Zum Inhalt
© Pexels.com/Tima Miroshnichenko

Nach der Pflicht noch­mal rasch die Pflicht und dann die Kür

Kon­so­li­die­rungs­pa­ket der neuen Öster­rei­chi­schen Regie­rung redu­ziert Finan­zie­rungs­lü­cke und ist als ers­ter Schritt zu begrü­ßen. Bud­get­dy­na­mik bleibt jedoch und so braucht es rasch wei­tere Kon­so­li­die­rungs­schritte, so der Öster­rei­chi­sche Fiskalrat.

Die neue Öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung hat im Kon­text mit dem zu hohen Bud­get­de­fi­zit eine Reihe an Maß­nah­men ein­ge­lei­tet. Der Öster­rei­chi­sche Fis­kal­rat begrüßt nun diese Maß­nah­men, warnt aber gleich­zei­tig von einer Über­schät­zung der mit­tel­fris­ti­gen Wir­kung des Kon­so­li­die­rungs­pa­kets und for­dert im Kon­text mit der grund­le­gen­den Bud­get­ent­wick­lung wei­tere Schritte. 

Unter­schrei­tung der 3 Pro­zent-Defi­zit­grenze 2028 mit der­zei­ti­gem Bud­get­plan nicht erreichbar
„Zusätz­li­che gebiets­kör­per­schafts­über­grei­fende Kon­so­li­die­rung und Refor­men sind uner­läss­lich und müs­sen jetzt ein­ge­lei­tet wer­den, um recht­zei­tig zu wir­ken“, so die Bud­get-Exper­ten des Fis­kal­ra­tes. Begrün­det wird dies, da die Schul­den­quote ohne zusätz­li­che Maß­nah­men nach 2029 wei­ter steigt und daher brau­che es zusätz­li­che Kon­so­li­die­rungs­schritte, die sofort nach 2029 wir­ken. In Ver­bin­dung mit dem dro­hen­den EU-Defi­zit­ver­fah­ren warnt der Fis­kal­rat zudem, dass die Unter­schrei­tung der 3 Pro­zent-Defi­zit­grenze 2028 mit der­zei­ti­gem Bud­get­plan nicht erreich­bar sei.

Für die Jahre 2025 und 2026 wird ein gesamt­staat­li­ches Bud­get­de­fi­zit von 4,3% bzw. 4,1% des Brut­to­in­lands­pro­dukts (BIP) erwar­tet. Auch mit­tel­fris­tig wird von kei­ner Ver­bes­se­rung des Bud­get­sal­dos aus­ge­gan­gen. Die hohen Defi­zite sind dabei v. a. auf die star­ken Aus­ga­ben­er­hö­hun­gen im Laufe des letz­ten Jahr­zehnts, die sich
über die gesamte Pro­gno­se­pe­ri­ode wei­ter fort­set­zen, aber auch auf Min­der­ein­nah­men auf­grund der BIP-Wachs­tums­schwä­che und der Umset­zung von ein­nah­men­sen­ken­den Maß­nah­men der Ver­gan­gen­heit (u.a. im Rah­men der öko­so­zia­len Steu­er­re­form) zurückzuführen. 

2029 soll Schul­den­quote 91 Pro­zent des BIP erreichen
Die Kon­so­li­die­rungs­maß­nah­men rei­chen laut Fis­kal­rat nicht aus, um bis 2029 das Bud­get­de­fi­zit unter die 3 Pro­zent-Maas­tricht-Ober­grenze zu sen­ken. Die hohen erwar­te­ten Bud­get­de­fi­zite füh­ren in jedem Pro­gno­se­jahr zu einem wei­te­ren Über­schrei­ten der his­to­ri­schen Schul­den­höchst­stände. 2029 soll die Schul­den­quote 91 Pro­zent des BIP errei­chen, so die Berech­nun­gen der Exper­ten des Fiskalrates.

Ohne Kon­so­li­die­rungs­pro­gramm würde das Defi­zit 2025 und 2026 auf 5,3 bzw. 5,4 Pro­zent des BIP stei­gen. Das von der Regie­rung geplante Kon­so­li­die­rungs­vo­lu­men muss durch kon­se­quente Umset­zung der geplan­ten Maß­nah­men des Bud­get­plans (in allen Res­sorts, Gebiets­kör­per­schaf­ten und außer­bud­ge­tä­ren Ein­hei­ten wie den ÖBB) und strik­ten Bud­get­voll­zug erreicht wer­den. Sollte sich die vom Fis­kal­rat erwar­tete Unter­schrei­tung der geplan­ten Kon­so­li­die­rungs­vo­lu­mina 2025 und 2026 (Anm. etwa Ein­spa­run­gen in Ministerien/​Ressorts oder infolge Betrugs­be­kämp­fungs­pa­kets und gebiets­kör­per­schafts­über­grei­fen­der Refor­men) abzeich­nen, so brau­che es zusätz­li­che Konsolidierungsmaßnahmen.

