Zum Inhalt
© Pixabay_Tho-Ge_TU_111225

Neue Recy­cling­me­thode für Textilien

TU Wien ent­wi­ckelt ungif­ti­ges Lösungs­mit­tel für Recy­cling von Tex­ti­lien aus Misch­stof­fen. Ursprüng­li­che Mate­ria­lien wie Baum­woll­fa­sern wer­den dabei nicht beschä­digt. For­scher sehen meh­rere Mög­lich­kei­ten für indus­tri­elle Ver­wer­tung. 

Aktu­ell wer­den pro Jahr weit über hun­dert Mil­lio­nen Ton­nen Tex­ti­lien pro­du­ziert. Das ist mehr als dop­pelt so viel wie noch im Jahr 2000. Dadurch wird es immer wich­ti­ger, alte Tex­ti­lien nicht ein­fach zu ent­sor­gen, son­dern sie auf umwelt­scho­nende Weise wie­der­zu­ver­wer­ten.

Die­ser Vor­gang ist oft­mals kom­pli­ziert, beson­ders dann, wenn es sich um Misch­tex­ti­lien han­delt, etwa um den gän­gi­gen Mix aus Baum­wolle und Poly­es­ter. An der TU Wien wurde nun eine Methode ent­wi­ckelt, sol­che Misch­tex­ti­lien effi­zi­ent zu tren­nen und zu recy­celn – und das gelang auf ver­blüf­fend ein­fa­che Weise, mit­hilfe von Men­thol und Ben­zoe­säure, zwei ungif­ti­gen Sub­stan­zen, so die TU Wien.

Rück­ge­win­nungs­ra­ten von 100 Pro­zent bei Baum­wolle und 97 Pro­zent bei Polyester

„Was zunächst über­rascht : Sowohl Men­thol als auch Ben­zoe­säure sind bei Raum­tem­pe­ra­tur fest. Doch zusam­men bil­den sie eine Flüs­sig­keit – ein soge­nann­tes Deep Eutec­tic Sol­vent und diese neu­ar­tige Flüs­sig­keit ist ein leis­tungs­fä­hi­ges, ungif­ti­ges und zudem leicht her­stell­ba­res Lösungs­mit­tel mit viel­fäl­ti­gen Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten“, erklärt Andreas Bartl vom Insti­tut für Ver­fah­rens­tech­nik, Umwelt­tech­nik und Tech­ni­sche Bio­wis­sen­schaf­ten.

Wird nun die­ses neu­ar­tige Lösungs­mit­tel auf 216 °C erhitzt, tren­nen sich in nur fünf Minu­ten die Bestand­teile der Misch­tex­ti­lien. Der Poly­es­ter löst sich voll­stän­dig, die Baum­wolle bleibt unver­än­dert und kann anschlie­ßend gewa­schen, getrock­net und wie­der­ver­wen­det wer­den. Der Poly­es­ter­an­teil fällt beim Abküh­len aus, wird abge­trennt und kann eben­falls recy­celt wer­den. Mit Rück­ge­win­nungs­ra­ten von 100 Pro­zent bei Baum­wolle und 97 Pro­zent bei Poly­es­ter wird ein nahezu voll­stän­di­ges Recy­cling erreicht – ein bis­her uner­reich­tes Ergeb­nis.

Nur tren­nen und nicht che­misch zerlegen

„Das wirk­lich Erstaun­li­che an die­sem neuen Ver­fah­ren ist, dass weder die Baum­wolle noch der Poly­es­ter beschä­digt oder che­misch ver­än­dert wer­den“, sagt Andreas Bartl. „Unsere Unter­su­chun­gen zei­gen : Die Baum­woll­fa­sern blei­ben sta­bil und behal­ten ihre typi­schen Eigen­schaf­ten — sie las­sen sich sogar wie­der zu neuen Gar­nen verspinnen“. 

Der Poly­es­ter bleibt ebenso unver­än­dert. „Seine Struk­tur und Schmelz­tem­pe­ra­tur sind gleich wie zuvor. Das zeigt, wie scho­nend und effi­zi­ent die­ser Recy­cling­pro­zess funk­tio­niert“, unter­streicht Bartl. Bis­lang wurde Poly­es­ter beim Recy­cling meist che­misch zer­legt und in klei­nere Mole­kül­bau­steine auf­ge­spal­ten. „Die neue Methode hin­ge­gen erhält die Poly­mer­ket­ten voll­stän­dig – dadurch bleibt die Mate­ri­al­qua­li­tät erhal­ten“, so Bartl.

