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Mob­bing bei Jugend­li­chen steigt kontinuierlich

Neue Jugend­stu­die zum Thema Cyber-Mob­bing anläss­lich 19. Safer Inter­net Day. Fast 20 Pro­zent der jun­gen Men­schen bereits Opfer. Schule zen­tra­ler Ort für Vor­fälle wie auch für Unterstützung.

Lügen und Gerüchte in den (soge­nann­ten) Sozia­len Netz­wer­ken, wie­der­holte Belei­di­gun­gen über Mes­sen­ger-Dienste oder Aus­gren­zun­gen im Online-Unter­richt : Jugend­li­che kön­nen auf viel­fäl­tige Weise von Cyber-Mob­bing betrof­fen sein. In Zei­ten von Lock­downs und Home-Schoo­ling hat die­ses Phä­no­men wei­ter zuge­nom­men. Im Rah­men der Initia­tive Safer­inter­net prä­sen­tier­ten nun das Öster­rei­chi­sche Insti­tut für ange­wandte Tele­kom­mu­ni­ka­tion (ÖIAT) und die Inter­net Ser­vice Pro­vi­ders Aus­tria (ISPA) eine Stu­die zum Thema Cyber-Mob­bing, für die 11- bis 17-Jäh­rige befragt wurden.

Viele Jugend­li­che haben bereits nega­tive Online-Erfah­run­gen gemacht : fast die Hälfte (48 Pro­zent) hat schon Beschimp­fun­gen und Belei­di­gun­gen erfah­ren, gefolgt von Ghos­ting, also dem plötz­li­chen, unan­ge­kün­dig­ten Kon­takt­ab­bruch durch andere (46). Auch ver­brei­tete Lügen oder Gerüchte über die eigene Per­son (41), sowie Iden­ti­täts­dieb­stahl durch Fake-Pro­file (37), der unge­wollte Erhalt unan­ge­neh­mer Nach­rich­ten (37) oder Ein­schüch­te­rungs­ver­su­che (33 Pro­zent) wer­den häu­fig genannt.

17 Pro­zent waren bereits Opfer, 10 Pro­zent geben Betei­li­gung zu
Grund­sätz­lich bedeu­tet Cyber-Mob­bing ein absicht­li­ches und über einen län­ge­ren Zeit­raum anhal­ten­des Belei­di­gen, Bedro­hen, Bloß­stel­len, Beläs­ti­gen oder Aus­gren­zen kon­kre­ter Per­so­nen über digi­tale Medien. Betrof­fene erle­ben meist eine Kom­bi­na­tion ver­schie­de­ner Erschei­nungs­for­men. Wie die Stu­die zeigt, waren 17 Pro­zent der Befrag­ten schon ein­mal Opfer von Cyber-Mob­bing, 42 Pro­zent haben dies bei ande­ren mit­be­kom­men und jede/​r Zehnte gibt eine aktive Betei­li­gung oder Initia­tive zu.

Jugend­li­che mei­nen, dass die Täte­rIn­nen nicht zwangs­läu­fig mit böser Absicht han­deln : 44 Pro­zent sagen, dass diese die Grenze zwi­schen Spaß und Ernst schlicht nicht ken­nen. Bei der Prä­ven­ti­ons­ar­beit brau­che es daher ein Bewusst­sein für unter­schied­li­che Wahr­neh­mun­gen und das kann dann ein bedeu­ten­der Schritt im Kampf gegen Cyber-Mob­bing sein.

Täte­rIn­nen han­deln aus unter­schied­lichs­ten Motiven
Eben­falls als häu­fi­ges Motiv wird mit 43 Pro­zent der Wunsch nach Macht­aus­übung genannt. Je rund ein Drit­tel der Befrag­ten nennt als wei­tere Gründe die Demons­tra­tion von Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit (36), ras­sis­ti­sche Motive (33) sowie das Unver­mö­gen, mit dem eige­nen Zorn umzu­ge­hen (31) und Lan­ge­weile (31 Prozent).

Über­all dort, wo sich junge Men­schen online bewe­gen, kann es zu Cyber-Mob­bing kom­men. Am häu­figs­ten nen­nen die Jugend­li­chen Platt­for­men, auf denen öffent­lich kom­mu­ni­ziert wird : Insta­gram (56 Pro­zent), gefolgt von Tik­Tok (42), Face­book (36) und Snap­chat (32 Pro­zent). Mit 30 Pro­zent lie­gen die viel genutz­ten Mes­sen­ger-Dienste (zB. WhatsApp)nur an 5. Stelle der häu­figs­ten Cyber-Mobbing-Plattformen. 

Das Wis­sen um die Absen­der und das ambi­va­lente Thema Hilfestellung
Online-Spiele wer­den von 25 Pro­zent genannt, Video­chat-Anwen­dun­gen im Unter­richt von 11 Pro­zent. Knapp die Hälfte der Befrag­ten (48 Pro­zent) meint, dass Cyber-Mob­bing in Zei­ten von Distance Lear­ning häu­fi­ger vor­kommt, teil­weise auch vor den Augen der Leh­ren­den. „Lei­der ist die Prä­ven­ti­ons­ar­beit gerade in die­ser Zeit zu kurz gekom­men”, so Bar­bara Bucheg­ger, päd­ago­gi­sche Lei­te­rin von Saferinternet. 

