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Mil­li­ar­den­grab Elektroautos

Gewinn der größ­ten Auto­kon­zerne sinkt 2025 um fast 60 Pro­zent. Nur ein von 19 Unter­neh­men mit Gewinn­wachs­tum. Durch­schnitts­marge hal­biert sich auf unter drei Pro­zent. Zusätz­li­che Belas­tun­gen von fast 60 Mil­li­ar­den Euro durch Strategiefehler.

Was als Zukunfts­wette begann, wird für viele Auto­kon­zerne zuneh­mend zur mil­li­ar­den­schwe­ren Belas­tung. Füh­rende Her­stel­ler kor­ri­gie­ren der­zeit rei­hen­weise ihre Elek­tro­stra­te­gien, mit erheb­li­chen Fol­gen für ihre Bilan­zen. Abschrei­bun­gen auf Bat­te­rie­fa­bri­ken, Ent­wick­lungs­pro­jekte und Modell­rei­hen sum­mie­ren sich bei Her­stel­lern in Europa und den USA inzwi­schen auf fast 60 Mil­li­ar­den Euro.

Als Folge bricht im ver­gan­ge­nen Jahr der Gesamt­ge­winn der 19 füh­ren­den Auto­kon­zerne welt­weit um 59 Pro­zent ein – von 143 auf 59 Mil­li­ar­den Euro. Nur das Unter­neh­men Geely schafft mit plus zwölf Pro­zent als ein­zi­ger Auto­be­trieb ein Gewinn­wachs­tum, vier Unter­neh­men rutsch­ten sogar in die roten Zah­len. Und für das heu­rige Jahr zeich­nen sich schon wei­tere Belas­tun­gen ab.

Chi­ne­sen BYD, Geely und Great Wall Motors stei­gern Umsatz und Absatz deutlich

Sta­bil ent­wi­ckelte sich ein­zig der Umsatz der Unter­neh­men mit einem durch­schnitt­li­chen Plus von 0,6 Pro­zent. Die deut­schen Auto­kon­zerne schnit­ten mit einem Umsatz­rück­gang von 4,1 Pro­zent aller­dings schlech­ter ab als die meis­ten Wett­be­wer­ber. Auch beim Neu­wa­gen­ab­satz ver­zeich­ne­ten die deut­schen Kon­zerne mit einem Rück­gang von zwei Pro­zent eine schwä­chere Ent­wick­lung als die Mehr­heit der ande­ren Her­stel­ler. Dies war pri­mär einem über­durch­schnitt­lich star­ken Absatz­rück­gang in China geschuldet.

Die drei chi­ne­si­schen Unter­neh­men im Ran­king – BYD, Geely und Great Wall Motors – konn­ten ihren Umsatz und Absatz mit Wachs­tums­ra­ten von 9,3 bezie­hungs­weise 16 Pro­zent deut­lich stei­gern. Aller­dings muss­ten auch die chi­ne­si­schen Her­stel­ler Ein­bu­ßen bei der Pro­fi­ta­bi­li­tät hin­neh­men : ihr Gesamt­ge­winn sank um knapp 13 Prozent.

Bei Pro­fi­ta­bi­li­tät Suzuki und Toyota vor Kia und BMW 

Im Ran­king der pro­fi­ta­bels­ten Auto­kon­zerne der Welt lagen im ver­gan­ge­nen Jahr mit Suzuki und Toyota zwei japa­ni­sche Unter­neh­men mit Mar­gen von zehn bzw. neun Pro­zent vorn. Es fol­gen Kia (8) und BMW (7,6 Pro­zent). Die Durch­schnitts­marge der ana­ly­sier­ten Unter­neh­men schrumpfte von sie­ben auf drei Pro­zent und erreichte damit einen neuen Tief­stand. Selbst im Pan­de­mie-Jahr 2020 lag sie mit knapp vier Pro­zent höher.

Das sind Ergeb­nisse einer Ana­lyse der Finanz­kenn­zah­len der 19 größ­ten Auto­kon­zerne der Welt, die die Prü­fungs- und Bera­tungs­or­ga­ni­sa­tion EY quar­tals­weise erstellt. „Die Auto­bran­che befin­det sich der­zeit in einer äußerst ange­spann­ten Lage, ver­ein­zelt mit exis­ten­zi­el­len Risi­ken. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­den Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen viel­fach auf opti­mis­ti­sche Annah­men zu Markt­wachs­tum und Elek­tro­mo­bi­li­tät gestützt“, erklärt Axel Preiss, Lei­ter Indus­tri­als bei EY Österreich. 

