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Neue The­ra­pie bei Nierenversagen

Aku­tes Nie­ren­ver­sa­gen ver­hin­dert lebens­wich­tige Ent­gif­tung des Kör­pers. Ärzte der Med-Uni Inns­bruck ent­wi­ckeln für Nie­ren­er­satz­the­ra­pie neues extra­kor­po­ra­les Blut­rei­ni­gungs­ver­fah­ren gegen gefähr­li­che Übersäuerung.

Die Niere ist ein lebens­wich­ti­ges Organ, das für die Ent­gif­tung von Stoff­wech­sel­pro­duk­ten und die Auf­recht­erhal­tung des Säure-Basen Haus­hal­tes ver­ant­wort­lich ist. Bei einem aku­ten Nie­ren­ver­sa­gen pas­siert (auch) eine schäd­li­che Über­säue­rung des Kör­pers. Die Behand­lung erfolgt dann mit­tels einer kon­ti­nu­ier­li­chen Nie­ren­er­satz­the­ra­pie (Anm. Hämo­fil­tra­tion), ein extra­kor­po­ra­les Blut­rei­ni­gungs­ver­fah­ren, das diese Funk­tion bei Inten­siv­pa­ti­en­ten rund um die Uhr übernimmt. 

Nur 60 von 100 Inten­siv­pa­ti­en­ten mit Nie­ren­er­satz­the­ra­pie überleben

Allein auf der Inten­siv­sta­tion der Uni­kli­nik in Inns­bruck sind jähr­lich rund 100 kri­tisch kranke Patient:innen auf eine der­ar­tige kon­ti­nu­ier­li­che Nie­ren­er­satz­the­ra­pie ange­wie­sen. Medi­zi­ner um Michael Joann­idis (Anm. Lei­ter der Gemein­sa­men Ein­rich­tung für Inter­nis­ti­sche Inten­siv-und Not­fall­me­di­zin) und Fabian Per­schinka, haben nun Infu­sio­nen mit geän­der­ter Zusam­men­set­zung getes­tet und sie konn­ten damit den wich­ti­gen Säure-Basen-Haus­halt der Patient:innen bes­ser stabilisieren.

„Wenn die Nie­ren ver­sa­gen, würde man inner­halb kur­zer Zeit ster­ben. Die Nie­ren­er­satz­the­ra­pie auf der Inten­siv­sta­tion ver­hin­dert das“, sagt Joann­idis von der von Her­bert Tilg gelei­te­ten Univ.-Klinik für Innere Medi­zin I. Die Sterb­lich­keit bleibt aber trotz­dem hoch. Nur etwa 60 von 100 Inten­siv­pa­ti­en­ten, die mit einer Nie­ren­er­satz­the­ra­pie behan­delt wer­den müs­sen, über­le­ben laut Angaben.

Bei jedem extra­kor­po­ra­len Ver­fah­ren muss Blut­ge­rin­nung gehemmt werden

Vor die­sem Hin­ter­grund setz­ten Joann­idis und Per­schinka beim Pro­jekt (und Stu­die) bei der Gerin­nungs­hem­mung an, die gleich­zei­tig den Säure-Basen Haus­halt kon­trol­liert. Bei jedem extra­kor­po­ra­len Ver­fah­ren muss die Blut­ge­rin­nung gehemmt wer­den, andern­falls würde bei der Nie­ren­er­satz­the­ra­pie der Fil­ter verkleben. 

Vor rund 20 Jah­ren wurde bei die­ser Nie­ren­er­satz­the­ra­pie erst­mals statt einer sys­te­mi­schen Blut­ver­dün­nung mit Hepa­rin die soge­nannte regio­nale Gerin­nungs­hem­mung (Anm. Anti­ko­agu­la­tion) mit Citrat ein­ge­führt. Seit etwa zehn Jah­ren wird sie im deutsch­spra­chi­gen Raum groß­flä­chig eingesetzt. 

Weni­ger basi­sche Lösung keine Gefahr für die Patient:innen

Wich­tig ist noch, dass Patient:innen kei­nen Basen­über­schuss (Anm. Alkal­ose) ent­wi­ckeln, was zu einer erhöh­ten Sterb­lich­keit füh­ren kann, weil sich der Sau­er­stoff­trans­port und die Akti­vi­tät der kör­per­ei­ge­nen Pro­te­ine ver­än­dern. Bes­ser wäre also eine weni­ger basi­sche Substitutionslösung. 

„Wir füh­ren mit der neuen Methode etwas weni­ger Basen zu, um hier gegen­zu­steu­ern“, bestä­tigt Michael Joann­idis von der Med Uni Inns­bruck. Final konn­ten die Medi­zi­ner zei­gen, dass die weni­ger basi­sche Lösung keine Gefahr für die Patient:innen dar­stellt und sich der pH-Wert genauso schnell nor­ma­li­siert wie mit der bis­he­ri­gen Methode. Ins­ge­samt wird nun eine bes­sere meta­bo­li­sche Kon­trolle und Sta­bi­li­tät ermöglicht.

Hin­weise auf bes­se­res Überleben

Zusätz­lich zeich­net sich ein mög­li­cher Trend zu einer redu­zier­ten Sterb­lich­keit bei jenen Proband:innen ab, die zuerst die Sub­sti­tu­ti­ons­lö­sung mit weni­ger Bicar­bo­nat erhiel­ten (23 Pro­zent gegen­über 39 Pro­zent). Nun ist eine mul­ti­zen­tri­sche Stu­die geplant, in der die Wis­sen­schaft­ler über­prü­fen wol­len, ob die bes­sere meta­bo­li­sche Kon­trolle auch zu einem bes­se­ren Lang­zeit­über­le­ben führt. 

In der Zwi­schen­zeit kom­men die Stu­di­en­ergeb­nisse den Inns­bru­cker Patient:innen bereits zugute. An der inter­nis­ti­schen Inten­siv­sta­tion wird für die kon­ti­nu­ier­li­che Nie­ren­er­satz­the­ra­pie nun bereits die offen­bar bes­ser geeig­nete Infu­si­ons­lö­sung in Kom­bi­na­tion mit der Citrat-Anti­ko­agu­la­tion ver­wen­det. „Das ist jetzt unsere Haupt­stra­te­gie“, sagt Michael Joann­idis (Anm. Lei­ter der Gemein­sa­men Ein­rich­tung für Inter­nis­ti­sche Inten­siv-und Not­fall­me­di­zin). (red/​rucz)

Autor: red/rucz
21.01.2026

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