Was die Iden­ti­tät der Angrei­fe­rIn­nen betrifft, ahnen 43 Pro­zent, wer der/​die Ver­ant­wort­li­che ist oder wis­sen es sogar genau (30 Pro­zent). 43 Pro­zent der Jugend­li­chen geben an, dass die Täte­rIn­nen im schu­li­schen Umfeld zu fin­den sind, gefolgt von Inter­net-Use­rIn­nen (21) und Bekann­ten­kreis (8 Prozent).

Keine Hil­fe­stel­lung von den Betrei­bern der Sozia­len Netzwerke
Beim Thema Hilfe wer­den Freunde von 78 Pro­zent als wich­tigste Ansprech­per­so­nen genannt, gefolgt von Eltern (71) und Leh­ren­den (64). Theo­rie und Pra­xis klaf­fen aber oft aus­ein­an­der : Denn mit 48 Pro­zent meint fast die Hälfte der Befrag­ten, dass Erwach­sene in Cyber-Mob­bing-Situa­tio­nen oft nicht hilf­reich sind. Ebenso hat ein Drit­tel (33 Pro­zent) der Jugend­li­chen schon erlebt, dass Leh­rende einen Fall nicht ernst genom­men haben.

Die Dis­kre­panz beim Thema Hil­fe­stel­lung zeigt sich auch bei der Nut­zung tech­ni­scher Abwehr­mög­lich­kei­ten von Mob­bing-Atta­cken. 70 Pro­zent der Jugend­li­chen mei­nen es sei hilf­reich, Täte­rIn­nen auf den jewei­li­gen Platt­for­men zu blo­ckie­ren oder zu sper­ren. 59 Pro­zent erach­ten eine Mel­dung als hilf­reich, gleich­zei­tig erleb­ten aller­dings 45 Pro­zent der Jugend­li­chen keine Bear­bei­tung ihrer Mel­dun­gen von den Betrei­bern Sozia­ler Netzwerke.

Es bleibt viel zu tun
Die direkte Aus­ein­an­der­set­zung mit den Täte­rIn­nen wird als weni­ger ziel­füh­rend bewer­tet. Diese zu bit­ten, mit dem Mob­bing auf­zu­hö­ren, beur­tei­len nur 23 Pro­zent als hilf­reich. Ledig­lich 18 Pro­zent hal­ten es für för­der­lich, mit Beschimp­fun­gen oder Belei­di­gun­gen zu kon­tern. Und ein­fach zu war­ten, bis das Mob­bing wie­der auf­hört, stellt nur für 17 Pro­zent der Jugend­li­chen eine Option dar.

„58 Pro­zent wis­sen mitt­ler­weile, wie sie gegen Cyber-Mob­bing vor­ge­hen kön­nen“, so Harald Kap­per, Prä­si­dent der ISPA-Prä­si­dent zu den gemein­sa­men Anstren­gun­gen mit den Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen der letz­ten Jahre. „Die Stu­die ver­deut­licht, dass wir Jugend­li­che wei­ter­hin über Hass im Netz und Cyber-Mob­bing infor­mie­ren müs­sen, im schu­li­schen wie auch pri­va­ten Umfeld.“ Bei 84 Pro­zent erfolgte die Auf­klä­rung durch Leh­rende, bei 45 durch Eltern und jeweils rund ein Drit­tel geben das Inter­net und Work­shops an.

Safer­inter­net unter­stützt mit zahl­rei­chen Angeboten
Das Thema Cyber-Mob­bing ist jedoch nicht nur für Jugend­li­che, son­dern auch für Päd­ago­gIn­nen und Eltern eine große Her­aus­for­de­rung. Safer­inter­net unter­stützt daher öster­reich­weit mit Work­shops und zahl­rei­chen wei­te­ren Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­ten. Dazu gehört auch das kos­ten­los erhält­li­che Unter­richts­ma­te­rial „Aktiv gegen Cyber-Mob­bing“ (Anm. geför­dert vom BM für Bil­dung, Wis­sen­schaft und For­schung) oder diverse Rat­ge­ber auch für Eltern. 

Auch das ISPA-Kin­der­buch „Der Online-Zoo“ und die gleich­na­mige Vide­oreihe behan­deln unter ande­rem das Thema Cyber-Mob­bing. Alle Ange­bote und Down­load- sowie Bestell­mög­lich­kei­ten fin­den sich auf der Inter­net­seite von Safer­inter­net (siehe Link). Anläss­lich des Safer Inter­net Day fin­det wie­derum im gesam­ten Februar der Safer Inter­net-Akti­ons­mo­nat statt und hier sol­len sich wie­derum auch Schu­len und Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen mit eige­nen Aktio­nen beteiligen. 

Autor: red/mich/czaak
08.02.2022

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