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Noch höhere Preise und Druck auf Arbeitsmarkt

Aktu­elle Umfrage von ifo Insti­tut in Deutsch­land beleuch­tet wirt­schaft­li­che Aus­wir­kun­gen durch Erhö­hung bei Min­dest­lohn. Unter­neh­men fürch­ten wei­tere Preis­er­hö­hun­gen und Fol­gen für Arbeitsmarkt.

Die Deut­sche Regie­rung erhöht den Min­dest­lohn zum 1. Okto­ber von 10,45 auf 12 Euro pro Stunde, das sind rund 15 Pro­zent. Unter­neh­men in fast allen Wirt­schafts­zwei­gen sind davon betrof­fen. Das Münch­ner ifo-Insti­tut hat nun 6.900 Betriebe zum Thema Aus­wir­kun­gen der Min­dest­lohn-Erhö­hung befragt. Fast 31 Pro­zent der Fir­men beschäf­ti­gen Mit­ar­bei­ter für weni­ger als 12 Euro pro Stunde. 58 (!) Pro­zent pla­nen nun als Reak­tion auf die Erhö­hung des Min­dest­lohns ihre Preise anzu­he­ben. „Das dürfte die ohne­hin schon hohe Infla­tion wei­ter antrei­ben“, sagt Sebas­tian Link, Arbeits­markt­ex­perte am ifo-Insti­tut in Mün­chen (D).

Preis­er­hö­hun­gen sind damit die am häu­figs­ten genannte Folge. Nur knapp 13 Pro­zent der betrof­fe­nen Unter­neh­men pla­nen auf­grund der Erhö­hung Stel­len abzu­bauen. Rund 83 Pro­zent wol­len die Zahl der Beschäf­tig­ten gleich hal­ten, und 5 Pro­zent möch­ten sie erhö­hen. Die durch­schnitt­li­che Arbeits­zeit der Beschäf­tig­ten wol­len 18 Pro­zent der betrof­fe­nen Unter­neh­men ver­rin­gern, ebenso rund 18 Pro­zent den­ken über Kür­zun­gen bei zusätz­li­chen Lohn­be­stand­tei­len wie Son­der­zah­lun­gen, Boni und geld­wer­ten Vor­tei­len nach. 

Redu­zierte Inves­ti­tio­nen in vie­len Bereichen
Die betrof­fe­nen Unter­neh­men wol­len zudem ihre Inves­ti­tio­nen sowie Fort­bil­dungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men eher zurück­schrau­ben (21 Pro­zent und 11 Pro­zent) als aus­bauen (Rund 5 Pro­zent). „Die große Mehr­heit der betrof­fe­nen Unter­neh­men plant dem­nach nicht, die teu­rer gewor­de­nen Arbeits­kräfte durch Kapi­tal zu erset­zen oder in das Wis­sen der Beschäf­tig­ten zu inves­tie­ren, um deren Pro­duk­ti­vi­tät zu stei­gern“, sagt Link.

Viele Befragte ver­mu­ten, dass sich ihre Ein­kaufs­preise in Folge der Min­dest­lohn­an­he­bung erhö­hen wer­den. Von den direkt betrof­fe­nen Unter­neh­men erwar­tet dies knapp die Hälfte, unter den nicht direkt betrof­fe­nen Unter­neh­men beläuft sich die­ser Anteil auf 29 Pro­zent. Fer­ner rech­nen knapp 53 Pro­zent mit schrump­fen­den Gewin­nen, 32 Pro­zent mit abneh­men­der Wett­be­werbs­fä­hig­keit und 23 Pro­zent mit weni­ger Nach­frage als Folge der Mindestlohnerhöhung. 

Angst vor Rezession
Beim Thema Wirt­schafts­leis­tung erwar­ten die ifo-Exper­ten im kom­men­den Jahr nun ein Schrump­fen um 0,3 Pro­zent. Heuer pro­gnos­ti­zie­ren sie noch 1,6 Pro­zent Wachs­tum. Die Geld­ent­wer­tung dürfte im kom­men­den Jahr bei über 9 Pro­zent lie­gen. „Die Kür­zun­gen der Gas­lie­fe­run­gen aus Russ­land und die dadurch aus­ge­lös­ten dras­ti­schen Preis­stei­ge­run­gen ver­ha­geln die wirt­schaft­li­che Erho­lung nach Corona. Erst 2024 erwar­ten wir eine Nor­ma­li­sie­rung mit 1,8 Pro­zent Wachs­tum und 2,5 Pro­zent Infla­tion“, so ifo-Experte Timo Wollmershäuser.

Im Ver­gleich zum Juni senkt das ifo seine Wachs­tums­pro­gnose für 2023 um 4 Pro­zent­punkte und ebenso deut­lich fällt die erhöhte Infla­ti­ons­pro­gnose um 6 Pro­zent­punkte aus. „Das sind unge­wöhn­lich hohe Ände­run­gen in einem so kur­zen Zeit­raum“, betont Woll­mers­häu­ser. Die Ener­gie­ver­sor­ger pas­sen vor allem zu Jah­res­be­ginn 2023 ihre Strom- und Gas­preise spür­bar an die hohen Beschaf­fungs­kos­ten an. „Das werde die Infla­ti­ons­rate im ers­ten Vier­tel­jahr 2023 sogar auf etwa 11 Pro­zent hoch­trei­ben“, so der ifo-Experte. 

Kauf­kraft sinkt spürbar
Die rea­len Haus­halts­ein­kom­men gehen damit kräf­tig zurück und damit sinkt auch die Kauf­kraft spür­bar. Das dritte Ent­las­tungs­pa­ket der deut­schen Bun­des­re­gie­rung dürfte die­sem Rück­gang zwar etwas ent­ge­gen­wir­ken, ihn aber bei wei­tem nicht aus­glei­chen. „Der Kauf­kraft­ver­lust, gemes­sen am Rück­gang der rea­len Pro-Kopf-Löhne, ist so hoch wie nie zuvor seit dem Beginn der volks­wirt­schaft­li­chen Gesamt­rech­nun­gen im Jahre 1970“, betont Woll­mers­häu­ser. Im wei­te­ren Ver­lauf des kom­men­den Jah­res soll sich der Preis­an­stieg all­mäh­lich abschwächen. 

Dabei nimmt das ifo Insti­tut an, dass im Win­ter genü­gend Gas zur Ver­fü­gung steht. Des­halb soll­ten die Ener­gie­preise nicht wei­ter stei­gen und spä­tes­tens ab dem Früh­jahr 2023 wie­der sin­ken. Schwere Aus­wir­kun­gen auf den Arbeits­markt erwar­tet das ifo Insti­tut nicht. Der Beschäf­ti­gungs­auf­bau werde sich nur vor­über­ge­hend ver­lang­sa­men. Der Anstieg der Arbeits­lo­sen um gut 50.000 Per­so­nen im kom­men­den Jahr gehe vor allem auf den sprung­haf­ten Anstieg von arbeits­lo­sen Ukrai­ne­rIn­nen letz­ten Som­mer zurück, diese kön­nen nur lang­sam in den Arbeits­markt inte­griert werden. 

Autor: red/czaak
27.09.2022

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