
Nach Gerechtigkeit kommt Freiheit
Beim Kongress „Momentum“ sollen Politik und Wissenschaft verbunden werden. Studenten, Wissenschaftler, Politiker und Menschen aus der Praxis diskutieren gemeinsam. Nicht Titel, sondern Argumente zählen.
Fährt man mit dem Zug nach Hallstatt, erreicht man den Ort per Schiff. Die Bahnstation liegt auf der gegenüberliegenden Seite des Hallstättersees. Es ist ein malerischer Ort im Inneren Salzkammergut und zugleich ein Ort des Widerstandes. Schon immer wurde hier vermeintlich Gottgegebenes hinterfragt, Obrigkeiten wurden herausgefordert und eigene Wege gesucht.
Ein Vorbild, dem die Veranstalter von „Momentum“ folgen möchten. Unter der Organisation der Ex-Vorsitzenden der Österreichischen Hochschülerschaft Barbara Blaha sowie der wissenschaftlichen Begleitung vom Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik der Uni Linz findet die Tagung Ende Oktober zum zweiten Mal statt. Anders als üblich wird bei diesem Kongress nicht auf Namen gesetzt.
Suche nach neuen Wegen
„Gehört wird, wer etwas zu sagen hat. Nicht Titel oder wissenschaftlicher Background stehen dabei im Vordergrund, sondern das beste Argument“, sagt Barbara Blaha. Vor allem junge Menschen sollen im Mittelpunkt der Tagung stehen, ihre Ideen sollen gehört werden, und sie sollen die Möglichkeit bekommen, sich mit Wissenschaftlern zu vernetzen.
Ausgangspunkt des Diskurses sind neoliberale Denkmuster, die Politik und Wissenschaft seit Jahren dominieren. In Hallstatt soll nach neuen Wegen gesucht, Alternativen zur herrschenden Praxis gefunden werden. „Mit der Wirtschaftskrise kommt der Neoliberalismus in Kritik. Es gibt noch nichts Neues. Hier wollen wir ansetzen, wir suchen neue Konzepte“, so die Veranstalter.
Über 200 Menschen aus Politik, Wissenschaft, zivilgesellschaftlichen Organisationen und der Praxis werden sich dazu Ende Oktober im Weltkulturerbeort Hallstatt treffen. Ein Großteil der Teilnehmer ist zwischen 30 und 35 Jahre alt. Nach dem Überbegriff Gerechtigkeit widmet sich „Momentum“ dieses Jahr dem Thema Freiheit, das aus rechtlichen, politischen und sozialwirtschaftlichen Blickwinkeln diskutiert wird. Engagierte Wissenschaftler wie Markus Marterbauer (Wirtschaftsforschungsinstitut), Nadja Shah (Mietervereinigung Österreich) und Ruth Becker (Universität Dortmund) finden sich auf der Liste der Workshop-Leiter.
Nach Gerechtigkeit und Freiheit soll in den kommenden zwei Jahren der Diskurs zu den Themen Grundgleichheit und Solidarität folgen. Alternativkonzepte sollen dabei nicht nur vorgeschlagen, sondern auch auf ihre Tauglichkeit hin geprüft werden. Denn : „Unser Ziel ist die Entwicklung von Maßnahmen, die auf nationalstaatlicher Ebene auch umsetzbar wären und zu mehr sozialer Gerechtigkeit beitragen.“