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© TU Wien_Burns

Mit dem Ruder­boot über den Atlantik

Eine Stu­den­tin der TU Wien will in einem zwölf­köp­fi­gen Team über den Atlan­tik rudern. Ein spe­zi­ell ent­wi­ckel­tes Mess­ge­rät wird dabei Daten über das Rege­ne­ra­ti­ons­ver­mö­gen in kör­per­li­chen Extrem­si­tua­tio­nen sammeln.

Es wird ein gro­ßes Aben­teuer. Ciara Burns, Stu­den­tin an der TU Wien Bio­me­di­cal Engi­nee­ring, wird Ende März von Tene­riffa auf­bre­chen, um rudernd den Atlan­tik zu über­que­ren. Als Teil eines zwölf­köp­fi­gen Teams möchte sie in 30 bis 40 Tagen die Kari­bik­in­sel Anti­gua errei­chen. Neben der gro­ßen sport­li­chen Her­aus­for­de­rung gibt es dabei auch einen wis­sen­schaft­li­chen Aspekt. In Zusam­men­ar­beit mit Euge­ni­jus Kani­usas vom For­schungs­be­reich „Bio­me­di­cal Elec­tro­nics“ der TU Wien wird Burns ihre Herz­fre­quenz elek­tro­nisch auf­zeich­nen und mit­tels spe­zi­el­ler Ana­ly­se­me­tho­den das Thema Rege­ne­ra­tion in Extrem­si­tua­tio­nen erfor­schen. Unter­stützt wird das Pro­jekt von Bit­tium, einem fin­ni­schen Her­stel­ler für EKG-Sensoren.

Extreme kör­per­li­che Belas­tung ver­sus kurze Regenerationszeit
Gelin­gen soll die Oze­an­über­que­rung mit einem Spe­zi­al­ru­der­boot für zwölf Per­so­nen. Geru­dert wird dabei ohne Pause : Zu jedem Zeit­punkt sol­len sechs Per­so­nen rudern und sechs Per­so­nen schla­fen. Gewech­selt wird im zwei-Stun­den-Takt. „Die­ser Rhyth­mus hat sich schon bei ver­gan­ge­nen Atlan­tik­über­que­run­gen bewährt“, erläu­tert Ciara Burns. „Natür­lich ist es schwie­rig, nach zwei Stun­den Schlaf schon wie­der auf­zu­ste­hen und wei­ter zu rudern. Aber dafür weiß man auch : Man hat kei­nen lan­gen Tag vor sich, son­dern muss nur zwei Stun­den durchhalten.“

Die­ser unge­wöhn­li­che Rhyth­mus wirft auch wis­sen­schaft­li­che Fra­gen auf : Wie geht der Kör­per mit die­ser extre­men Belas­tung und der kur­zen Rege­ne­ra­ti­ons­zeit um ? Stimmt das sub­jek­tive Erschöp­fungs­ge­fühl mit objek­tiv mess­ba­ren Para­me­tern über­ein ? Sol­che Fra­gen unter­sucht Kani­usas. Ciara Burns wird zwei Herz­mo­ni­to­ring-Geräte mit­neh­men, um ihre Herz­fre­quenz auf­zu­zeich­nen. „Wir wer­den unter­su­chen, wie stark die Herz­fre­quenz in wel­chen Pha­sen vari­iert, und mit eigens ent­wi­ckel­ten Ana­ly­se­me­tho­den mes­sen wir, wie gut sich der Kör­per unter wel­chen Bedin­gun­gen rege­ne­riert“, erklärt Euge­ni­jus Kaniusas.

Über­le­ben auf hoher See
Die kör­per­li­che Anstren­gung beim Rudern ist extrem. Der Ver­brauch beläuft sich etwa auf 10.000 Kalo­rien pro Tag, dazu 10 Liter Trink­was­ser. Beim aktu­el­len Vor­ha­ben wird das Trink­was­ser mit­tels einer Osmo­se­an­lage aus Meer­was­ser gewon­nen und der Nah­rungs­be­darf mit spe­zi­el­ler „Astro­nau­ten­nah­rung“ gedeckt. Trotz­dem muss wäh­rend der Atlan­tik­über­que­rung mit einem Gewichts­ver­lust von etwa 10 Kilo­gramm pro Per­son gerech­net werden.

„Wir haben elek­tro­ni­sche Geräte mit, um navi­gie­ren oder not­falls Hil­fe­rufe absen­den zu kön­nen. Alle sind mit einer Leine am Boot befes­tigt und tra­gen auch noch einen Peil­sen­der am Kör­per“, so Ciara Burns zum Thema Sicher­heit. Sollte das Wet­ter ganz beson­ders unge­müt­lich wer­den, kann sich das gesamte Team in die zwei klei­nen Kabi­nen am Boot zurück­zie­hen. Das Boot ist zudem so kon­stru­iert, dass es nicht ken­tern kann, son­dern sich in jeder Posi­tion von selbst auf­rich­tet. Der genaue Start­ter­min ist noch wet­ter­ab­hän­gig, geplant ist die­ser Tage. Burns wird über das Atlan­tik-Aben­teuer lau­fend online berichten. 

Autor: red/mich
22.03.2021

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