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© vishnudeep dixit von Pexels

Neues Leben für alte Leintücher

Allein in Europa fal­len jähr­lich fünf Mil­lio­nen Ton­nen Tex­til­ab­fälle an. TU-Wien, Boku-Wien und Mon­tan­uni Leo­ben ent­wi­ckeln gemein­sam neue bio­che­mi­sche Metho­den für effi­zi­en­tes Recy­celn von Mischtextilien.

Alte Tex­ti­lien sind oft­mals viel zu schade für den Abfall. Umge­kehrt ist es oft nicht ein­fach sie zu neuen, hoch­wer­ti­gen Pro­duk­ten wei­ter­zu­ver­ar­bei­ten und das gilt vor allem dann, wenn es sich um Misch­fa­sern han­delt, die etwa aus Baum­wolle und Poly­es­ter bestehen. In einem gro­ßen For­schungs­pro­jekt, an dem neben der TU Wien, der Uni­ver­si­tät für Boden­kul­tur Wien und der Mon­tan­uni Leo­ben auch ver­schie­dene Indus­trie­part­ner betei­ligt waren, wurde nun eine Methode ent­wi­ckelt, tex­tile Abfälle aus Misch­fa­sern che­misch auf­zu­tren­nen. Die Baum­wolle wird dabei in Zucker umge­wan­delt, der Poly­es­ter­an­teil wird auf­be­rei­tet und wie­der­ver­wen­det. Am Ende ent­ste­hen neue Tex­ti­lien mit der­sel­ben Qua­li­tät wie die alten.

5 Mil­lio­nen Ton­nen Textilabfälle
In Europa fal­len pro Jahr etwa 5 Mil­lio­nen Ton­nen Tex­til­ab­fälle an. Ein gro­ßer Teil davon wird ver­brannt oder depo­niert. Nun schreibt eine neue EU-Richt­li­nie vor, dass Alt­tex­ti­lien ab 2025 getrennt gesam­melt wer­den müs­sen. „Ganz beson­ders viele Alt­tex­ti­lien fal­len in Hotels oder in Kran­ken­häu­sern an“, sagt Andreas Bartl vom Insti­tut für Ver­fah­rens­tech­nik, Umwelt­tech­nik und tech­ni­sche Bio­wis­sen­schaf­ten der TU Wien. „Nach unge­fähr 100 Wasch­gän­gen sind die Tex­ti­lien kaputt. Durch das wie­der­holte Waschen und Trock­nen bre­chen die Fasern, das Mate­rial löst sich auf und bekommt Löcher“, so Bartl weiter.

Das For­scher­team arbei­tete mit Lein­tü­chern, die aus 60 Pro­zent Baum­wolle und 40 Pro­zent Poly­es­ter bestehen. Zunächst pas­sierte die Zer­tei­lung in feine Flo­cken, dann wurde die Baum­wolle mit Hilfe von Enzy­men vom Poly­es­ter getrennt und in Glu­cose umge­wan­delt. „Die­ser Schritt ist ent­schei­dend, man braucht dafür ganz spe­zi­fi­sche Enzyme und außer­dem muss man Wege fin­den, den Pro­zess auf gro­ßen, indus­tri­el­len Maß­stab zu ska­lie­ren“, erläu­tert Bartl.

Nach der enzy­ma­ti­schen Tren­nung ent­ste­hen Poly­es­ter­fa­sern und Zucker­lö­sung. Die Fasern wer­den getrock­net und gerei­nigt, in spe­zi­el­len Recy­cling­an­la­gen auf­ge­schmol­zen und zu Gra­nu­lat auf­be­rei­tet. Die­ses Gra­nu­lat wird dann zu einem Garn ver­spon­nen, der dann bei­spiels­weise durch Zugabe von neuer Baum­wolle wei­ter­ver­ar­bei­tet wer­den kann. So ent­steht am Ende wie­der eine Mate­ri­al­mi­schung, die dem Aus­gangs­stoff ent­spricht und die­selbe Qua­li­tät hat. 

Weni­ger CO2 und Aus­zeich­nung für Projekt
Bis­her wird Poly­es­ter aus fos­si­len Roh­stof­fen gewon­nen. Recy­cling von Tex­ti­lien ist daher ein wich­ti­ger Schritt zur Ver­bes­se­rung der CO2-Bilanz. „Wir wol­len mit unse­rem Pro­jekt die Grund­lage für eine nach­hal­tige Kreis­lauf­wirt­schaft schaf­fen“, unter­streicht TU-For­scher Andreas Bartl. Die­ser enzy­ma­ti­sche Pro­zess wurde an der Uni­ver­si­tät für Boden­kul­tur ent­wi­ckelt, an der TU Wien wurde das Ver­fah­ren auf gro­ßen Maß­stab ska­liert und an der Mon­tan­uni­ver­si­tät Leo­ben wur­den die Eigen­schaf­ten des Kunst­stoffs genau ana­ly­siert, um eine mög­lichst gute Qua­li­tät zu gewährleisten.

Im Rah­men des Pro­jekts konn­ten die Uni­ver­si­tä­ten in enger Zusam­men­ar­beit mit den Fir­men­part­nern die Mach­bar­keit des Pro­zes­ses demons­trie­ren. Das Pro­jekt wurde im Novem­ber 2019 mit dem „Cluster­land Award 2019“ aus­ge­zeich­net, einem mit 5.000 Euro dotier­ten Preis, der von der Raiff­ei­sen-Lan­des­bank Nie­der­ös­ter­reich-Wien als Gene­ral­spon­sor und eco­plus, der Wirt­schafts­agen­tur des Lan­des Nie­der­ös­ter­reich, ver­ge­ben wird. Aktu­ell arbei­ten die Pro­jekt­part­ner bereits an einem Nach­fol­ge­pro­jekt, um einen opti­mier­ten, KMU-taug­li­chen Pro­zess für ein qua­li­täts­ge­si­cher­tes stoff­li­ches Recy­cling zu entwickeln. 

Autor: red/mich
16.12.2019

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