Mit­tel­fris­tige Kon­so­li­die­rungs­pläne durch kon­krete Maß­nah­men zeit­nah realisieren
Die zusätz­li­chen Kon­so­li­die­rungs­pläne der Regie­rung ab dem Jahr 2027 sind bis­her zum Teil nur mit Über­schrif­ten ver­se­hen. Zusätz­lich geht die Kon­so­li­die­rungs­wir­kung eini­ger der kurz­fris­tig umge­setz­ten Maß­nah­men zurück. Um das geplante zusätz­li­che Kon­so­li­die­rungs­vo­lu­men von jähr­lich 5,9 Mrd. Euro bis 2029 zu errei­chen, müs­sen geplante Refor­men mit kon­kre­ten Maß­nah­men unter­legt sowie die bud­ge­tier­ten Ein­spa­run­gen bei Län­dern und Gemein­den erreicht wer­den. Dazu sind umge­hend ziel­ge­rich­tete Ver­hand­lun­gen aller Gebiets­kör­per­schaf­ten mit ver­bind­li­chen Zeit­plä­nen bezüg­lich der Umset­zung von Refor­men zu star­ten, um die nötige ein­ge­plante Bud­get­wir­kung recht­zei­tig zu erzielen. 

Sel­bi­ges gilt für die Taskforces zu Betrugs­be­kämp­fung und För­de­run­gen, deren noch völ­lig offene Resul­tate eben­falls bereits in den Bud­get­plä­nen berück­sich­tigt wur­den. Auch hier sind ver­bind­li­che Zeit­pläne und Mei­len­steine, die mit den geplan­ten Bud­get­wir­kun­gen in Ein­klang ste­hen, trans­pa­rent zu for­mu­lie­ren. Auf den zeit­li­chen Abstand von Reform­um­set­zung und Bud­get­wir­kung muss dabei beson­de­res Augen­merk gelegt wer­den. Von den geplan­ten Ein­spa­run­gen bis 2029 (14,6 Mrd Euro) sind laut Fis­kal­rats­ein­schät­zung bis­her erst 8,4 Mrd Euro gesi­chert, so der Fiskalrat. 

Autor: red/czaak
20.06.2025

Weitere aktuelle Artikel

Digi­tale Sou­ve­rä­ni­tät galt lange als poli­ti­sches Schlag­wort. Inzwi­schen ist sie für Unter­neh­men ope­ra­tive Rea­li­tät. Ein Exper­ten­kom­men­tar von Robin Schmeis­ser, Geschäfts­füh­rer von Faba­soft Contracts. Mit der rasant stei­gen­den Ver­brei­tung von künst­li­cher Intel­li­genz (KI), wach­sen­den Cloud-Abhän­gig­kei­ten und zuneh­men­dem regu­la­to­ri­schem Druck stellt sich eine unbe­queme Frage : Wie viel Kon­trolle haben Unter­neh­men noch über ihre Daten, Sys­teme und digi­ta­len […]
2024 wur­den in Öster­reich mehr Unter­neh­men gegrün­det. Fast 90 Pro­zent der Start-Ups kom­men aus den Berei­chen Dienst­leis­tung und Han­del und die über­wie­gende Mehr­heit sind Klein(st)unternehmen. Exakt 39.554 neue Betriebe wur­den laut Sta­tis­tik Aus­tria im Jahr 2024 in Öster­reich gegrün­det. Das ist eine Stei­ge­rung um rund fünf Pro­zent gegen­über 2023 als Vor­jahr. Für das Jahr 2025 lie­gen […]
US-Tech-Kon­zerne bauen Domi­nanz an den Welt­bör­sen wei­ter aus. KI-Boom treibt Bewer­tun­gen auf neue Rekorde. Nvi­dia, Alpha­bet und Apple aktu­ell als höchst­be­wer­tete Unter­neh­men. 36 Tech-Com­pa­nies unter Top 100. Kein euro­päi­sches Unter­neh­men unter den Top 10.  Die wert­volls­ten bör­sen­no­tier­ten Unter­neh­men der Welt haben ihren Markt­wert im ers­ten Halb­jahr 2026 erneut kräf­tig gestei­gert, und das, trotz geo­po­li­ti­scher Span­nun­gen, Kon­junk­tur­flaute […]
Land NÖ stärkt regio­nale Betriebe mit wei­te­ren Inves­ti­tio­nen. NÖBEG inves­tiert wei­tere 5 Mil­lio­nen Euro in kleine und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men und sichert damit auch über 250 Arbeits­plätze. Gesam­tes aktu­el­les Invest­vo­lu­men in Höhe von 15 Mil­lio­nen Euro. Die Nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Lan­des­re­gie­rung hat soeben stille Betei­li­gun­gen der NÖ Bürg­schaf­ten und Betei­li­gun­gen GmbH (NÖBEG) für sechs nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Unter­neh­men im Aus­maß von rund […]
Fis­kal­rat kri­ti­siert Bud­get­si­tua­tion. Kon­so­li­die­rungs­pfad klar ver­fehlt. Defi­zit bis 2030 wei­ter über drei Pro­zent­grenze des BIP. Keine Struk­tur­re­for­men. Ergeb­nis­lose Reform­part­ner­schaft mit Län­dern und Gemein­den. Keine Kri­sen­re­si­li­enz und wachs­tums­ori­en­tierte Maßnahmen. Die öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung in Per­son von Finanz­mi­nis­ter Mar­kus Mar­ter­bauer hat kürz­lich ihr Dop­pel­bud­get für die Jahre 2027 und 2028 ver­öf­fent­licht. Nun hat der öster­rei­chi­sche Fis­kal­rat seine ent­spre­chende […]
magnifier
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram