heit für deut­lich mehr Unter­neh­men in […]
Es gibt eine Füh­rungs­lü­cke, die öster­rei­chi­sche Unter­neh­men nicht län­ger igno­rie­ren kön­nen. Ein Exper­ten­kom­men­tar von Alli­son Howell, CEO von Hogan Assessments.  Bran­chen­über­grei­fend sind Unter­neh­men mit einem bei­spiel­lo­sen Aus­maß an Ver­än­de­run­gen kon­fron­tiert. Wirt­schaft­li­che Unsi­cher­heit, der rasante tech­no­lo­gi­sche Wan­del, ver­än­derte Erwar­tun­gen der Beschäf­tig­ten und der zuneh­mende Ein­satz von künst­li­cher Intel­li­genz defi­nie­ren auch die Arbeits­welt neu. In die­sem Umfeld ist […]
Öster­rei­chi­sche Natio­nal­bank ver­mel­det ver­bes­ser­ten Kon­junk­tur­aus­blick schon für das zweite Halb­jahr 2026. 2027 und 2028 soll sich die posi­tive Ent­wick­lung des BIP dann noch ver­stär­ken. Die Infla­ti­ons­pro­gnose liegt für 2026 bei drei Pro­zent. Die Arbeits­lo­sen­quote soll spä­tes­tens ab 2027 sinken. Die Oes­ter­rei­chi­sche Natio­nal­bank (OeNB) prä­sen­tierte kürz­lich ihre aktu­elle Inte­rims­pro­gnose für die öster­rei­chi­sche Wirt­schaft für die Jahre […]
Digi­tale Sou­ve­rä­ni­tät galt lange als poli­ti­sches Schlag­wort. Inzwi­schen ist sie für Unter­neh­men ope­ra­tive Rea­li­tät. Ein Exper­ten­kom­men­tar von Robin Schmeis­ser, Geschäfts­füh­rer von Faba­soft Contracts. Mit der rasant stei­gen­den Ver­brei­tung von künst­li­cher Intel­li­genz (KI), wach­sen­den Cloud-Abhän­gig­kei­ten und zuneh­men­dem regu­la­to­ri­schem Druck stellt sich eine unbe­queme Frage: Wie viel Kon­trolle haben Unter­neh­men noch über ihre Daten, Sys­teme und digi­ta­len […]
magnifier
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram