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Mit den Hän­den in der Erde wühlen

… und in Folge Alz­hei­mer bekämpfen.

Mit der Ent­wick­lung eines ent­schei­den­den Nach­weis­ver­fah­rens von Immun­stof­fen zur Bekämp­fung der Alz­hei­mer-Krank­heit holte sich Marion Prior von der Med Uni Wien den ers­ten Platz beim dies­jährigen INiTS Woman-Award. Eco­no­my­aus­tria sprach mit Ihr über Hands-On-Unter­stüt­zun­gen, die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und For­schungs­kar­riere sowie über schwie­rige Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nisse an öster­rei­chi­schen Unis.

Eco­nomy : Wann und warum war klar bzw. aus­schlag­ge­bend, dass Ihr Inter­esse in Rich­tung Naturwissenschaften/​Life Sci­en­ces geht ?
Marion Prior : Mein Inter­esse für Natur­wis­sen­schaf­ten wurde bereits sehr früh geweckt. Ich habe als Kind am liebs­ten mit den Hän­den in der Erde gewühlt, um her­aus­zu­fin­den was sich darin alles ver­birgt. Als ich dann etwas älter war, hat es mich fas­zi­niert diverse Gewäs­ser­pro­ben mit dem Mikro­skop zu untersuchen.
Somit war für mich schon sehr früh klar Bio­lo­gie zu stu­die­ren. Wäh­rend mei­nes Stu­di­ums und im Zuge mei­ner Diplom­ar­beit wurde ich von sehr enga­gier­ten Pro­fes­so­ren für Wis­sen­schaft begeis­tert und in mei­nem Wunsch bestärkt als Wis­sen­schaf­te­rin zu arbeiten.
 
Wie emp­fin­den Sie die Rah­men­be­din­gun­gen für For­schung an der Uni, wel­che erwäh­nens­wer­ten posi­ti­ven und nega­ti­ven Sei­ten gibt es, wel­che Ver­bes­se­rungs­vor­schläge und Wünsche ?
Die Rah­men­be­din­gun­gen an den Uni­ver­si­tä­ten wer­den zuneh­mend schwie­ri­ger. Die Finan­zie­rung von For­schungs­vor­ha­ben geschieht haupt­säch­lich über Dritt­mit­tel. Damit ein­her­ge­hend erge­ben sich für viele junge For­schende Schwie­rig­kei­ten bezüg­lich ihrer Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses an den Universitäten.
Die stets befris­te­ten Ver­träge enden in Ket­ten­ver­trä­gen, mit einer Maxi­mal­lauf­zeit­zeit von sechs Jah­ren. Aus­sicht auf unbe­fris­tete Dienst­ver­hält­nisse gibt es kaum. Somit sind bes­tens aus­ge­bil­dete For­scher oft gezwun­gen die Uni­ver­si­tät zu ver­las­sen. Die­ser Ent­wick­lung muss drin­gend ent­ge­gen­ge­wirkt werden !
 
Wie ste­hen Sie zur Situa­tion, dass es viel zu wenige weib­li­che Wis­sen­schaf­ter in Natur­wis­sen­schaf­ten und Tech­no­lo­gie gibt und wel­che Ansatz­punkte und Ver­bes­se­rungs­vor­schläge gibt es Ihrerseits ?
Etwa zwei Drit­tel der Bio­lo­gie Studenten/​Absolventen sind Frauen. Jedoch sind immer noch viel weni­ger Frauen in Wis­sen­schaft und For­schung ver­tre­ten. Pro­ble­ma­tisch ist hier vor allem die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Forschungskarriere.
Es wird zwar eine Erhö­hung des Frau­en­an­teils ange­strebt, aller­dings kann dies nur funk­tio­nie­ren, wenn es genü­gend fle­xi­ble Kin­der­be­treu­ungs­plätze gibt, denn nicht jedes Pro­jekt oder Expe­ri­ment kann an starre Öff­nungs­zei­ten ange­passt werden.

Gibt es Plan oder ein fes­tes Vor­ha­ben zur Unter­neh­mens­grün­dung und wie emp­fin­den Sie Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen und gene­relle Unter­stüt­zung für wis­sen­schaft­li­che Start-ups ?
Eine Unter­neh­mens­grün­dung ist im Moment nicht geplant, da ich mir erst durch die Teil­nahme beim INITS Award Gedan­ken über die wirt­schaft­li­che Ver­wert­bar­keit mei­ner Arbeit gemacht habe und meine Geschäfts­idee daher noch in den Kin­der­schu­hen steckt.
Das Know-how und die Hands-on Unter­stüt­zung von Grün­dungs­ein­rich­tun­gen wie INITS würde ich jeden­falls für die Wei­ter­ent­wick­lung und Umset­zung mei­nes Pro­jekts in Anspruch nehmen.

Beein­flusst die INiTS-Prä­mie­rung Ihren wei­te­ren beruf­li­chen Werdegang ?
Aner­ken­nung und Wert­schät­zung der erbrach­ten Leis­tung kommt in der Wis­sen­schaft lei­der oft zu kurz, daher ist die Prä­mie­rung natür­lich ein gro­ßer Motivationsschub.
Der Award hat jeden­falls mein Bewusst­sein für die wirt­schaft­li­che Ver­wert­bar­keit und das Poten­zial das in mei­ner wis­sen­schaft­li­chen Arbeit steckt geweckt.

Autor:
05.12.2014

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