Umfang­rei­che Abschrei­bun­gen auf Bat­te­rie­be­tei­li­gun­gen, Pro­duk­ti­ons­pro­jekte und Modellreihen

„Tat­säch­lich bleibt die Nach­frage nach Elek­tro­fahr­zeu­gen – ins­be­son­dere in EU und USA – aber deut­lich hin­ter den Erwar­tun­gen. In Folge pas­sen viele Unter­neh­men ihre Stra­te­gien an, was zu umfang­rei­chen Abschrei­bun­gen auf Bat­te­rie­be­tei­li­gun­gen, Pro­duk­ti­ons­pro­jekte und Modell­rei­hen führt. Das Ergeb­nis ist ein mas­si­ver Rück­gang der Gewinne“, so Preiss.

Fast 60 Mil­li­ar­den Euro haben die ana­ly­sier­ten Kon­zerne aktu­ell (Anm. 2025 und lau­fend) an Abschrei­bun­gen und Wert­be­rich­ti­gun­gen ver­kün­det. Ford (US) rech­net auf­grund stark redu­zier­ter Elek­tro­auto-Pläne mit einer Belas­tung von 19,5 Mil­li­ar­den Dol­lar (18 Mil­li­ar­den Euro), bei Gene­ral Motors liegt die Belas­tung bei knapp acht Mil­li­ar­den US-Dol­lar (7 Mil­li­ar­den Euro).

Not­wen­dige Anpas­sung unrea­lis­ti­scher Annahmen

Stellan­tis bezif­ferte den Abschrei­bungs­be­darf mit 22 Mil­li­ar­den Euro, wobei rund 15 Mil­li­ar­den Euro auf die Wende weg von Elek­tro­au­tos im US-Markt ent­fal­len. Zuletzt kün­digte auch Honda eine Abschrei­bung von etwa 14,5 Mil­li­ar­den Euro an – das Unter­neh­men zieht seine Elek­tro­auto-Plä­nen teil­weise zurück. Auch deut­sche Auto­kon­zerne sind betrof­fen : Por­sche bezif­fert die Auf­wen­dun­gen für das Geschäfts­jahr 2025 auf­grund der stra­te­gi­schen Neu­aus­rich­tung mit über drei Mil­li­ar­den Euro.

„Die aktu­ell ange­kün­dig­ten Abschrei­bun­gen sind nicht als Abkehr von der Elek­tro­mo­bi­li­tät zu ver­ste­hen, son­dern viel­mehr als not­wen­dige Anpas­sung unrea­lis­ti­scher Annah­men. Es geht um eine nüch­ter­nere Bewer­tung von Geschwin­dig­keit und Umfang der Elek­tri­fi­zie­rungs­stra­te­gien – nicht um einen grund­sätz­li­chen Rich­tungs­wech­sel“, so Preiss.

US-Zoll­po­li­tik, geo­po­li­ti­sche Risi­ken und fra­gile Lie­fer­ket­ten erge­ben wei­tere Belas­tun­gen in Milliardenhöhe

Zusätz­li­che Belas­tun­gen in Mil­li­ar­den­höhe resul­tier­ten auch aus der US-Zoll­po­li­tik. Neben der stra­te­gi­schen Neu­aus­rich­tung belas­ten auch geo­po­li­ti­sche Risi­ken und fra­gile Lie­fer­ket­ten die Bran­che erheb­lich. Das nun erfol­gende umfas­sende bilan­zi­elle Berei­ni­gen kann jedoch eine Grund­lage dafür schaf­fen, ab dem Geschäfts­jahr 2026 wie­der sta­bi­lere Mar­gen zu erzie­len. „Gleich­zei­tig wer­den lau­fende Kos­ten­sen­kungs­pro­gramme erst zeit­ver­zö­gert ihre volle Wir­kung ent­fal­ten“, so EY-Experte Preiss.

Belas­tun­gen und Hand­lungs­druck stei­gen auch für den Indus­trie­stand­ort Öster­reich spür­bar. Hohe Kos­ten, zuneh­mende Regu­lie­rung und inter­na­tio­nale Wett­be­wer­ber mit deut­lich nied­ri­ge­ren Pro­duk­ti­ons­kos­ten stel­len viele Unter­neh­men vor große Her­aus­for­de­run­gen. „Um die Wett­be­werbs­fä­hig­keit nach­hal­tig abzu­si­chern, braucht es gezielte struk­tu­relle Anpas­sun­gen und ver­läss­li­che indus­tri­elle Rah­men­be­din­gun­gen“, ergänzt Axel Preiss von EY. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
12.04.2026

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