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© Pexels.com/Anete Lusina

Nach­hal­tige Hilfe für psy­chisch kranke Jugendliche

Land Nie­der­ös­ter­reich reagiert umge­hend auf Ent­wick­lung bei psy­chi­schen Belas­tun­gen von jun­gen Men­schen. Online-Selbst­hil­fe­pro­gramm IstOkay.at ist gestar­tet und zudem neues For­schungs­zen­trum für jugend­li­che Transitionspsychiatrie.

Psy­chi­sche Erkran­kun­gen neh­men bei Jugend­li­chen immer mehr zu. Eine aktu­elle Stu­die des Depart­ments für Psy­cho­the­ra­pie und Bio­psy­cho­so­ziale Gesund­heit der Donau-Uni­ver­si­tät Krems zeigt, dass öster­reich­weit 62 Pro­zent der Mäd­chen und 38 Pro­zent der Bur­schen eine depres­sive Sym­pto­ma­tik auf­wei­sen (eco­nomy berich­tete). Seit Beginn der Corona-Pan­de­mie haben sich depres­sive Sym­ptome oder Ängste ver­fünf- bis verzehnfacht. 

„Diese Ent­wick­lung ist sehr besorg­nis­er­re­gend. Die Belas­tungs­grenze der Jugend­li­chen scheint weit über­schrit­ten zu sein. Daher ist es mir sehr wich­tig, dass wir hier von Sei­ten der Poli­tik schnell reagie­ren und so haben wir auch die Donau-Uni­ver­si­tät Krems bei der Ent­wick­lung eines Online-Selbst­hil­fe­pro­gramms unter­stützt“, erläu­tert Johanna Mikl-Leit­ner, Lan­des­chefin von Nie­der­ös­ter­reich den Start der Platt­form istokay.at.

Eige­nes For­schungs­zen­trum für junge Menschen
Psy­chi­sche Stö­run­gen bei Jugend­li­chen im Alter zwi­schen 15 und 25 waren schon vor Aus­bruch der Pan­de­mie ein Pro­blem. In Öster­reich lei­det fast jeder vierte Jugend­li­che in die­ser Alters­gruppe unter einer psy­chi­schen Stö­rung. Für Nie­der­ös­ter­reich umge­legt sind das etwa 42.000 betrof­fene Jugend­li­che. Ergän­zend zum neuen Selbst­hil­fe­pro­gramm finan­ziert Nie­der­ös­ter­reich daher nun auch das neue For­schungs­zen­trum „Tran­si­ti­ons­psych­ia­trie“ der Karl Land­stei­ner Pri­vat­uni­ver­si­tät am Stand­ort des Uni­kli­ni­kums Tulln mit fast 1,4 Mil­lio­nen Euro bis 2026.

Selbst­hil­fe­platt­form istokay.at
„Gerade für Jugend­li­che am Über­gang zwi­schen Kind­heit und Erwach­sen­sein besteht eine beson­dere Ver­sor­gungs­lü­cke, da oft weder die Ange­bote der Kin­der­psych­ia­trie noch die der Erwach­sen­psych­ia­trie adäquat oder attrak­tiv erschei­nen“, erläu­tert Johanna Mikl-Leit­ner. Im Selbst­hil­fe­pro­gramm istokay.at erfah­ren Jugend­li­che was sie selbst tun kön­nen und dazu soll ihnen der Hil­fe­an­spruch leich­ter gemacht wer­den. Es brau­che „unter­schied­li­che und beson­ders nie­der­schwel­lige Ange­bote, um mög­lichste viele Betrof­fene zu errei­chen“. Istokay.at wurde wis­sen­schaft­lich von der Donau-Uni Krems ent­wi­ckelt und betreut. 

Ein Zei­chen von Stärke
In Video-Pod­casts wer­den Ursa­chen, Sym­ptome und Zusam­men­hänge von unter­schied­li­chen Berei­chen wie Stress, depres­sive Sym­ptome, Schlaf­stö­run­gen oder Ängste kom­pakt erläu­tert und Tech­ni­ken vor­ge­stellt die Jugend­li­che in ihren All­tag inte­grie­ren kön­nen. Das Pro­gramm wurde für die Alters­gruppe von 14 bis 20 Jahre ent­wi­ckelt und ist kos­ten­los auf­ruf­bar. „Es ist nor­mal, dass man Sor­gen oder Ängste hat. Wich­tig ist, Hilfe in Anspruch zu neh­men. Das ist ein Zei­chen von Stärke und Größe“, appel­liert Mikl-Leit­ner die neue Platt­form zu nutzen.

For­schungs­gruppe DOT und Uni­kli­ni­kum Tulln
Die Tran­si­ti­ons­psych­ia­trie wie­derum ist ein rela­tiv neues Feld inner­halb der Psych­ia­trie und fokus­siert auf junge Men­schen zwi­schen dem 15. und 25.Lebensjahr. Das neue For­schungs­zen­trum in Nie­der­ös­ter­reich ist eine Koope­ra­tion der For­schungs­gruppe DOT („Die offene Tür“) – einer gemein­sam mit der Lud­wig Boltz­mann Gesell­schaft eta­blier­ten For­schungs­ein­heit — und der Abtei­lun­gen Erwach­se­nen­psych­ia­trie und Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Tulln. Durch diese Zusam­men­ar­beit sol­len zukünf­tig Pati­en­tIn­nen gemein­sam betreut wer­den und For­schung rund um die gemein­same kli­ni­sche Arbeit betrie­ben werden.

Das Prin­zip Open Innovation
Das Zen­trum folgt dem „Open Inno­va­tion“ Prin­zip, wo alle Stake­hol­der zen­tral in die For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten mit­ein­ge­bun­den sind. „Es geht nicht nur darum, Jugend­li­chen bei der Bewäl­ti­gung psy­chi­scher Pro­bleme zu hel­fen, son­dern auch zu ver­ste­hen, wie psy­chi­schen Pro­ble­men vor­ge­beugt wer­den kann. Dazu arbei­ten wir gemein­sam mit den Jugend­li­chen mit einem gro­ßen Netz­werk von Insti­tu­tio­nen und auch mit dem Schul­sys­tem in Nie­der­ös­ter­reich sowie der Cari­tas eng zusam­men“, so Beate Schrank, Lei­te­rin der For­schungs­gruppe DOT.

Autor: red/czaak
14.01.2022

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