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Naïve Hacker und wuchernde Würmer

Sei­ner­zeit agier­ten die „Code War­ri­ors“ meist noch aus lau­te­ren Moti­ven. Und heute ? Ein kur­zer his­to­ri­scher Streifzug.

Wer weiß das schon : So man­cher der heu­ti­gen Super­stars der Com­pu­ter­szene begann seine Lauf­bahn als – Hacker ! Dar­un­ter der junge Bill Gates, aber auch der spä­tere Apple-Grün­der Steve Jobs, der die hacke­ri­sche Mani­pu­la­tion der Tele­fon-Sys­teme blen­dend beherrschte. Den­noch­hatte kei­ner der bei­den etwas Abgrund-Böses im Sinn : Für Gates stand eher die sport­li­che Ambi­tion als Pro­gram­mier­ge­nie im Vor­der­grund, und der damals noch „arme“ Steve Jobs senkte sol­cher­art seine Tele­fon­kos­ten. Zudem been­dete der kurz danach ein­set­zende Mega- Erfolg der ganz lega­len Art ihrer bei­der Hacker-Karriere. 

Ein unfrei­wil­li­ger Zerstörer
Zwei­fel­haf­ten Ruhm hin­ge­gen erwar­ben sich als­bald ganz andere – und fall­weise sogar unfrei­wil­lig. So löste im Herbst 1988 ein hacken­der US-Stu­dent namens Robert Mor­ris jr. vom Key­board sei­ner uni­ver­si­tä­ren Unix-Work­sta­tion aus (mit eini­gen simp­len Befehls­zei­len) die erste aus­ge­dehnte Viren­ka­ta­stro­phe aus. Das kleine Pro­gramm, seit­her als Pro­to­typ eines „Inter­net-Worm“ berühmt­be­rüch­tigt, legte bin­nen weni­ger Stun­den Aus­brei­tungs­zeit empfi ndli­che Teile des US-Inter­net kur­zer­hand lahm. 3.000 Sys­teme waren davon direkt betrof­fen, 250.000 Rech­ner gefähr­det. Die pro­mi­nen­tes­ten Opfer : Nasa, Pen­ta­gon, die Élite-Uni­ver­si­tä­ten Stan­ford, Cor­nell und Ber­ke­ley. Der Scha­den belief sich auf zig Mio. Dol­lar. Mor­ris’ Wurm (eigent­lich ein „gut­ar­ti­ger“ Com­pu­ter­vi­rus) wies näm­lich einen win­zi­gen, aber fol­gen­schwe­ren Pro­gram­mier­feh­ler auf, durch den er sich in den Sys­te­men, in die er ein­drang, wie wild ver­mehrte. Folge : Die „ange­steck­ten“ Com­pu­ter „häng­ten“ sich aus Über­las­tung „auf“, Groß­rech­ner- Netz­werke lagen tage­lang brach. Dabei emp­fand sich Mor­ris als „edler Hacker“, er wollte bloß zei­gen, dass die Unix-Ser­ver des Inter­net schwere Sicher­heits­lü­cken auf­wie­sen. Den­noch : Er wurde zu Gefäng­nis und einer sat­ten Geld­strafe ver­ur­teilt. Heute wirkt jed­wede idea­lis­ti­sche Nai­vi­tät, die noch Gates, Jobs oder sogar Mor­ris bewegte, längst deplat­ziert : In den „Netz­wer­ken des freien Mei­nungs­aus­tau­sches“ tum­meln sich gefähr­lich wir­kungs­volle Gesel­len, wel­che aus ego­ma­nen oder finan­zi­el­len, aus destruk­ti­ven oder omni­po­ten­ten Moti­ven agieren.
Der Sicher­heits­experte Rob Clyde, Mit­be­grün­der von Axent Tech­no­lo­gies, ana­ly­siert, dass sich in der Zwi­schen­zeit rund 30.000 Sites der hacke­ri­schen Sache ver­schrie­ben haben, das Gros davon mit dubio­sen bis hin zu kri­mi­nel­len Ambi­tio­nen. Und poten­zi­el­les Angriffs­ziel ist jeder­mann : So kam selbst der Bran­chen­gi­gant Micro­soft durch eine Hacker-Atta­cke gehö­rig ins Schleu­dern, berich­tet die USBran­chen- Insi­de­rin Amy Hart : Am 14. Okto­ber 2000 erhielt ein Ange­stell­ter von Micro­soft eine E‑Mail mit einem harm­los wir­ken­den Attach­ment. Die­ses ent­hielt jedoch ein klei­nes Pro­gramm, wel­ches sich auto­ma­tisch im Sys­tem instal­lierte und einen Out­si­der-Zugang zum PC des Mit­ar­bei­ters und des­sen Pass­wör­tern öff­nete. Eine ärgere Panik, etwa durch ein Über­grei­fen die­ser Mecha­nis­men auf das interne Netz­werk von Micro­soft, konnte gerade noch ver­hin­dert wer­den. Nur Bill Gates reagierte gelas­sen, denn ihm war zuvor schon klar gewe­sen : Das Inter­net hat seine jugend­li­che Unschuld längst verloren.

Aus­ge­wähl­ter Arti­kel aus Print­aus­gabe 02/2006

Autor: Jakob Steuerer
Economy Ausgabe: 02-01-2006
09.02.2017

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