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Mul­ti­ver­sum : Der info­gene Mensch

Die Erfin­dung des Men­schen als model­lierte Daten­struk­tur vom Archiv­kör­per zum Datenkörper.

Heute sind es nicht nur die mehr oder weni­ger äußer­lich wahr­ge­nom­me­nen digi­ta­len Kom­bat­tan­ten die­ses täg­li­chen Molo­tow-Cock­tails an Infor­ma­tion, son­dern auch innere Daten­ströme, die rich­tig gedeu­tet und ver­stan­den wer­den wollen.
Wenn, wie 2007 gesche­hen, For­scher der Uni­ver­si­tät von Kali­for­nien, das erste voll­stän­dige Com­pu­ter­mo­dell der Stoff­ströme im Men­schen kon­stru­iert haben, ist abzu­se­hen, dass irgend­wann ein vari­ier­ba­res Gesund­heits- oder Nor­ma­li­täts­mo­dell von Stoff- und Infor­ma­ti­ons­strö­men ent­ste­hen wird. Nicht die Digi­ta­li­sie­rung von Kör­per­da­ten bilde die Soll­bruch­stelle, son­dern die damit ver­bind­ba­ren Akti­vie­rungs- und Ein­bet­tungs­in­ter­es­sen, mahnt Man­fred Faß­ler von der Uni­ver­si­tät Frank­furt am Main.
Es ent­ste­hen völ­lig neue Men­schen- und Lebens­bil­der, in denen bio- und lebens­wis­sen­schaft­li­che Ereig­nisse mit daten­tech­no­lo­gi­schen Zustän­den zu Per­sön­lich­keits­bil­dern, Gesund­heits- und Krank­heits­ty­po­lo­gien, zu beruf­li­chen Vor­be­wer­tun­gen gekop­pelt wer­den. Es ent­steht eine daten­tech­no­lo­gi­sche Objek­ti­vi­tät und regu­la­tive Nor­ma­li­tät, deren Erfolge noch nicht abseh­bar sind.
Indi­vi­dua­li­tät, die auf kör­per­li­che Unver­sehrt­heit und Infor­ma­ti­ons­ethik oder Daten­würde grün­det, werde dann eine Dop­pel­för­mig­keit auf­wei­sen : die des sinn­li­chen Kör­pers und die des unsinn­li­chen Daten­kör­pers. Wel­cher Anteil wich­tig wer­den wird, steht dann in Regie­rungs­er­klä­run­gen von Gesund­heits­po­li­ti­kern und Krankenkassen.

Kör­per wird zum Interface
Der Kör­per als infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tende Zusam­men­stel­lung von Orga­nen wird ebenso in Bewe­gung gesetzt wie die Elek­tro­nen­ge­hirne der Mili­tärs, Ban­ken und Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men. Es hat aber nur 40 Jahre gedau­ert, bis Kernspintomografie‑, Magnet­re­so­nanz­da­ten, Body-Scan­ning und Bio-Cas­ting einen elek­tro­ni­schen Kör­per erzeug­ten, der mich annä­hernd gewichts­los über­all­hin beglei­tet. Inzwi­schen ist die­ser elek­tro­ni­sche Zusatz­kör­per zum schweig­sa­men nächs­ten Ver­wand­ten geworden.
Esther Dyson ist mit dem Unter­neh­men 23andme – das Start­ka­pi­tal stammt von Google – in die­ses Geschäfts­feld ein­ge­drun­gen. Für 399 Dol­lar lässt sie für ihre Kun­den deren Genom ana­ly­sie­ren. Zu ihren eige­nen Daten pflegt Dyson ein ent­spann-tes Ver­hält­nis, ver­öf­fent­lichte sie doch ihr Erb­gut im Web. Je mehr Men­schen ihre Daten ver­öf­fent­li­chen, desto bes­ser könne damit geforscht werden.
Ob das Web der rich­tige Ort ist, um die Ergeb­nisse sei­ner Erb­gut­ana­lyse zu erfah­ren, sei dahin­ge­stellt. Dyson sei gesagt : Der Daten­kör­per kennt kein Happy End. Er stirbt nicht ein­mal. Er ver­schwin­det, nicht spu­ren­los, aber unles­bar, als digi­tale Hin­ter­las­sen­schaft, als sinn­lo­ser Schal­tungs­zu­stand. Eini­ges hat sich in den letz­ten Jah­ren getan. Trotz aller gene­ti­schen Deter­mi­na­tion las­sen sich Kör­per­schich­ten nicht auf Gene redu­zie­ren, son­dern sind an Zell­bio­lo­gie, Organ­ent­wick­lung und Umwelt ebenso gebun­den, wie digi­tale Archiv­pro­gramme ohne den Zustrom von Daten von Kör­pern und Zusam­men­hän­gen, die nicht sie sind, eben nichts sind.

Autor:
15.01.2009

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