Viel­ver­spre­chende Methode für indus­tri­elle Anwendungen

Bis­her wurde das Ver­fah­ren nur im Labor getes­tet, doch das For­schungs­team rund um Nika Depope und Andreas Bartl sieht darin auch gro­ßes Poten­zial in der indus­tri­el­len Ver­wer­tung. „Sowohl die zurück­ge­won­nene Baum­wolle als auch der recy­celte Poly­es­ter kön­nen für zahl­rei­che Anwen­dun­gen genutzt wer­den — etwa für neue Garne, Fasern, Vlies­stoffe oder tech­ni­sche Tex­ti­lien“, erläu­tert Andreas Bartl von der TU Wien.

Das TU-Team rund um Nika Depope und Andreas Bartl arbei­tet nun auch daran, den Pro­zess noch ener­gie­ef­fi­zi­en­ter zu machen. Hin­ter­grund ist, dass die not­wen­dige Tem­pe­ra­tur von 216 °C ener­ge­tisch gese­hen ein Nach­teil ist. Die For­schen­den sind aber zuver­sicht­lich, dass sich hier „wei­tere Opti­mie­run­gen erzie­len las­sen und die Methode künf­tig im indus­tri­el­len Maß­stab zum Ein­satz kom­men kann“. (red/​rucz)

Autor: red/rucz
11.12.2025

Weitere aktuelle Artikel

Ver­lag und Redak­tion von eco­nomy wün­schen allen Lesern und Wer­be­kun­den einen epo­cha­len Som­mer – auch wenn die Rol­ling Stones noch immer nicht nach Europa kom­men und „nur“ neue Songs ver­öf­fent­li­chen. Dafür gibt es noch die span­nende Fuß­ball-WM und ein geson­der­tes Resü­mee für das Öster­rei­chi­sche Natio­nal­team als Lesestoff. Wie gewohnt zu die­sem Zeit­punkt und in pau­sen­be­ding­ter Vor­schau auch […]
Initia­tive AI for Social Impact prä­miert KI-Pro­jekte für bes­se­ren Zugang zur Gesund­heits­ver­sor­gung. Koope­ra­tion von Ars Elec­tro­nica und CARE Öster­reich adres­siert die Bewäl­ti­gung sozia­ler, öko­lo­gi­scher und huma­ni­tä­rer Herausforderungen. Beim dies­jährigen Prix Ars Elec­tro­nica wer­den neben dem Bewerb der Gol­de­nen Nica erst­mals auch Pro­jekte der AI for Social Impact Initia­tive aus­ge­zeich­net. Die neue Aus­zeich­nung ist eine Koope­ra­tion […]
Mana­ged Ser­vices über erfah­rene IT-Dienst­leis­ter für unter­schied­li­che IT-Anwen­dun­gen sind für Unter­neh­men wie Ver­wal­tung unver­zicht­ba­rer Bestand­teil ihrer digi­ta­len Trans­for­ma­tion. CAN­COM Aus­tria ver­an­kert die­ses Thema nun auch als eige­nen Bereich im Manage­ment und holt sich mit Roman Ober­auer einen aus­ge­wie­se­nen Experten. Roman Ober­auer (47) hat mit Anfang Juni als Mana­ging Direc­tor der Can­com Con­ver­ged Ser­vices GmbH den […]
Nie­der­ös­ter­rei­chi­sches Raum­fahrt­un­ter­neh­men R‑Space prä­sen­tiert ers­ten kom­plett in Öster­reich ent­wi­ckel­ten Satel­li­ten für kom­mer­zi­elle Nut­zung. Bei ers­tem Start im Som­mer tes­ten drei inter­na­tio­nale Unter­neh­men neue Tech­no­lo­gien unter rea­len Bedingungen. Am Flug­ha­fen Wien-Schwe­chat wurde soeben die erste kom­mer­zi­elle Satel­li­ten­mis­sion aus Öster­reich prä­sen­tiert. Das nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Raum­fahrt­un­ter­neh­men R‑Space ent­wi­ckelt mit der Mis­sion „IOD-01“ den ers­ten voll­stän­dig in Öster­reich ent­wi­ckel­ten und […]
Roland Spe­di­tion setzt gemein­sam mit T‑Systems Öster­reich auf künst­li­che Intel­li­genz. Neue Lösung auto­ma­ti­siert kom­plexe Zuord­nung von Ein­gangs­rech­nun­gen zu Auf­trags­po­si­tio­nen, stei­gert die Effi­zi­enz und senkt die Prozesskosten. Die Logis­tik­bran­che steht unter mas­si­vem Kos­ten­druck. Beson­ders die manu­elle Bear­bei­tung von Ein­gangs­rech­nun­gen bin­det wert­volle Res­sour­cen, da Belege inter­na­tio­na­ler Part­ner oft kei­nem ein­heit­li­chen Stan­dard fol­gen. Die Roland Spe­di­tion, ein füh­ren­der […]
magnifier
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram